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Mit Feuer und Flamme ins Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

Feuerwehrfahrzeug im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

2017 wurde das neue Feuerwehrmuseum Kaufbeuren eröffnet, das wollte ich mir endlich einmal ansehen. Dazu passt perfekt die Führung Feuer und Flamme, bei der man einmal im Monat die Kaufbeurer Altstadt auf den Spuren der Feuerwehrgeschichte erkunden kann. Mit einem echten Feuerwehrmann als Führer! Die habe ich auch mitgemacht und hier ist mein Bericht.

Einmal im Monat: die Themenführung „Feuer und Flamme“

Treffpunkt ist immer am ersten Samstag im Monat um 10:30 Uhr an der Tourist Information vor dem Rathaus. Dort erwartete uns Christoph Heider in einer alten Feuerwehruniform. Bei echten Einsätzen trägt er natürlich eine moderne Uniform; er ist nämlich Zugführer bei der freiwilligen Feuerwehr Kaufbeuren.

Feuerwehrmann Christoph Heider bei der Führung Feuer und Flamme

Er erzählte zunächst einiges über die Entstehungsgeschichte der Feuerwehr. Im Mittelalter waren nämlich die Mitglieder der Handwerkszünfte zu Löschdiensten verpflichtet, und zwar je nach Gewerk mit unterschiedlichen Aufgaben. Im Zuge der Industrialisierung, als das Handwerk an Bedeutung verlor, musste eine andere Lösung gefunden werden. So kam es 1858 zur Gründung der Feuerwehr Kaufneuren im Gasthaus zum Ochsen. Getragen wurde sie von Mitgliedern des Turnvereins; das zünftige Beisammensein im Wirtshaus spielte offenbar auch immer schon eine große Rolle.

Afraberg und Fünfknopfturm

Dieses Bild zeigt den Afraberg, den wir im Rahmen der Führung erklommen haben. Die Heilige Afra ist nämlich sowohl die Schutzpatronin der Freudenmädchen, die hier einst ihrem Gewerbe nachgingen, als auch der Feuerwehrleute.

Das zeigt, wie praktisch katholische Frömmigkeit schon immer orientiert war: Afra soll nämlich zunächst als Venuspriesterin tätig und damit auch sexuell recht aktiv gewesen sein, bevor sie Christin wurde und als Märtyrerin verbrannt wurde. Damit war klar, für welche Bevölkerungsgruppen sie fortan zuständig sein würde.

der Afraberg in Kaufbeuren

Wenn man den Afraberg hinaufsteigt, gelangt man zum Fünfknopfturm, dem Wahrzeichen Kaufbeurens. Über Jahrhunderte saß ganz oben im Turm ein Türmer, dessen Hauptaufgabe es war, nach Bränden Ausschau zu halten und bei Bedarf schnell Alarm zu schlagen. Da einer allein das nicht rund um die Uhr übernehmen kann, hauste dort meist eine ganze Familie, die sich im Dienst abwechselte. Das Klo war übrigens ganz unten …

der Fünfknopfturm in Kaufbeuren

Kein Wunder, dass die erste Telefonleitung in Kaufbeuren vom Fünfknopfturm zum Rathaus verlegt wurde. Das war im Jahr 1882. Weiter ging es ein Stück auf der alten Wehrmauer entlang; das ist toll und nur im Rahmen einer Führung möglich.

auf der alten Wehrmauer in Kaufbeuren

Der Wehrgang endet an der Blasiuskirche, dann geht es über den Blasiusberg wieder hinunter. Von hier hat man einen sehr schönen Blick auf die Altstadt.

Blick auf die Altstadt von Kaufbeuren

Die Heilige Crescentia und die Feuerwehr

Auch zum Crescentiakloster machten wir einen kleinen Abstecher. Es geht nämlich die Legende, die Heilige habe auf ihrem Sterbebett darum gebetet, dass in Kaufbeuren nie mehr als ein Haus gleichzeitig brennen möge. Angeblich ist das auch seit ihrem Tod im Jahr 1744 auch wirklich nicht mehr vorgekommen. Das ist sicher eine Erleichterung für die Feuerwehr.

Eingang zum Crescentiakloster in Kaufbeuren

Die Stadtführung endet nach etwa zwei Stunden dann auf dem Gelände der ehemaligen Textilspinnerei und -weberei Momm, wo heute das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren untergebracht ist.

Besuch im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

Einst war die 1839 gegründete Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Momm ein bedeutendes Unternehmen, das hunderte von Arbeitern beschäftigte und wegen der hohen Brandgefahr auch eine eigene Werksfeuerwehr unterhielt. 2005 musste Momm Insolvenz anmelden und die letzten 180 Mitarbeiter entlassen. Heute entstehen auf dem ehemaligen Werksgelände teilweise Wohnungen, teilweise sind Unternehmen in die Gebäude eingezogen. (Es sind auch noch Hallen zu vermieten, falls jemand Interesse hat.)

Bereits fest belegt ist dieses Gebäude, das die Feuerwehrler mit rund 10.000 Stunden Eigenleistung zum Museum ausgebaut haben.

Feuerwehrmuseum Kaufbeuren - Außenansicht

Im Erdgeschoss sind Feuerwehrfahrzeuge aus zwei Jahrhunderten ausgestellt, von denen einige noch vor relativ kurzer Zeit im Einsatz waren.

Fahrzeuge im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

alte Gerätschaften im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

Sehr hübsch fand ich die ebenso kreativen wie thematisch passenden Deckenleuchten:

Deckenleuchte aus alten Feuerwehrschläuchen

Wenn man sieht, mit welchem Löschgerät die Feuerwehrler früher auskommen mussten, kann man sich nur wundern, wie sie es überhaupt geschafft haben, Brände zu löschen.

Löschgerät aus dem Jahr 1905

Da war dies auf jeden Fall ein guter Rat:

Helft Brände verhüten - Schild

Im Obergeschoss befindet sich ein nachgebauter Straßenzug aus der mittelalterlichen Stadt. Hier geht es mehr um die Menschen im Löscheinsatz, als um die Technik.

Kaufbeurer Altstadtszene im Feuerwehrmuseum

Feuerwehrmuseum Kaufbeuren - Ausstellung im Obergeschoss

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs, als Deutschlands Städte bombardiert wurden, war die Feuerwehr laufend im Einsatz. Wie das ausgesehen hat, zeigt diese nachgestellte Szene in der zerstörten Augsburger Altstadt (in der Annastraße). Die fand ich schon ziemlich beeindruckend.

Löscheinsatz im zweiten Weltkrieg - Szene aus dem Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

Wirklich unter die Haut ging dann der Film über den Bombenkrieg und die Feuerstürme danach, den man im nachgebauten Luftschutzbunker ansehen kann.

nachgebauter Luftschutzkeller im Feuerwehrmuseum Kaufbeuren

Hoffentlich sehen sich das viele Menschen und hören den Zeitzeugenberichten gut zu. Damit es so etwas bei uns nie wieder gibt. Und woanders bitte auch nicht.

Mein Fazit

Insgesamt fand ich die Führung Feuer und Flamme sehr informativ und unterhaltsam und das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren sowohl vom Gebäude als auch von der Ausstellung her toll gemacht. Allerdings müsste die Führung vielleicht etwas gekürzt werden, denn nach insgesamt 3 Stunden waren wir doch ganz schön platt. Wenn ihr nicht ganz so intensiv in die feurige Stadtgeschichte eintauchen wollt, besucht ihr das Museum eben ohne vorherige Stadtführung.

Feuerwehrmuseum Kaufbeuren - Pin

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