Für Entdecker, Für Familien
Kommentare 2

Entdeckertour über den Sagenweg in die Sturmannshöhle Obermaiselstein

Der Höhlensee in der Sturmannshöhle Obermaiselstein

Die Sturmannshöhle in Obermaiselstein ist die einzige auch für Nicht-Speläologen begehbare Höhle des Allgäus und schon seit über hundert Jahren touristisch erschlossen. Besucher erleben einen faszinierenden Ausflug tief ins Innere des Schwarzenbergs, samt unterirdischem Bachlauf und See. Die Einheimischen wussten natürlich schon lange vor der Erforschung und Erschließung, dass dort eine Höhle ist. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden mehrere Sagen um den geheimnisvollen Spalt im Berg. Diese veranschaulicht heute der Sagenweg, der den Aufstieg zum Höhleneingang nicht nur für Kinder unterhaltsam macht.

Schild am Eingang der Sturmannshöhle

Vom Hirschsprung über den Sagenweg zur Sturmannshöhle

Ausgangspunkt dieses Entdeckerspaziergangs ist der Parkplatz am „Hirschsprung“ bei Obermaiselstein. Dort ist auch eine Bushaltestelle, man kann mit dem Bus 44 von Oberstdorf oder einem der Hörnerdörfer dorthin fahren.

der Hirschsprung bei Obermaiselstein

Der Hirschsprung, ein schmaler Durchlass zwischen zwei Felswänden, verdankt seinen Namen übrigens auch einer Sage: Es soll einmal ein Hirsch auf der Flucht vor einem Luchs über diesen Spalt gesprungen sein. Das war wohl ein ganz besonders sportlicher Hirsch!

Der Sagenweg Obermaiselstein

Vom Hirschsprung aus ist der Sagenweg mit seinen verschiedenen Stationen ausgeschildert. An jeder Station stehen Tafeln, auf denen die jeweilige Sage erzählt und der historische Hintergrund erklärt wird.

Beschilderung am Sagenweg in Obermaiselstein

Gleich am Anfang kann man das Venedigermännlein an der Felswand erkennen, das hier einst einem Einheimischen begegnet sein soll. Es hatte die Taschen voller Gold- und Silberzapfen …

das Venedigermännle am Sagenweg in Obermaiselstein

Besonders hübsch fand ich den im Waldboden schlafenden Drachen. Es ist ja klar, dass zu einer Höhle ein Drache gehört, der einen Goldschatz bewacht. Von einem Goldschatz in der Sturmannshöhle berichten gleich mehrere Sagen, eine davon erzählt auch von einem Drachen. Es gibt in der Höhle übrigens wirklich einen, aber davon erzähle ich später mehr.

Schlafender Drache am Sagenweg Obermaislstein

Aus dem Hang des Schwarzenbergs bricht der Fallenbach hervor, der sich rauschend über das Gestein ergießt. Hier finden sich Figuren der drei Wilden Fräulein, die einst in der der Höhle gehaust haben sollen. Sie trugen die etwas eigenartigen Namen Maringaa, Tschudre Mudre und Stuzze Muzz, waren freundliche Wesen und zudem geschickte Spinnerinnen und Weberinnen. Am Bach wuschen sie immer ihre Leinenerzeugnisse, heißt es.

wildes Fräulein am Fallenbach
wildes Fräulein am Fallenbach bei Obermaiselstein

Der Sagenweg endet an Hansls Höhlenstüble, das gleichzeitig ein Café und der Kiosk für den Eintrittskartenverkauf ist. Die Sturmannshöhle kann nämlich nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Hansls Höhlenstüble in Obermaiselstein

Wir haben nach dem Ticketkauf noch eine Kaffeepause am Höhlenstüble eingelegt. Ich habe sowohl den köstlichen Heidelbeermuffin als auch den schönen Blick über die Hörnerdörfer und auf den Grünten sehr genossen.

Heidelbeermuffin
Grüntenblick von Obermaiselstein aus

Vom Höhlenstüble sind es dann nochmals 10 Minuten Aufstieg bis zum eigentlichen Höhleneingang.

Eingang zur Sturmannshöhle Obermaiselstein

Das letzte Stück führt über Holztreppen nach oben.

Treppe zum Eingang der Sturmannshöhle

Am Ende der Treppe wartet man, bis der Höhlenführer erscheint, die Karten kontrolliert und die Führung beginnt.

Führung durch die Sturmannshöhle

Ha, wusste ich doch, dass es einen Goldschatz gibt! Er liegt gleich am Höhleneingang und ist freundlicherweise gut beleuchtet. Große Menschen müssen sich anschließend gleich mal bücken.

Blick in die Sturmannshöhle

Danach wird es eng …

im ersten Teil der Sturmannshöhle

Man passiert das Drachentor und gelangt zum Adlerschacht, der steil nach oben ragt. 2018 wurde die Beleuchtung in der Sturmannshöhle auf LED umgestellt. Das spart sehr viel Energie, ist wegen der geringeren Wärmeentwicklung fledermausfreundlicher und ermöglicht zudem eine wesentlich bessere Ausleuchtung als zuvor. Die Höhlenwände treten jetzt viel plastischer hervor als früher.

der Adlerschacht in der Sturmannshöhle

Schließlich ist die erste Treppe erreicht: Es geht abwärts.

Abstieg in der Sturmannshöhle

Und weiter abwärts.

TTreppe in der Sturmannshöhle

Während des Abstiegs wird das Tosen des unterirdischen Bachs immer lauter. Ihm verdankt die Sturmannshöhle übrigens ihren Namen, denn sturmatz ist das mittelhochdeutsche Wort für Lärm oder Getöse. Der Bach braust unter dem Steg dahin.

Steg in der Sturmannshöhle Obermaiselstein

Schließlich ist der tiefste begehbare Punkt erreicht: 72 Meter unter dem Eingang liegt der Höhlensee, dessen Wasser so klar ist, dass man ihn kaum erkennt. Vielleicht liegt es auch an der farbigen Beleuchtung. Jedenfalls reicht der See noch 40 Meter weiter, als man ihn sehen kann. Und er ist über 25 Meter tief!

Kinder am Höhlensee in der Sturmannshöhle

Hier gilt es also, umzukehren, den Steg zurückzugehen und die Stufen wieder hochzusteigen.

Rückweg vom tiefsten Punkt der Sturmannshöhle

Beim Aufstieg bleibt Zeit, das „Höhlenfeeling“ zu genießen.

Aufstieg aus der Sturmannshöhle

Der Rückweg führt natürlich auch wieder durch das Drachentor. Wie ihr seht, trägt es seinen Namen zu Recht, denn hier wohnt tatsächlich ein Drache. Und zwar einer mit einem griesgrämigen Chef.

das Drachentor in der Sturmannshöhle

Es ist ein sehr hübscher Drache:

Drache in der Sturmannshöhle Obermaiselstein

Nach dem Drachentor geht es ohne weitere Stufen zurück zum Höhlenein- und -ausgang.

In der Sturmannshöhle im Allgäu

Nach rund 40 Minuten ist das Tageslicht wieder erreicht.

Ausstieg aus der Sturmannshöhle in Obermaiselstein

Infos und Tipps zur Besichtigung der Sturmannshöhle

  • Die Führungen finden stündlich statt und dauern etwa 45 Minuten.
  • Achtet darauf, rechtzeitig am Höhleneingang zu sein (Gehzeit vom Kiosk etwa 10 Minuten), damit ihr den Beginn der Führung nicht verpasst und eine Stunde auf die nächste warten müsst.
  • Der Eintritt kostet 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren (Stand: Sommer 2019). Die jeweils aktuellen Öffnungszeiten und Preise findet ihr auf der Website der Hörnerdörfer.
  • In der Höhle ist es auch im Sommer kühl (die Temperatur liegt bei höchstens 8°C), ihr solltet also auch an warmen Tagen eine Jacke mitnehmen.
  • Für Kinder ab etwa 4 Jahren ist die Höhlenbesichtigung ein tolles Abenteuer. Familien mit kleineren Kindern empfehle ich die Sturmannshöhle aber nicht. Es sind nämlich 180 Stufen zu bewältigen – erst hinunter und dann wieder hinauf. Um ein Kind zu tragen (auch in einer Kraxe) ist es zu eng. Bei unserer Besichtigung war ein etwa zweijähriges Kind dabei, das durchgehend gejammert hat, weil es eben überhaupt keinen Spaß macht, mit so kurzen Beinen über so viele steile Stufen durch feuchte Dunkelheit zu stapfen.
Wanderung über den Sagenweg zur Besichtigung der Sturmannshöhle in Obermaiselstein im Oberallgäu

Der Ausflug zur Sturmannshöhle ist wetterunabhängig und für Klein und Groß lohnend. Deswegen habe ich ihn sowohl auf die Liste meiner Top-Empfehlungen der Regenwetter-Ausflugsziele im Allgäu als auch auf die Liste meiner Allgäu-Schlechtwetterziele speziell für Familien mit Kindern aufgenommen.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.