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Reizvolle Wanderung durch die Hausbachklamm

In der Hausbachklamm bei Weiler

Die Hausbachklamm war nach dem schneereichen Winter 2018/19 wegen vieler umgestürzter Bäume lange gesperrt. Erst seit August 2020 ist sie wieder komplett zugänglich – und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Steinmannderl mit Wuschelschopf im Hausbach

Ich beschreibe hier eine Rundwanderung, die im Ortszentrum von Weiler im Westallgäu beginnt, durch die untere und obere Hausbachklamm führt, anschließend in einem großen Bogen durch den Wald zum Geotop Enschenstein und von dort überwiegend auf Wald- und Wiesenpfaden zurück nach Weiler. Mit einem Klick auf die Karte kommt ihr auf die Komoot-Seite und könnt dort die GPS-Daten herunterladen:

Durch die Untere Hausbachklamm

Wir starten an der Tourist Information. Der Hausbach fließt auf der gegenüberliegenden Straßenseite durch Weiler hindurch und mündet am westlichen Ortsrand in die Rothach. Wir gehen auf unserer Runde bachaufwärts, also in östliche Richtung, zunächst vor der Friedhofsmauer entlang, dann den Wegweisern zur Hausbachklamm nach.

Der Hausbach in Weiler im Allgäu
Wegweiser in Weiler zur Hausbachklamm und zur Lourdesgrotte

Die Lourdesgrotte wurde nicht, wie sonst im Allgäu häufig üblich, in einen Felsen gehauen. Sondern sie befindet sich in einem Gebäude, das einer Kapelle ähnelt. Sie gehört auf jeden Fall zu den üppigsten Andachtsorten dieser Art, die ich kenne.

Lourdesgrotte am Eingang der Hausbachklamm

Gleich nach der Grotte beginnt der eigentliche Weg durch die Untere Hausbachklamm.

Am Eingang zur Hausbachklamm

Der kleine Wasserfall ist zwar ziemlich domestiziert, aber trotzdem hübsch anzusehen.

Der Hausbachfall

Kurz nach dem Stufenfall schickt uns ein Wegweiser hinaus zur Pestkapelle. Die musste ich mir natürlich auch ansehen.

Die Pestkapelle St. Sebastian in Weiler

Sie stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als erst die Schweden und dann die Pest in Weiler gehaust hatten. Die überlebenden Bürger bauten die kleine Kapelle im Jahr 1628. Wenig später wurde sie dem Heiligen Sebastian geweiht, der als Schutzpatron unter anderem für die Pest, diverse Geschwüre und andere Infektionskrankheiten zuständig ist.

Innenansicht der Kapelle St. Sebastian in Weiler

Nach dem kleinen Abstecher geht es zurück an den Bach.

Spazierweg am Hausbach bei Weiler

Nach und nach wird der Charakter der Klamm natürlicher und wilder.

Wilde untere Hausbachklamm

Ein Stück weiter queren wir den Bach über diese Brücke:

Holzbrücke über den Hausbach

Danach kommt ein besonders hübscher Abschnitt, in dem wir über Steige und Stege an den hier recht steilen Wänden der Klamm entlanggehen und das Wasser ein gutes Stück unter uns dahinplätschert.

Steig in der unteren Hausbachklamm
befestigter Weg in der Unteren Hausbachklamm

An der nächsten Brücke sind wir dann wieder auf Bachhöhe. Das hier flache Ufer lädt zu einer kleinen Pritschelpause ein: Schuhe ausziehen und ab ins kalte Wasser!

Badestelle in der Unteren Hausbachklamm

Anschließend geht es aufwärts …

Wanderweg

und schließlich auf der Höhe des Dorfes Oberreute bzw. des Weilers Untertrogen aus der Klamm heraus. Wir überqueren sie auf der Straße (dort ist auch ein kleiner Wanderparkplatz) und gehen am gegenüberliegendn Ufer wieder hinunter.

Brücke am Ende der Unteren Hausbachklamm

Durch die Obere Hausbachklamm

Nach der Brücke beginnt die Obere Hausbachklamm. Ab hier ist die Bezeichnung Klamm eigentlich irreführend, denn in diesem Abschnitt gibt es keine steilen Felswände mehr. Gleich zu Beginn sind Bachbett und Ufer breit und flach. Das ist eine prima Stelle zum Waten und Steinmännchenbauen, zum Picknicken oder gar Grillen. Tatsächlich ist hier ein offizieller Grillplatz, den man nach Anmeldung und schriftlicher Genehmigung durch die Tourist Information in Weiler nutzen darf.

Grillplatz in der Hausbachklamm bei Weiler

Wir spazieren weiter bachaufwärts, wie durch einen grünen Tunnel.

In der Oberen Hausbachklamm

Manchmal entfernt sich der Weg etwas vom Bachbett und führt durch den Wald,

Steg über einen kleinen Wasserlauf in der Hausbachklamm

dann führt er wieder hinunter ans Wasser:

das Bachbett in der Oberen Hausbachklamm bei Weiler
Ruhebank in der Oberen Hausbachklamm

Das ist auf jeden Fall eine der hübschesten Bachwanderungen, die ich je gemacht habe!

Ein echtes Highlight für Familien ist der Abenteuerspielplatz am Ende der Oberen Hausbachklamm. Neben einer Rutsche und einem Klettergerüst für die kleineren Kinder gibt es dort eine richtig tolle Seilrutsche, mit der man über die ganze Bachbettbreite sausen kann.

Seilrutsche am Abenteuerspielplatz in der Oberen Hausbachklamm

Danach sind es nur noch gut zehn Gehminuten bis zum Ausstieg aus der Hausbachklamm beim Weiler Schnellers.

Über den Enschenstein zurück nach Weiler

In Schnellers gehen wir ein ganz kurzes Stück nach rechts (Norden) auf der Straße und dann, nach einem sehr schön blau geschindelten Haus, im spitzen Winkel nach links.

Von Schnellers zum Enschenstein

Wir folgen zuerst der Beschilderung nach Untertrogen, dann der zum Enschenstein durch den Wald. Schließlich geht es hinaus aus dem Wald und ein Stückchen über eine Straße. Nach den zwei Schuppen, die ihr hier seht, zweigt erneut im spitzen Winkel ein Pfad nach links ab, hinunter zum Geotop Enschenstein.

Zwischen den Trogener Mooren und dem Enschenstein

Es liegt in einer bewaldeten Senke.

Auf dem Weg zum Enschenstein

Der Enschenstein ist ein großer Nagelfluhrücken, der teils dicht bewachsen ist, teils mit nackten, steilen Wänden aus dem Waldboden ragt.

Der Enschenstein bei Weiler
Steilwand im Geotop Enschenstein

Man kann ihn auf einem schmalen Pfad erklimmen und erkunden (aber Vorsicht: an manchen Stellen geht es steil abwärts!).

Auf dem Enschenstein bei Weiler

Rundherum liegen wie Riesenpilze große Nagelfluhbrocken im Wald, die vom Hauptrücken abgebrochen sind. Auch sie sind dicht bewachsen.

im Geotop Enschenstein

Es ist eine faszinierend wilde Landschaft, die mich stark an das Geotop Teufelsküche bei Obergünzburg erinnert hat. Übrigens soll der Enschenstein schon in prähistorischer Zeit besiedelt gewesen sein und zur Zeit der Alamanneneinfälle als Fliehburg gedient haben.

Vom Enschenstein nach Weiler

Am Fuß des Enschensteins stehen eine ganze Reiher Wegweiser; Weiler ist in zwei Richtungen angeschrieben. Wir wählen die Variante, die mit den drei Steinen der Wandertrilogie Allgäu beschildert ist. Sie führt uns auf vielen steilen Stufen abwärts in den Mühlenbachtobel, den wir über eine schmale Brücke überqueren.

Brücke über den Mühlenbachtobel bei Weiler

Wie zu befürchten war, geht es auf der anderen Seite noch steiler aufwärts. Das war das schweißtreibendste Stück auf dieser Runde! Heraus kommen wir auf einer Viehweide.

Viehweide

Auch auf dem restlichen Abschnitt ist der Weg nach Weiler bestens ausgeschildert. An der Vieheide halten wir uns links und gelangen zum Waldrand, wo ich eine kurze Verschnaufpause auf einer Panoramaliege eingelegt habe. Von dort schaue ich nach Osten über die typische Westallgäuer Hügellandschaft.

BWestallgäuer Hügellandschaft bei Weiler

Nach Südosten hatte ich sogar Bergblick, und zwar Richtung Sulzberg, das jenseits der österreichischen Grenze liegt.

Bergblick

Nach dem Panoramapäuschen geht es weiter durch den Wald, dann in das Dörfchen Riegen und von dort über Wiesen- und Waldwege zurück nach Weiler.

Wanderweg von Riegen nach Weiler
Blick vom Waldrand auf Weiler im Allgäu

Wir orientieren uns am Kirchturm und gelangen so wieder ins Ortszentrum. Die Pfarrkirche ist im klassizistischen Stil erbaut und dem Heiligen Blasius geweiht. Falls ihr einen Blick hineinwerfen wollt: Besonders die Kreuzigungsgruppe im Altarraum ist ungewöhnlich und sehenswert.

Pfarrkirche St. Blasius in Weiler im Allgäu

Neben der Kirche treffen wir am ehemaligen Kornhaus, das heute als Museum dient, wieder auf den Hausbach.

Der Hausbach in Weiler

Auf der anderen Straßenseite liegt die Tourist Information, von der aus wir gestartet waren.

Einkehr in Weiler

Für mich gehört ja zu einer ordentlichen Wanderung immer auch eine ordentliche Einkehr. Die hatten wir im Brauereigasthof zur Post, der nur drei Minuten zu Fuß entfernt ist.

Brauereigasthof zur Post in Weiler im Allgäu

Der Biergarten liegt hinter dem Haus. Ich fand ihn nicht besonders schön, außerdem war er schon voll. Deswegen haben wir uns in die Gaststube gesetzt, die auf altmodische Weise gemütlich ist. Wir haben eine Weile aufs Essen gewartet, aber mein Brauerschnitzel war gut. Besonders gut hat mir das dazu milde, hauseigene Bier Würze 10 geschmeckt.

Schnitzel, Kartoffelsalat und Bier

Mein Fazit zur Rundwanderung durch die Hausbachklamm

  • Die Runde ist 12 km lang, davon führen etwa 4 km durch die Hausbachklamm.
  • Für den Weg von Weiler durch die Klamm haben wir etwa 1,5 Stunden gebraucht.
  • Von Schnellers über den Enschenstein zurück nach Weilers beträgt die Gehzeit ebenfalls 1,5 Stunden.
  • Der Weg ist nicht kinderwagengeeignet; empfehlenswert sind Wanderschuhe mit Profil.
  • Da insgesamt nur 340 Höhenmeter zu überwinden sind, ist die Runde konditionell nicht besonders fordernd.
Wanderung durch die Hausbachklamm bei Weiler
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Falls ihr (wie ich) eine Schwäche für Klammwanderungen habt, empfehle ich euch auch folgende Posts:

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