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Romantik pur: Zum Sonnenuntergang auf den Hochgrat

Sonnenuntergang auf dem Hochgrat bei Steibis

Ein Sonnenuntergang in den Bergen ist etwas Besonderes, erst recht, wenn man ihn von einem „Logenplatz“ wie auf dem 1.834 Meter hohen Hochgrat bei Oberstaufen bewundern kann. Wer den Abstieg im Dunklen scheut (wie ich), nutzt dazu einfach eine Sonnenuntergangsfahrt der Hochgratbahn. Die wird im Juni, Juli und August jeden Dienstag, im August zusätzlich am Freitag angeboten (nur bei gutem Wetter).

Ich habe diese „Erlebnisfahrt“ im Rahmen einer Recherche für einen neuen Reiseführer gemacht und bei der Gelegenheit noch einen Abstecher auf den Seelekopf eingeplant. Ehrlich gesagt hatte ich mir am Ende eines langen Recherchetages mit mehreren Terminen davon nicht sehr viel erwartet, wurde aber sehr angenehm überrascht.

Bergblumen auf dem Hochgrat im Licht der untergehenden Sonne

Mit der Hochgratbahn zum Sonnenuntergang

Normalerweise nutze ich Bergbahnen nicht, sondern bevorzuge es, Gipfel zu Fuß zu erklimmen. Ich muss aber zugeben, dass die kleinen, zitronengelben Gondeln der Hochgratbahn sehr nett sind.

die Hochgratbahn bei Steibis

Die Fahrt hinauf ist langsam und etwas ruckelig, aber recht gemütlich.

in einer Gondel der Hochgratbahn

Hier seht ihr das Staufner Haus und die westlichen Gipfel der Nagelfluhkette.

Blick aus einer Gondel der Hochgratbahn aufs Staufner Haus und den Seelekopf

Die Bergstation der Hochgratbahn liegt auf 1.708 Metern Höhe.

die Bergstation der Hochgratbahn

Beim Hinausgehen hat man die Wahl: Nach links geht es hinauf zum Hochgrat-Gipfel. Nach rechts führt der Weg abwärts, entweder zum Staufner Haus und von dort talwärts oder weiter nach Westen. Dort reihen sich die Gipfel in absteigender Höhe aneinander: Seelekopf, Hohenfluhalpkopf, Eineguntkopf und die drei Falkenköpfe. In diese Richtung habe ich mich zuerst gewandt.

an der Bergstation der Hochgratbahn

Abstecher zum Seelekopf

Der Weg ist zunächst breit und geröllig. Zum Seelekopf geht es an dem in der Bildmitte erkennbaren roten Dach vorbei.

Weg vom Hochgrat zum Seelekopf

Wenn man die Hütte passiert hat, gelangt man an dieses hübsche Holztor mit den fröhlichen bunten Wimpeln.

die Porta Alpinae auf dem Hochgrat

Es trägt den Namen Porta Alpinae und ist eine Installation des Waltenhofener Künstlers Guenter Rauch. Er hat über 30 solcher „Alpentore“ in Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland errichtet. Ich weiß nicht genau, was sie bedeuten (aber bei welchen Kunstwerken weiß man das schon?), finde dieses Tor aber sehr gut platziert.

Danach führt ein schmaler Gratweg westwärts.

Pfad zum Seelekopf

Anschließend geht es abwärts, zwischendrin sogar über eine Treppe, …

Treppe auf dem Weg zum Seelekopf

dann wieder aufwärts. Wie ihr seht, erfordert der kurze Weg zum Seelekopf durchaus Bergschuhe und eine gewisse Trittsicherheit.

Kletterpartie zum Seelekopff

Nach etwa einer halben Stunde Gehzeit kommt das Gipfelkreuz in Sicht.

kurz vor dem Seelekopf-Gipfel

Der Seelekopf-Gipfel ist klein und nicht sehr spektakulär. Er ist 1.663 Meter hoch, also rund 170 Meter niedriger als der Hochgrat, der deutlich imposanter wirkt.

Gipfelkreuz auf dem Seelekopf bei Steibis

Auf dem Rückweg geht es wieder Stufen hinunter …

Stufen im Fels zwischen dem Seelekopf und dem Hochgrat

und hinauf. Dabei war erfreulich wenig los, ich bin auf dem Rückweg nur zwei Wanderern begegnet.

Treppe zum Hochgrat

Und einem Gleitschirmflieger.

Gleitschirmflieger an der Nagelfluhkette

Hinter dem Fels liegt die Porta Alpinae. Nachdem sie durchschritten ist, geht es wieder an der Hütte mit dem roten Dach vorbei, an der gerade ein einsamer Schumpen die Aussicht ins österreichische Lecknertal bewunderte.

Schumpen mit Aussicht

Dann noch der Anstieg zur Hochgratbahn-Bergstation.

Wegstück von er Porta Alpinae zur Hochgratbahn-Bergstation

Dort hatten sich bereits einige Sonnenuntergangsfans auf der Terrasse versammelt. Da sie nach Westen ausgerichtet ist, eignet sie sich sehr gut als Beobachtungsplatz. Das letzte freie Plätzchen, das ich für eine Limo-und-Schokoriegel-Pause ergattern konnte, lag südwärts.

Blick von der Sonnenterrasse der Hochgratbahn-Bergstation

Ich hatte aber ohnehin nicht vor, dort zu bleiben.

Von der Bergstation auf den Hochgrat-Gipfel

Ich war nicht die einzige, die sich auf den Weg zum Gipfel machte, obwohl es, verglichen mit dem Andrang, der dort tagsüber bei schönem Wetter herrscht, sehr ruhig war.

Gratweg auf dem Hochgrat
Abends auf dem Hochgrat

Die reine Gehzeit von der Bergstation zum Gipfel beträgt rund 20 Minuten. Wer (wie ich) viel fotografiert, braucht natürlich länger, bis er das „Gipfeltreffen“ erreicht.

Abends auf dem Hochgrat-Gipfel

Beeindruckt hat mich das Pärchen, das sich direkt unter dem Gipfelkreuz zum romantischen Picknick mit Champagner und Tischdecke eingefunden hatte. Das hat Stil!

romantisches Picknick unterm Gipfelkreuz

Das Gipfelkreuz auf dem Hochgrat stammt übrigens aus dem Jahr 1901. Mit seinen vernieteten Stahlblechstreifen wirkt es ungewöhnlich technisch, gefällt mir persönlich aber sehr gut.

Wenn man vom Hochgrat weiter ostwärts wandert, gelangt man zum Rindalphorn. Danach könnte man über weitere Gipfel bis zum Mittagberg bei Immenstadt gehen.

Gratweg zum Rindalphorn

Aber ich war ja wegen des Sonnenuntergangs da. Zwar war es kein klarer Tag mit weiter Fernsicht, aber immerhin war die Sonne zu sehen (keine Selbstverständlichkeit im Sommer 2021!). Je weiter sie sank, desto romantischer wurde die Stimmung.

Pärchen im Sonnenuntergang
Blümchen im Sonnenuntergang
Bergblumen im Sonnenuntergang

Als sie in die Wolken gesunken, es aber noch nicht komplett dunkel war, machte ich mich auf den Weg zurück zur Bergstation der Hochgratbahn.

Bei Sonnenuntergang auf dem Hochgrat

Im Süden war schon der Mond aufgegangen und beleuchtete die Schumpen, die friedlich vor sich hin bimmelten.

Schumpen im Mondlicht

Auch beim Schlangestehen vor der Talfahrt war die Stimmung sehr entspannt.

abendliche Warteschlange an der Hochgratbahn

Offiziell ist die Hochgratbahn anlässlich der Sonnenuntergangsfahrten bis 22 Uhr in Betrieb. Aber natürlich lässt sie niemanden auf dem Berg stehen, sondern bringt alle hinunter, die es wollen. Bis ich an der Reihe war, war es Nacht geworden.

Nächtliche Talfahrt mit der Hochgratbahn

Mein Fazit zur Sonnenuntergangsfahrt

Dieser ruhige, stimmungsvolle Abend auf dem Hochgrat war ein sehr schönes Erlebnis, an das ich gerne zurückdenke und das ich euch nur empfehlen kann.

Für den Weg von der Bergstation zum Seelekopf und zurück solltet ihr etwa eine Stunde Zeit einplanen. Von der Bergstation zum Hochgrat-Gipfel und zurück beträgt die Gehzeit etwa 45 Minuten. Denkt an bergtaugliche Schuhe und eine Jacke.

Falls ihr den Berg lieber tagsüber selbst erklimmen wollt, empfehle ich euch meinen Post über die Panoramatour vom Gunzesrieder Tal zum Hochgrat (von dort ist der Aufstieg schöner als von Steibis).

Kategorie: Outdoor

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Oft und gerne tief im Allgäu unterwegs als Bloggerin und Reiseführerautorin

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