Wie kann es in Füssen Geheimtipps geben? Schließlich ist das Städtchen am Ende der Romantischen Straße alles andere als ein Insidertipp, sondern eine der bekanntesten und beliebtesten Urlaubsdestinationen im Allgäu. Übrigens ist Füssen auch die Kleinstadt mit der höchsten Instagramability, und zwar nicht nur im Allgäu, sondern deutschlandweit.
Jedenfalls, wenn man dem Urlaubsportal Travelcircus glaubt, das jährlich ein Ranking der 100 Top Kleinstädte nach ihrem Auftauchen bei Instagram erstellt. Füssen ist 2025 zum neunten Mal in Folge auf Platz 1 gelandet.
Und es stimmt ja auch: Füssen liegt höchst malerisch am Lech und vor den Bergen. Wusstet ihr, dass es die höchstgelegene Stadt Bayerns ist (808bis 1288 Meter)? Das 16.000-Einwohner-Städtchen bietet einige tolle Sehenswürdigkeiten und in seiner Altstadt zudem verwinkelte Gässchen und lauschige Plätze mit farbigen Häuschen. Im Sommer entwickelt es südländisch-italienischen Charme, im Winter entfaltet es besonders bei Schnee alpenländische Bergromantik.

Die Gässchen und Plätzchen sind natürlich alle auch auf Instagram und in Handy-Fotoordnern tausendfach zu sehen. Und wirklich geheim ist eigentlich gar nichts, das sich im Internet findet. Trotzdem habe ich hier ein paar Orte für euch zusammengestellt, die vergleichsweise unbekannt und nicht in jedem Reiseführer zu finden sind. (Ich muss es wissen, ich schreibe schließlich Allgäu-Reiseführer. :-))
Manche von diesen Füssen-Geheimtipps sind richtig schöne Fotospots, andere sind toll wegen der Geschichten, die mit ihnen verbunden sind. Bei manchen trifft beides zu. Aber seht selbst:
Füssen-Geheimtipps: tolle Fotospots, spannende Geschichte(n)
Den ersten Geheimtipp habt ihr oben im Titelbild schon gesehen. Wahrscheinlich, ohne es zu bemerken. Denn diese Füssen-Ansicht findet man öfter. Aber wisst ihr auch, von wo man diesen Blick auf die Altstadt hat? Und wer ihn als erster erkannt und festgehalten hat?
Fotospot mit Geschichte: der Quaglio-Blick

Diese zauberhafte Stadtansicht mit Blick auf den Turm der Sankt-Mang-Kirche (links) und das Hohe Schloss habt ihr vom Franziskanerplatz aus. Das ist das Sträßchen zwischen der Franziskanerkirche St. Stephan und dem Alten Friedhof.
Dort steht die Tafel der Wandertrilogie Allgäu, die auch eine Reproduktion der Zeichnung zeigt, die diesem Aussichtspunkt den Namen Quaglio-Blick eingetragen hat.

Domenico Quaglio (1787 bis 1837) wurde als Sohn einer aus Oberitalien eingewanderten Künstlerfamilie in München geboren und arbeitete dort zunächst als Dekorations- und Hoftheatermaler. Ab 1819 wandte er sich der Romantik zu und spezialisierte sich auf Architekturmalerei, vor allem auf Burgen, Burgruinen, mittelalterliche Altstädte und (gotische) Kirchen. Als solcher wurde er vom bayerischen Kronprinzen Maximilian mit einer „Sammlung malerischer Burgen“ beauftragt.
Und nicht nur das: Der Kronprinz schickte den Maler auch als Mittelsmann vor, um die Burg(ruine) Hohenschwangau zu erwerben, die damals noch den Namen Burg Schwanstein trug. Da der Eigentümer schnell herausfand, wer Quaglio beauftragt hatte, verlangte er einen stolzen Preis, weswegen sich die Verhandlungen eine Weile hinzogen. 1832 gelang der Kauf endlich und Quaglio erhielt den Auftrag, die Ruine zu sanieren und im damals hochaktuellen neugotischen Stil (so romantisch!) um- und aufzubauen. Dieser Aufgabe widmete er sich ab 1833. In dieser Zeit ist auch die Zeichnung der Füssener Altstadt entstanden.
Die Burgrenovierung war wohl ein ziemlich anstrengendes Unterfangen. Jedenfalls starb Domenico Quaglio im Jahr 1837 buchstäblich bei der Arbeit im Schloss Hohenschwangau. Und das führt uns zum zweiten meiner Füssen-Geheimtipps:
Beschaulich und romantisch: der Sebastiansfriedhof
Der Alte Friedhof von Füssen, der wegen der an seinem nördlichen Ende gelegenen Friedhofskirche St. Sebastian auch Sebastiansfriedhof genannt wird, ist sicher der friedlichste Ort im Städtchen. Und er ist alt, sehr alt.

Ursprünglich wurden die Toten rund um das Kloster St. Mang begraben, aber um das Jahr 1500 herum war der dortige Friedhof überbelegt und auch die Kernstadt war zu eng geworden. Daher erweiterte man die Stadtmauer und führte sie um die zuvor außerhalb gelegene Sebastianskirche herum. 1528 verlegte man den Friedhof dorthin. Er musste in den folgenden Jahrhunderten noch zweimal erweitert werden, bis er 1934 geschlossen wurde. Erst seit 1986 finden auf dem Alten Friedhof wieder Beerdigungen statt.
Die parkartige, von alten Bäumen beschattete und von der Stadmauer umschlossene Anlage ist sehr beschaulich. Die Inschriften auf den alten Grabsteinen sind teilweise sehr anrührend, denn Kinder und Frauen starben in früheren Zeiten oft sehr jung.
Auch Domenico Quaglio wurde nach heutigen Maßstäben nicht alt; er starb in seinem 50. Lebensjahr in Hohenschwangau. Begraben wurde er auf dem Alten Friedhof in Füssen, wo ihm der bayerische Kronprinz Maximilian nahe der Sebastianskirche einen Gedenkstein setzen ließ.

Viel schöner kann eine letzte Ruhestätte kaum liegen als auf dem Sebastiansfriedhof. Und vermutlich hätte der von der Romantik inspirierte Künstler sich auch über die Zeilen gefreut, die sein Gönner Maximilian in seinen Grabstein meißeln ließ:
Als Künstler so im Schaffen wie im Wissen
Hat er genügt den Besten seiner Zeit.
Doch um den Menschenfreund, der uns entrissen,
Weint mit der Kunst auch hier die Dankbarkeit.
Auszeitort am Wasser: der Trilogie-Blick am Lechuferweg
Wenn ihr an der Franziskanerkirche vorbeispaziert und dort die schmale Treppe hinuntersteigt, gelangt ihr an ihrem Ende zum Bleichertortum. Wenn ihr das Tor im Turm durchschreitet, kommt ihr zum Lechuferweg. Ein paar Schritte nach links, dann seht ihr schon die von einem Blätterdach überwölbte Ruhebank am sogenannten Trilogie-Blick. Und ja, dieser Blick lädt definitiv zu einer Schaupause sein.


Fotospots: Füssen mit Lech
Überhaupt bildet der Lech mit seiner einzigartigen Farbe aus den verschiedensten Perspektiven einen schönen Rahmen für die Stadt. Das bekannteste Motiv ist der Blick über den Lech auf das ehemalige Kloster Sankt Mang und das Hohe Schloss vom sogenannten Magnusblick aus. Dieser kleine Platz liegt am südlichen Ende der Theresienbrücke.

Jetzt zum Füssen-Geheimtipp: Wenn ihr ein Stückchen westwärts weitergeht, in die Mühlbachgasse in dem kleinen (ehemaligen) Industriegebiet abzweigt und hinter dem Magnuspark-Gebäude vorbeigeht, gelangt ihr an einen kleinen Lechstrand. Von dort aus hat man einen fast noch schöneren Blick auf das Kloster und die Kirche.

Füssen Geheimtipps in der Nähe des Lechfalls
Der Lechfall im Ortsteil Bad Faulenbach ist natürlich auch ein toller Fotospot. Nicht umsonst gehört er zu den meistbesuchten Füssen-Sehenswürdigkeiten. Besonders sehenswert ist er an sonnigen Tagen, wenn der Fluss viel Wasser führt, es aber am Vortag nicht geregnet hat. Dann schimmert der Lech in dieser unvergleichlich türkisgrünen Farbe und die Gischt schäumt im schönsten Kontrast. Aber das ist noch nicht alles …

Falls ihr euch über die Stufen am Lechfall wundert: Die wurden bereits in den 1780er-Jahren künstlich in die Lechklamm eingefügt, weil man ein Stauwehr und einen Seitenstollen einbaute, um die Wasserkraft nutzen zu können (damals natürlich nur mechanisch). Ab 1903 wurde dort Strom erzeugt. Das ist auch heute noch so, wenn auch das Kraftwerk inzwischen modernisiert wurde. Stromerzeugung im Wasserfall ist natürlich ein bisschen unromantisch, aber die nächsten beiden „Geheimtipps“ gleichen das aus.
Der König am Lechfall
Eigentlich ist die Büste des Königs sehr öffentlich platziert. Aber erstaunlich viele Besucher übersehen sie. Und noch weniger wissen, was es damit auf sich hat.

Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, das ist nicht der Märchenkönig Ludwig II. Sondern sein Vater Maximilian II., derjenige, der Schloss Hohenschwangau bauen ließ.

Maximilian war es ja gewesen, der die Gegend um Hohenschwangau bei seinen Reisen durch sein Reich als „Urlaubsgegend“ entdeckte. Durch seine Baumaßnahmen und später durch die Aufenthalte mit seiner Familie und seinem Hofstaat kam Geld in die bis dahin arme Region: Handwerker bekamen lukrative Aufträge, Händler zahlungskräftige Kunden. Nicht zuletzt fand die urlaubende Königsfamilie Nachahmer (sie wirkte gewissermaßen als royale Influencer): Der erste Tourismusboom setzte ein.
Dafür war die Stadt dankbar. Und so errichtete man dem König dieses Denkmal, baute für ihn den Steg über den Lechfall, damit er diesen aus der besten Perspektive bewundern konnte und benannte den Steg auch nach ihm: Bis heute heißt er König-Max-Steg oder kurz Maxsteg.
Landeplatz des Stadtheiligen: der Magnustritt
Bevor es den Maxsteg gab, konnte man die Lechklamm nicht überqueren. Es sei denn, man hatte übernatürliche Fähigkeiten bzw. himmlische Unterstützung. So wie der Heilige Magnus, dem die Stadt Füssen ihre Existenz verdankt. Zunächst war da im 4./5. Jahrhundert ein römischer Militärposten am Lech gelegen. Der wurde aber mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches aufgegeben. Irgendwann um das Jahr 720 herum errichtete dann der Mönch Magnus dort eine Zelle, von der aus er die Region missionierte bzw. das Christentum dort festigte. Daher gilt der Heilige Magnus – allgäuerisch verkürzt auf „Sankt Mang“ – bis heute als Schutzpatron des Allgäus. Aus der Zelle entstand das Kloster und rundherum dann die Stadt.
Um Magnus ranken sich viele Legenden. So soll er einen bösen Drachen besiegt haben, der nahe Roßhaupten hauste. Sein heiliges Wirken gefiel den höllischen Mächten natürlich nicht, und so soll er einmal von Dämonen verfolgt worden sein. Auf der Flucht vor ihnen sprang er über die Lechschlucht und wurde von einem Engel getragen, so dass er wohlbehalten ans andere Ufer gelangte. Freilich war seine Landung so heftig, dass er mit dem Fuß, mit dem er aufkam, einen tiefen Abdruck im Felsen hinterließ.
Voilà.

Na gut, diese Legende entstand erst in den 1620er-Jahren, also ziemlich lange nach dem Tod des Heiligen. Aber bald darauf wurde am Magnustritt ein Kreuz aufgestellt. Das Wasser, das sich im Fußabdruck sammelte, galt als wirksames Heilmittel und man begann, Wallfahrten dorthin abzuhalten. Übrigens noch bis in die 1920er Jahre.
Heute ist der Magnustritt gar nicht so einfach zu finden. Das liegt daran, dass er auf einem Felsen liegt, dem sogenannten Lusalten, der mit ungeeignetem Schuhwerk und ohne eine gewisse Fitness nicht zu erklimmen ist. Die Stadt möchte natürlich nicht, dass sich bei dem Versuch jemand verletzt.
An diesem Parkplatz seht ihr links den Felsen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Aufstiegsmöglichkeit und erreicht nach ein bisschen Klettern das Kreuz, an dessen Fuß der Fußabdruck liegt. Das ist also der geheimste meiner Füssen-Geheimtipps.


Der letzte meiner Füssen-Geheimtipps
Eine der Füssen-Sehenswürdigkeiten, die man nicht verpassen darf, ist das Hohe Schloss. Wegen seiner buchstäblich herausragenden Lage war auf dem Schlossberg bereits von den Römern ein Kastell errichtet worden. Ab 1280 wurde der Schlossberg von der Stadtmauer umschlossen, kurz darauf wurde mit dem Bau einer Burg begonnen. Die wurde im Lauf der Jahrhunderte weiter ausgebaut; ihre heutige Gestalt entspricht aber weitgehend der um das Jahr 1500. Das Schloss setzt daher gewissermaßen einen gotischen Kontrapunkt zum rundum blühenden Barock.
Heute beherbergt es übrigens zwei Museen (die städtische Galerien und eine Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen) und die Füssener Außenstelle des Finanzamts Kaufbeuren. Auch wenn ihr die Museen nicht besichtigen wollt, lohnt sich der Gang in den Schlosshof. Zum einen, weil die Anlage wirklich beeindruckt. Zum anderen, weil die Trompe-l’oeil-Malereien (Illusionsmalereien) an den Fassaden von außerordentlicher Qualität und im Allgäu einzigartig sind.
Wenn ihr das Tor zum Schlossweg hinter der St.-Mang-Kirche durchschreitet, kommt gleich rechts eine unscheinbare Tür mit einem ebenfalls unscheinbaren Schild, auf dem Eingang Terrassengarten steht. Wenn ihr diese durchschreitet, gelangt ihr auf ein Stück Wehrgang, der zu einem Turm mit einer Treppe führt. An deren Ende geht es nach links durch eine weitere Tür hinaus, und dann steht ihr im Terrassengarten, der sich bis zur Schlossmauer hochzieht.

Im Sommer blühen dort Kräuter und Duftpflanzen und man kann die Ruhe im wenig bekannten Gärtchen mit hübschem Ausblick auf den Turm der St.-Mang-Kirche genießen.

Wandertipps: Tolle Touren rund um Füssen
Bereits König Maximilian II. schätzte die herrliche Landschaft rund um Füssen. Wenn ihr diese genießen und erwandern wollt, empfehle ich euch meine folgenden Artikel:
Drei-Seen-Wanderung bei Schwangau: Schwansee, Alpsee, Forggensee
Hinreißende Wanderung rund um den Weißensee bei Füssen
Rundwanderung von Roßmoos zur Salober Alm
Rundwanderweg Hopfensee – kleine Runde mit großartiger Aussicht
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