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Heinrich der Kempter: nackte Tatsachen am Rathaus Kempten

Kempten, die „Metropole des Allgäus“ hat ein schönes Rathaus, das von einem großzügigen Platz und vielen Cafés umgeben ist.

Rathaus Kempten, Ansicht vom Rathausplatz

Erst auf den zweiten Blick fällt an der Wand an der Südseite des Rathauses ein ungewöhnliches Bild ins Auge.

Kempten-Rathaus

Es zeigt einen nackten Mann, der gerade aus einem Badezuber steigt und sein Schwert vor seine edelsten Teile hält. Das ist Heinrich der Kempter.

Rathaus Kempten - Wandausschnitt mit Gemälde

Wer war Heinrich der Kempter?

Ob es ihn wirklich gab, ist keineswegs sicher. Er ist aber der Held einer Erzählung aus dem Mittelalter, die über die Jahrhunderte überliefert und dabei wahrscheinlich ziemlich ausgeschmückt wurde. Laut Überlieferung war er ein Ritter namens Heinrich Ritzner von Campimont, der zur Zeit Ottos des Großen im 10. Jahrhundert lebte.

Heinrich der Kempter als Gemälde am Rathaus in Kempten

Heinrich war an Ostern 953 mit vielen anderen Adeligen in Bamberg, als dort ein Streit eskalierte, in dessen Verlauf er den Truchsess des Kaisers erschlug. Otto verurteilte den hitzköpfigen Allgäuer daraufhin zum Tode, der aber setzte dem Kaiser seinen Dolch an den Hals und erzwang so seine Freilassung. Danach hielt er es für klüger, sich ins Allgäu zurückzuziehen.

961 dann zog Otto der Große in den Krieg nach Italien und forderte unter anderem im Stift Kempten Soldaten an, darunter auch Heinrich von Campimont. Der zog es verständlicherweise vor, Otto nicht direkt unter die Augen zu treten, sondern am Rand der vom Kaiser belagerten Stadt Monte San Leone zu kampieren. Dort nahm er an einem heißen Tag ein Bad in einem Zuber.

Heinrichs Heldentat

Während der Ritter badete, traf sich ganz in der Nähe Kaiser Otto mit einigen italienischen Bürgern, die angekündigt hatten, mit ihm über die Übergabe der Stadt verhandeln zu wollen. Stattdessen zückten sie aber plötzlich ihre Schwerter und versuchten, den Kaiser gefangen zu nehmen. Das gab natürlich einigen Lärm, den Heinrich der Kempter hörte.

Als er begriff, was passierte, sprang er schnurstracks aus seinem Badezuber, griff sich Schwert und Schild und eilte seinem Kaiser splitterfasernackt zu Hilfe. Er war wohl ein großer und kräftiger Mann und ziemlich fit, jedenfalls streckte er angeblich etliche Angreifer nieder und gewann damit so viel Zeit, dass derweil andere Ritter dazustoßen und Otto beschützen konnten. Als sie kamen, stieg der reinliche Allgäuer wieder in seinen Zuber.

Otto war ihm der Überlieferung nach so dankbar für seinen nackten Einsatz, dass er Heinrich dem Kempter nicht nur die Sache mit dem Truchsess verzieh, sondern ihn auch noch mit dem Lehen Thingau (heute: Unterthingau) beschenkte, so dass der aufmüpfige Ritter danach ein gemachter Mann war.

Tolle Geschichte, oder?

Hier auch zum Pinnen:

Heinrich der Kempter zum Pinnen

3 Kommentare

  1. Pingback: Roter Bock - Simon Fehr

  2. Das ist ja wirklich eine nette Geschichte, danke, dass Du sie erzählt hast. Der Gute hält das Schwert ja wirklich äußerst geschickt – ob er das extra geübt hat, um für die Nachwelt so festgehalten zu werden?
    LG Cordula

    • Barbara sagt

      Wahrscheinlich war ihm das völlig egal, aber die tugendhaften Kemptener Bürger haben seine Blöße mannhaft bedeckt 🙂

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