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Funkenfeuer im Allgäu: flammender Brauch in der Fastenzeit

Funkenfeuer im Allgäu mit Funkahex

Die Funkenfeuer im Allgäu (oft auch nur kurz Funken genannt) haben eine lange Tradition. Sie finden am ersten Sonntag der Fastenzeit statt, in manchem Gemeinden auch am Samstag. Dann wird ein riesiger Holzstoß aufgeschichtet, manchmal besteht er auch aus alten Paletten oder dürren Christbäumen. Sobald es dunkel geworden ist, wird der Funken entzündet.

Zum Funkenfeuer im Allgäu gehört die Funkenhexe

Über den Holzstoß wird eine Strohpuppe gehängt, die meist eine Kittelschürze und ein Kopftuch trägt. Das ist die Funkenhexe oder Funkahex. Der Name ist aber etwas irreführend, denn beim Funkenfeuer geht es natürlich nicht um das Nachstellen einer Hexenverbrennung, wie sie im Mittelalter und der frühen Neuzeit üblich waren.  Das wäre ja nun auch nicht gerade ein pflegenswertes „Brauchtum“.

Nein, die Funkenhexe symbolisiert den Winter. Er ist es, der zu Beginn der Fastenzeit verbrannt werden soll. Kälte und Schnee sollen mit einem großen Feuer vertrieben werden.

Ein bisschen gruselig ist es ja schon, wenn die Funkahex an ihrer Stange im Nachthimmel hängt, aber auch sehr aufregend für die Kinder …

Funkenhexe vor dem Anzünden

Dann wird der Funken mit Fackeln in Brand gesteckt. Bei uns in Obergünzburg besteht er traditionell aus trockenen Christbäumen, die sehr schnell lichterloh brennen. Da hält man freiwillig Abstand!

loderndes Funkenfeuer mit der Silhouette eines Mannes davor

Der Funken ist eine Veranstaltung für Groß und Klein

Wenn das Wetter es zulässt, ist der Funken ein echtes Dorfevent, zu dem sich alle Altersgruppen versammeln. Aus diesem Grund ziehen manche Gemeinden es auch auf den Samstag vor, damit die Kinder am nächsten Tag nicht müde in die Schule gehen müssen.

Höhepunkt des Funkenfeuers ist es, wenn die Funkenhexe und damit der Winter in Flammen aufgeht. Bis es soweit ist, stärkt man sich mit einem Imbiss. Oft gibt es Funkenküchle, das ist ein Schmalzgebäck wie die bayerischen Auszognen. Bei uns verkauft der TSV, der den Funken organisiert, Bratwustsemmeln.

Funkenhexe im Feuersturm

Wenn die Funkenhexe verbrannt ist und der Funken langsam verglimmt, machen sich alle wieder auf den Heimweg. 2017 wehte der Föhnwind in Obergünzburg übrigens so heftig, dass die Flammen verblasen wurden und die Funkahex gar nicht erreichten. Der TSV kann sie nächstes Jahr also wiederverwenden. Aber ob das ein gutes Omen für einen baldigen Frühling ist? Wohl eher nicht …

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