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Schwäbisch-alemannische Fasnacht: Dämmersprung in Grünenbach

Dämmersprung in Grünenbach - das Bollermännle vom Motzacher Wald

Im westlichen Allgäu prägt schwäbisch-alemannische Fasnacht das Faschingsbrauchtum: Anders als im Unterallgäu gibt es keine Faschingsgarden, anders als im Ostallgäu keine aufwendigen Faschingswagen. Dafür aber Narrenzünfte und Narrenvereine, deren Gruppen sich hinter hölzernen Masken verbergen und in der Regel Sagengestalten darstellen. Vor allem Hexen und Geister ziehen durch die Dörfer, aber auch Wölfe, wilde Hunde und sogar Gorillas. Jede Gruppe hat ihren eigenen Faschingsruf: Die Maskierten rufen ins Publikum, die Zuschauer rufen eine Antwort zurück.

Ein recht junger Umzug findet im beschaulichen Dorf Grünenbach statt: 2026 wurde der Dämmersprung (er startete um 15:61 Uhr und endete tatsächlich erst in der Dämmerung) zum dritten Mal durchgeführt, dabei nahmen bereits rund 60 Gruppen teil. Zukünftig soll er in geraden Jahren stattfinden, also 2028 wieder.

Ich war zum ersten Mal beim Dämmersprung in Grünenbach dabei und sehr begeistert. Ich habe euch hier einige Fotos mitgebracht und verlinke. Einen Live-Eindruck bekommt ihr hier auf meinem YouTube-Kanal:

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Besonders gern mag ich übrigens die Guggenmusik im Fasching. In Grünenbach waren gleich drei Gruppen dabei, darunter die Guggenmusik Isny, die ich super finde.

Guggenmusis Isny auf dem Dämmersprung in Grünenbach.

Mehr vom Dämmersprung in Grünenbach 2026

Die Musikkapelle Grünenbach marschierte ziemlich weit vorne und sorgte schon mal für Stimmung.

Musikkapelle Grünenbach

Danach kam die Narrengruppe Lindauer Sagen, die genau das zeigt, was ihr Name verspricht: Gestalten aus Lindauer Sagen. Wenn ihr wissen wollt, welche Sage sich hinter welcher Maske verbirgt, könnt ihr das hier auf der Seite der Narrengruppe nachlesen.

Narrengruppe Lindauer Sagen

Aus dieser Gruppe stammt übrigens auch die Figur aus dem Titelbild: Sie verkörpert das Bollermännle vom Motzacher Wald und ist ein freundlicher Geist. Anders als der Geist von der Senftenau, der eher einer von der furchteinflößenden Sorte ist:

Der Geist von der Senftenau aus der Narrengruppe Lindauer Sagen

Aus Weiler waren die Weilermer Schatzhüterinnen angereist. Sie gehen auch auf eine Sage zurück: In der Altenburg bei Weiler soll die Frau eines Ritters gespukt haben, die zu Lebzeiten grausam und habsüchtig gewesen war. Als Geist musste sie ihren Schatz weiter bewachen, bis jemand kam, der ihn heben konnte und für wohltätige Zwecke verwendete. Daher lautet der Ruf der Schatzhüterinnen: „Nimm d’Schlüssel!“, der Antwortruf lautet: „Hol d’r Schatz!“

Weilermer Schatzhüterinnen auf dem Dämmersprung in Grünenbach

Typisch alemannische Fasnacht: Jede Menge Hexen

Wohl kaum eine Sagengestalt prägt die schwäbisch-alemannische Fasnacht so wie die Hexe. Daher waren auf dem Dämmerspung in Grünenbach auch Hexen aller Art unterwegs.

Zum Beispiel die grünlichen Moorhexen aus Herlazhofen (Ruf: „Moor“, Antwort: „Hexa“):

Moorhexen Herlazhofen auf dem Dämmersprung in Grünenbach

Oder die Mühlenhexen aus Wangen (Ruf: „A Hex“, Antwort: „au des no“):

Mühlenhexen Wangen auf dem Fasnachtsumzug

Direkt aus der Nachbarschaft war eine große Gruppe Schönauer Hexen herübergekommen:

Schönauer Hexe auf dem Dämmersprung in Grünenbach

Die sahen alle ziemlich gruselig aus, hatten aber Süßigkeiten für die Kinder dabei. Da diese recht enthusiastisch auf die Rufe antworteten, bekamen sie reichlich Hexensüßkram geschenkt.

Vergleichsweise freundlich wirkten die Linden Hexa aus Pfuhl:

Linden Hexa aus Pfuhl auf dem Fasnachtsumzug

Und die Hochbucher Obsthexen tun mit ihrem Motto sogar etwas für die Gesundheit der Zuschauer:

Hochbucher Obsthexen mit dem Motto Apfel - beiß nei

Tierisches auf dem Dämmersprung in Grünenbach

Lustig fand ich die Schafe der Narrenzunft Arnach, die sich “D’Schoaf Böck” nennen.

D'Schoaf Böck der Narrenzunft Arnach

Wo Schafe sind, sind Wölfe nicht weit. Richtig wild sahen die Schlätterwaldwölfe aus Friedrichshafen aus (Ruf: „Wer kommt?“, Antwort: „Der Wolf kommt!“). Manche hatten sogar Babywölfe dabei.

Schlätterwaldwölfe aus Friedrichshafen auf dem Dämmersprung in Grünenbach

Mit rotglühenden Augen erschienen die Geisterpudel aus Hergatz (Ruf: „Wer treibs bunt?“, Antwort: „D’Pudelhund!“). Auch sie gehen auf eine Sagenfigur zurück: So soll früher im Lengatzer Tobel immer wieder ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen aufgetaucht sein. Man sagte, er sei der Geist eines Wirts aus Maria-Thann, der ein recht übler Geselle gewesen sein und Frau und Kinder ermordet haben soll.

Die Narrenzunft Geisterpudel Hergatz e. V. auf dem Dämmersprung in Grünenbach

Eher nette Geisterhunde (genau genommen Goisterhund) waren aus Aichstetten angereist.

Goisterhund Aichstetten

Richtig unheimlich fand ich dagegen die Kräha-Weiber aus Laupheim:

eines der Kräha-Weiber Laupheim auf der schwäbisch-alemannischen Fasnacht im Westallgäu

Weitere Vertreter der schwäbisch-alemannischen Fasnacht auf dem Dämmersprung

Einen historischen Hintergrund haben die Deuchelrieder Deichelmännle (Ruf: „Bohr it rum“, Antwort: „Wasser kumm!“): In früheren Jahrhunderten wurde von Deuchelried aus in ausgehöhlten Baumstämmen Wasser nach Wangen geliefert. Um die Baumstämme auszuhöhlen, benötigte man Deichelbohrer. Daran erinnern diese lustigen Gesellen:

Deuchelrieder Deichelmännle auf dem Fasnachtsumzug

Ebenfalls einen historischen Bezug, nämlich den auf die Pestzeit, haben die Oberholzer Deifel aus Ebenweiler. Auch ganz schön gruselig, oder?

Oberholzer Deifel - Fasnachtsgruppe

Vom Mauerwerk des Amtzeller Schlosses haben sich die Amtzeller Schlossgoischter inspirieren lassen (Ruf: „Knocha krachet“, Antwort: „Goischter lachet“):

Amtzeller Schlossgoischter

Sehenswert ist auch das aufwendige Häs der Weißensberger Weihergeister, die sich von einer Sage aus ihrer Region ableiten.

Weißensberger Weihergeister - Maske der schwäbisch-alemannischen Fasnacht

Noch mehr Geister waren aus der Nähe von Tettnang zum Dämmersprung in Grünenbach gekommen, nämlich die Schilfgeister Elmenau. Sie erinnern an einen freundlichen Wassergeist, der einst in einem dorfnahen Weiher gehaust haben soll:

Schilfgeister Elmenau auf der schwäbisch-alemannischen Fasnet

Die Narrenzunft Immenried war mit lauter Fehl (Mädchen) und einem Deifel (Teufel) vertreten; auch sie gehen auf eine lokale Sage zurück.

Fehl der Narrenzunft Immenried
Deifel der Narrenzunft Immenried

Eine wenig schmeichelhafte Sage war auch die Inspiration für die Gurreschinder Opfenbach:

Gurreschinder Opfenbach

Demnach soll im 14. Jahrhundert während einer Messe in Schimmel in die Kirche getrabt sein. Beim Versuch, das Tier aus dem Gotteshaus zu vertreiben, klemmten die Opfenbacher es so zwischen Tür und Angel ein, dass es verendete. Dafür bekamen sie den Spottnamen „Gurreschinder“.

Ihr seht: Der Fantasie sind bei der schwäbisch-alemannischen Fasnacht wenig Grenzen gesetzt. Ob Hexen, Teufel, Geister, Sagengestalten oder Tiere, immer findet sich eine zum Ort passende Maske und ein kleidsames Häs. Das hat mit dem typischen Faschingskostüm nicht so viel zu tun, wirkt aber gerade durch die Gruppen und Rufe recht eindrucksvoll. Mir hat es jedenfalls sehr gut gefallen auf dem Dämmersprung in Grünenbach und ich hoffe, ich konnte euch hier einen guten Eindruck davon vermitteln.

Wenn ihr mehr über den Fasching, die schwäbisch-alemannische Fastnacht und Bräuche rund um die Fasnet wissen möchtet (und vielleicht auch Inspiration für neue Kostüme sucht), empfehle ich euch meinen Blogartikel Fasching im Allgäu – Brauchtum, Umzüge und andere Events.

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