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Ottobeuren: Kirche, Kneipp & Kaffee

Wer „Ottobeuren“ sagt, denkt zuerst an die berühmte Basilika. Die ist heute nicht nur prägend für das Ortsbild, sondern auch für das kulturelle Leben und den Tourismus. Immer wieder erstaunlich ist die schiere Größe von Basilika und Kloster, die 2014 das 1.250-jährige Jubiläum ihrer Gründung feiern. Hier der Blick, der sich auf Ort und Kloster bietet, wenn man von Markt Rettenbach nach Ottobeuren fährt:

Ottobeuren-Gesamtansicht

Als Kneipp-Kurort ist Ottobeuren etwas weniger bekannt, dafür aber quasi per Geburtsrecht dazu legitimiert. Der berühmte spätere Pfarrer und „Wasserdoktor“ wurde nämlich in Stephansried geboren, einem kleinen Weiler im nördlichen Gemeindegebiet von Ottobeuren. In der Klosterkirche zu Ottobeuren wurde er getauft und feierte dort auch seine Primiz, seine erste Heilige Messe als Priester. Pfarrer Kneipp ist deshalb auch auf dem Maibaum zu sehen, der vor der Basilika steht:

Ottobeuren-Maibaum

Ottobeuren-Maibaum-Detail

Der Kurpark Ottobeuren

Ein Kurort braucht auch einen Kurpark, und der ist natürlich ebenfalls von den beiden Größen des Ortes geprägt: Der heutige Kurpark ist eine schöne Synthese aus Kneipp-Wasserbecken, Meditationsgarten, Lourdesgrotte und Kalvarienberg.

Ottobeuren-Eingang-Kurpark

Ottobeuren-Kurpark-Kneippbecken

Ottobeuren-Kurpark-Jesusstele

Der Park ist nicht groß, aber sehr schön angelegt,

Ottobeuren-Kurpark-1

es gibt meditative Bereiche,

Ottobeuren-Kurpark-2

und immer wieder einen Blick auf die Basilika zu erhaschen:

Ottobeuren-Kurpark-3

An der Basilika kommt man als Ottobeuren-Besucher buchstäblich nicht vorbei,

Ottobeuren-Basilika-außen

wobei es sehr schade ist, dass die Gestaltung des großen Marktplatzes unterhalb der Kirche so misslungen ist. Es handelt sich um eine rechteckige Steinwüste, die von einem künstlichen Bach wie von einer Narbe durchzogen und mit Stromkabeln und Glühbirnen bekrönt ist.

Die Basilika in Ottobeuren

Die Basilika selbst ist ein prachtvolles Beispiel der barocken Baukunst, die Besucher nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre überreiche Ausschmückung im Rokoko-Stil überwältigt.

Ottobeuren-Basilika-innen

Ort und Kirche haben eine lange und wechselhafte Geschichte. Im 5. Jahrhundert soll Ottobeuren von einem Schwaben namens Uot gegründet worden sein, der dem moorigen Boden und den dicht bewaldeten Hügeln sein Ackerland abtrotzte. „Uotenburen“ hieß der Ort, der nach und nach entstand und Mitte des 8. Jahrhunderts von den Franken erobert wurde. Diese christianisierten die unterworfenen Schwaben, und bald schon lebten Mönche in Ottobeuren. 972/973 wird der Heilige Ulrich (von Augsburg) als 7. Abt genannt.

Das erste richtige Kloster samt Kirche entstand Anfang des zwölften Jahrhunderts, brannte ab, wurde wieder neu erbaut und so ging es weiter durch die Jahrhunderte, bis die Anlage nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder baufällig war und im 18. Jahrhundert neu und prächtig wieder in der Form aufgebaut wurde, wie wir sie heute kennen. 1766 war sie endlich fertig, nur um 1802 im Zuge der Säkularisation geplündert und teilweise verkauft zu werden. 1812 bis 1814 wurden sogar französische Kriegsgefangene im Kloster untergebracht.

Ein Häuflein Mönche trotzte aber dem antiklerikalen Zeitgeist und konnte unter König Ludwig I. wieder einen kleinen Anfang in ihrem Kloster wagen. 1918 wurde die Abtei wieder voll als solche vom Freistaat Bayern anerkannt und die Benediktinermönche, die das Kloster nie ganz aufgegeben hatten, konnten es wieder übernehmen. 18 Benediktiner leben heute noch dort, unterhalten ein Bildungshaus, öffnen die ehemaligen Präsentationsräume des Abtes samt der berühmten Barock-Bibliothek als Museum und betreiben einen Klosterladen. Weitere Informationen zu Kloster und Kirche, die Termine der Kirchenführungen und die Öffnungszeiten des Museums findet ihr hier.

Die Benediktiner sind auch in der Auschmückung der Basilika sichtbar – dieses Deckengemälde beispielsweise zeigt nicht nur die Verherrlichung des Heiligen Benedikt, des Ordensgründers, sondern auch zahlreiche andere Mönche und Nonnen im typischen schwarz-weißen Habit.

Ottobeuren-Basilika-Deckengemälde

Und hier noch eine Café-Empfehlung

Getreu den Kneipp´schen Prinzipien haben wir letzten Sonntag nach Bewegung und geistiger Erhebung Ausschau nach einer Gelegenheit zur körperlichen Stärkung gehalten und sind in einem ganz bezaubernden Café am Beginn der Hauptstraße fündig geworden. Seit Herbst 2013 ist das „Anno Domini“ geöffnet:

Ottobeuren-Cafe-Anno-Domini-außen

Schon die Einrichtung lässt darauf schließen, dass hier eine schöne Mischung aus Nostalgie, Moderne und Individualität herrscht:

Ottobeuren-Cafe-innen-1

Ottobeuren-Cafe-innen-2

Das hat sich auch bei der Bewirtung bewahrheitet: Ich habe einen „Kaffee Pompadour“ getrunken, mit Kakao, Kardamon, Zimt und Sahne – sehr fein!

Ottobeuren-Cafe-Pompadour

Die Kuchen sind alle hausgemacht. Da ich Heidelbeeren liebe, war ich mit diesem köstlichen Heidelbeer-Quark-Gebäck wirklich glücklich:

Ottobeuren-Heidelbeerkuchen

Hier war ich gewiss nicht das letzte Mal beim Kaffeetrinken!

Mein Fazit: Kurpark und Cafés in Ottobeuren sind für Genießer lohnenswerte Ziele!

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