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Tradition seit 1635: der Fasnatziestag Oberstaufen

Staufner Butz im Schneetreiben am Fasnatziestag Oberstaufen 2017

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal den Fasnatziestag Oberstaufen besucht. Er findet traditionell am Faschingsdienstag statt und das nach Angaben des Fördervereins Staufner Fasnatziestag schon seit dem Jahr 1635. Auf diese fast 400-jährige Tradition war ich sehr neugierig.

Der Fasnatziestag Oberstaufen ist in einer schlimmen Zeit entstanden

1635 wütete die Pest in Oberstaufen und raffte hunderte Einwohner dahin. Als die Epidemie abklang, verbargen sich die Überlebenden ängstlich und erschöpft in ihren Häusern. Da luden Graf Hugo, der Herr von Rothenfels und Staufen, und seine Gattin Maria Renata die jungen Burschen des Ortes zu sich ein. Sie bewirteten sie mit einer Suppe und stifteten eine Fahne, die sie in Begleitung von Trommlern am Faschingsdienstag durch den Ort tragen sollten. Damit sollten die Bürger aus ihren Häusern gelockt und ein Zeichen für einen Neuanfang und neuen Lebensmut gesetzt werden.

Seit diesem Jahr, so die Überlieferung, ziehen die unverheirateten Burschen und Föhla (= Mädchen) jeden Faschingsdienstag hinter der Fahne und den Trommlern durch Oberstaufen.

Mit klassischem Fasching hat der Fasnatziestag auch rein äußerlich wenig zu tun. Die Beteiligten an Umzug und Tanz tragen ihre schöne Staufner Tracht.

Der Staufner Fähnrich und die Föhla

Wichtige Symbolfigur: der Staufner Butz

Nur der Butz, eine Narrenfigur mit buntscheckigem Gewand und einem Reisigbesen, tritt in Verkleidung auf. Er springt und tanzt und kehrt mit seinem Besen vor den Teilnehmern und Zuschauern des Umzugs.

Der Oberstaufener Butz im Schnee

Die Trommler geben dem verspielten Auftritt des Narren eine strenge, fast militärische Note.

Trommler zum Fasnatziestag

Der Butz sorgt mit seinem Besen für eine symbolische Reinigung nach Winter und Pest. Die jungen Föhla und Burschen verdeutlichen den Neuanfang. Alle gemeinsam ziehen zur Kirche und versammeln sich auf dem Kirchplatz.

Staufner Fasnatzieszug zur Kirche

Hier verliest der Fähnrich die Geschichte vom Fasnatziestag, erinnert an die Stifter und schwingt zur Erinnerung an sie die Fahne.

Traditionelles Fahnenschwingen vor der Kirche in Oberstaufen

Danach setzt sich der Zug wieder in Bewegung und mäandert durch die Straßen, bis sich schließlich nach etwa einer Stunde alle zum Frühschoppen in ein Gasthaus zurückziehen.

Da es am Faschingsdienstag 2017 heftig geschneit hat und die Trachtler wahrscheinlich alle kalte Füße hatten, waren sie sicher froh über die Pause im Warmen. Wir haben es übrigens genauso gemacht und uns erst einmal ins Blaue Haus zu einem Cappuccino zurückgezogen. Der Fanatziestag geht dann übrigens noch weiter: mit Tänzen, einem Konzert und dem abendlichen Butzsterben. Der Butz nimmt dann symbolisch die Pest auf sich und fällt wie tot zu Boden. Damit ist die Pest endgültig besiegt und die Fahne wird heimgebracht ins Fähnrichshaus, die Altstaufener Einkehr. Diesen Teil der Veranstaltung haben wir uns aber nicht mehr angesehen.

Mir gefällt am Fasnatziestag, dass es sich um eine echte und liebevoll gepflegte Tradition handelt, die gerade auch von den jungen Leuten im Ort getragen wird. Das ist kein Halligalli, sondern lebendiges Brauchtum.

Der Butz ist für Oberstaufen so wichtig, dass er sogar ein eigenes Denkmal bekommen hat und so das ganze Jahr über im Ort präsent ist.

Denkmal des Staufner Butz in Oberstaufen

Falls ihr euch für weitere Faschingstraditionen und -veranstaltungen im Allgäu interessiert: Seht euch doch einmal meinen Übersichtspost zum Fasching im Allgäu an.

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