Alle Artikel mit dem Schlagwort: Günzach

Löwenzahnblüte: Jetzt ist das Allgäu nicht grün, sondern gelb

Jeden Frühling gibt es im Allgäu zwei oder drei Wochen, in denen der Löwenzahn auf den Wiesen blüht und sie bei Sonnenschein in ein gelbes Meer verwandelt. Gerade ist es wieder so weit, wie zum Beispiel hier zwischen Günzach und Obergünzburg: Es gibt auch schon die ersten Pusteblumen, und bald wird es mit der Herrlichkeit vorbei sein, weil die Bauern die Wiesen mähen werden, sobald sie trocken genug sind, um mit den Traktoren hineinzufahren. Kritiker sagen, die Löwenzahnblüte sei sowieso nur deswegen so spektakulär, weil die Böden durch die intensive Düngung voller Stickstoff seien (der den Löwenzahn gedeihen, aber anderen Wildblumen keine Chance lässt). Schön sind die gelben Wiesen trotzdem, etwa hier bei Liebenthann. Sobald dann gemäht ist, wird auch b´schüttet, und dann ist das Allgäu braun und wenig wohlriechend …

Osterbrunnen im Allgäu: ein schöner (importierter) Brauch

Dieses Jahr stimmt das Sprichwort „grüne Weihnacht – weiße Ostern“ tatsächlich: Am 24. Dezember haben wir bei 16°C und Sonnenschein auf der Terrasse zu Mittag gegessen, heute (Gründonnerstag) bin ich bei Schneetreiben und Minustemperaturen in einer weißen Winterlandschaft aufgewacht. Inzwischen regnet es, aber Schneereste werden über die Osterfeiertage wohl noch liegen. Auch die Osterbrunnen, die ich gestern fotografiert habe, wirken wie sehr zaghafte Frühlingsboten unter ihren Schneemützen, so wie hier in Untrasried: Einen Osterbrunnen mit Buchsbaum, anderen immergrünen Zweigen, bunten Bändern und bunten (Plastik-)Eiern zu schmücken, ist jedenfalls ein Brauch, der zur Verschönerung der nachwinterlich kargen Orte beiträgt. Er stammt, wie ich recherchiert habe, ursprünglich aus der fränkischen Schweiz, wo er um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden ist. Schöne Bräuche wirken ansteckend: Auch tief im Allgäu werden seit etlichen Jahren Osterbrunnen geschmückt, meist von Vereinen oder kirchlich engagierten Personen. In Obergünzburg sind traditionell die Mütter der Kommunionkinder des vergangenen Jahres mit dieser Aufgabe betraut. Auch 2013 waren Mütter und Kinder wieder fleißig: Die Figur auf dem Brunnen, das „Mohrenbüble“, ist das Wahrzeichen des Marktfleckens Obergünzburg. Es …

Günzach: Wo die Günz entspringt und der Schiefergraue Alpenstrudelwurm haust

Formal wohnen wir in Günzach (hinter unserem Haus beginnt das Gemeindegebiet von Obergünzburg), deswegen ist es vermutlich angemessen, den ersten Eintrag in diesem Blog dieser kleinen Gemeinde tief im Allgäu zu widmen. Günz-ach heißt wörtlich Wasser-Wasser, denn „günz“ ist das keltische Wort für fließendes Wasser und „ach“ das germanische. Den doppelt-gemoppelten Namen trägt der Ort zu Recht, denn hier entspringt die östliche Günz, die sich erst als Rinnsal, dann als Bach nach Norden schlängelt, bis sie sich bei Lauben mit der westlichen Günz vereinigt und schließlich als richtiger Fluss bei Günzburg in die Donau mündet. Die bis dahin eher unspektakuläre Günzquelle wurde im Rahmen eines Dorfverschönerungsprojektes 2011/12 neu eingefasst und umgestaltet; bei der Gelegenheit hat man sie etwa 80 Meter nach Osten verlegt und eine kleine Anlage mit Info-Tafel, Ruhebänken, Kneippbecken und Spielplatz dazu gebaut. Das Ensemble wirkt etwas künstlich, aber doch ganz hübsch. Die Günzacher Fauna ist übrigens eine ganz besondere: Mitarbeiter des Kemptener Wasserwirtschaftsamtes entdeckten beim Quellenumzug die seltene Bayerische Quellschnecke und den berühmten Schiefergrauen Alpenstrudelwurm in trauter Eintracht. Diese wurden vor Beginn …