Alle Artikel mit dem Schlagwort: Geschichte

Auf dem Grund des Forggensees - Titelfoto

Entdeckungsreise auf dem Grund des Forggensees

Wer heute im Sommer ins südliche Ostallgäu reist, kann sich kaum vorstellen, dass König Ludwig von seinem Märchenschloss aus nicht auf einen blauschimmernden See, sondern auf einen grünen Talgrund blickte. Darin lagen einige kleine Weiler, dazwischen Wiesen, Heuschober und eine Mühle am Lauf eines mäandernden kleinen Baches. Der Forggensee ist Menschenwerk 1954 wurden bei Schwangau und Roßhaupten zwei Lech-Staustufen fertiggestellt und der Talgrund geflutet. Gedacht war der Stausee als Hochwasserrückhaltebecken für die stromabwärts gelegenen Gemeinden und als Garant für eine gleichmäßige Stromerzeugung durch Wasserkraft. Für diesen„Fortschritt“ geopfert wurden die Häuser und Höfe im Tal, und das, obwohl einige Anwohner sich heftig wehrten. Heute wissen viele Menschen nicht einmal mehr, dass der See seinen Namen dem versunkenen Weiler Forggen verdankt. So idyllisch sieht der Forggensee heute im Sommer aus: Richtig voll mit Wasser ist er aber nur zwischen dem 1. Juni und dem 15. Oktober. Über den Winter wird er nach und nach abgelassen und gibt einen großen Teil des Talgrundes wieder frei. Und dann kann man sich auf die Suche nach den Überresten der versunkenen …

Rathaus Kempten, Ansicht vom Rathausplatz

Heinrich der Kempter: nackte Tatsachen am Rathaus Kempten

Kempten, die „Metropole des Allgäus“ hat ein schönes Rathaus, das von einem großzügigen Platz und vielen Cafés umgeben ist. Erst auf den zweiten Blick fällt an der Wand an der Südseite des Rathauses ein ungewöhnliches Bild ins Auge: Es zeigt einen nackten Mann, der gerade aus einem Badezuber steigt und sein Schwert vor seine edelsten Teile hält. Das ist Heinrich der Kempter. Wer war Heinrich der Kempter? Ob es ihn wirklich gab, ist keineswegs sicher. Er ist aber der Held einer Erzählung aus dem Mittelalter, die über die Jahrhunderte überliefert und dabei wahrscheinlich ziemlich ausgeschmückt wurde. Laut Überlieferung war er ein Ritter namens Heinrich Ritzner von Campimont, der zur Zeit Ottos des Großen im 10. Jahrhundert lebte. Heinrich war an Ostern 953 mit vielen anderen Adeligen in Bamberg, als dort ein Streit eskalierte, in dessen Verlauf er den Truchsess des Kaisers erschlug. Otto verurteilte den hitzköpfigen Allgäuer daraufhin zum Tode, der aber setzte dem Kaiser seinen Dolch an den Hals und erzwang so seine Freilassung. Danach hielt er es für klüger, sich ins Allgäu zurückzuziehen. …