Für Entdecker
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Unscheinbar, aber hochinteressant: römische Ruinen am Tegelberg

Römervilla Tegelberg - der Heizraum des Badehauses

Wenn man „Tegelberg“ hört, denkt man sofort an Neuschwanstein (gleich nebenan), Gleitschirmfliegen und die Tegelbergbahn. Wir aber sind neulich abends zur Basisstation der Tegelbergbahn gefahren, um dort unter der Führung von Magnus Peresson römische Ruinen zu besichtigen. Das Schutzgebäude ist unansehnlich und ziemlich lieblos gestaltet, aber die Ruinen darunter sind sehenswert.

Römervilla-Tegelberg

Die Reste der Römervilla Tegelberg sind gut versteckt

Die Bezeichnung „Römervilla“ für den grünen Schutzbau ist ohnehin irreführend: Tatsächlich stand gleich nebenan eine römische Villa, die wohl ziemlich gut erhalten war. Aber genau auf diese Reste baute man die Talstation der Tegelbergbahn (rechts im Bild). Unter dem Schutzdach befinden sich die Reste der Therme, die zu dieser Villa gehörte, also das private Bad der römischen Familie.

Hier erkennt man ganz vorne das Warmwasserbecken, dahinter die Reste der „Badewanne“, in der man sich im heißen Wasser aalte, und dahinter den Heizraum.

Tegelberg-Roemerbad

Die heißen Rauchgase wurden nicht nur unter dem Fußboden durchgeleitet, um die Räume zu heizen, sondern auch nach oben abgeleitet. Hier erkennt man gut die Hohlziegel, die für diese kombinierte Wandheizung/Abgasentsorgung genutzt wurden:

Tegelberg-Roemerbad-Hohlziegel

Die rote Linie zeigt den originalen Zustand, was darüber ist, wurde rekonstruiert. Nach dem Aufenthalt im heißen Becken stieg man in das Kaltwasserbad:

Tegelberg-Therme-Kaltwasserbad

Die Geschichte der Ausgrabungen ist kein Ruhmesblatt

Magnus Peresson, der Vorsitzende des Historischen Vereins Alt Füssen e. V., erzählte uns, dass bei den Ausgrabungen über dem Kaltwasserbad Putzreste gefunden wurden. Ein Schwangauer Bäckermeister, der sich für Archäologie interessierte, sammelte sie vorsichtig ein. Die Therme blieb nach den Ausgrabungen in den 60er-Jahren erst einmal 20 Jahre Wind und Wetter überlassen, bis man sich entschied, sie durch das jetzige Dach zu schützen. Die Putzreste lagen in München in der Archäologischen Staatssammlung in Kisten, bis sie vor einigen Jahren von italienischen Spezialisten wieder zusammengesetzt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass das Tonnengewölbe über dem Kaltwasserbecken wunderschön mit Bildern von Meeresfischen und -getier ausgemalt gewesen war. Heute kann man es in München besichtigen.

Überhaupt scheint man in Schwangau wenig Interesse an den römischen Besiedlungsspuren zu haben. Bereits in den 30er-Jahren war etwa diese Darre ausgegraben worden, die im Laufe der Jahrzehnte wieder zuwucherte. Als die Tegelbergbahn eine Sommerrodelbahn bauen wollte, sollte die Trasse genau über die Darre führen. Erst nach Protesten aus der Bürgerschaft wurde sie um die Ruinen herum geleitet.

Tegelberg-roemische-Darre

Tegelberg-Somerrodelbahn

Magnus Peresson ist sich mit anderen Historikern einig, dass es rund um die Tegelbergbahn und ihren Parkplatz Reste einer größeren römischen Siedlung zu entdecken gäbe. Da das Interesse des Unternehmens und der Trägergemeinden an der römischen Geschichte aber verhalten ist, werden auf den Ruinen wohl weiterhin die Kühe grasen:

Tegelberg-roemische-Siedlung

Schade eigentlich.

In der Umgebung finden sich noch mehr Römer-Reste

Außer der Römervilla Tegelberg gibt es bei Schwangau übrigens weitere Reste römischer Baustätigkeit zu entdecken – allerdings nur, wenn das Wasser des Forggensees im Winter und Frühjahr abgelassen ist. Dann kann man bei der alten Tiefentalbrücke die Trasse der Römerstraße Via Claudia Augusta erkennen. In der Nähe des versunkenen Dorfes Forggen finden sich zudem Reste eines weiteren römischen Badehauses, das ebenfalls zu einer Villa Rustica gehörte.

2 Kommentare

  1. warum baut man direkt über der Therme eine Liftstation? Die Isis Sprengt kultbauten. Wir zerstören unsere Hinterlassenschaft für das Geld um Liftgebühren zu erhalten.

    Ich weis, sie sind in Ihrem Ländli Bayern nicht die Einzigen, die so etwas tun.

    • Barbara sagt

      Nun, ich denke, heute wäre das anders, heute würde man die Römervilla touristisch vermarkten. Aber als der Lift gebaut wurde, hatte man eben nur die Freizeiturlauber im Blick und offenbar wenig Sinn für Geschichte. Aber bedauerlich ist es schon …

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