Alle Artikel in: Für Kulturfans

Allgäu-Kultur, Museen, Kirchen, Theater, Stadtführungen usw.

Einkaufswagen auf Dolmen

Ausstellung Shoppingmall in Görisried: höchst sehenswert!

Bruno und Michaela Wank haben wieder einmal eine sehenswerte Ausstellung nach Görisried geholt: Unter dem Titel Shoppingmall haben sich 42 Künstler und Künstlerinnen mit einem Alltagsgegenstand beschäftigt, nämlich mit dem Einkaufswagen. Wie die Kunstwissenschaftlerin Anna-Cathérine Koch anlässlich der Vernissage in der VerpackereiGö einführend sagte, haben sie diesen banalen Gegenstand seiner Funktionalität beraubt und in neue Zusammenhänge gestellt. Die Ergebnisse sind manchmal lustig, manchmal fremdartig, manche machen nachdenklich, andere wirken geradezu verstörend. Wieso Shoppingmall und warum Einkaufswagen? Die Shoppingmall steht für die moderne Konsumgesellschaft, in der die Menschen mit dem Auto in klimatisierte Kunstwelten fahren, um dort etwas zu tun, das nicht mehr nur der Versorgung dient, sondern als sinnstiftend erlebt wird: Shoppen als Selbstzweck. Der bis oben gefüllte Einkaufswagen sei zur Ikone der Moderne und zum Sinnbild der Überflussgesellschaft geworden, sagte die Kunstwissenschaftlerin. Klar, dass das Künstler anregt. Und wie: Der Einkaufswagen, der in einer glänzenden Metallpfütze vergeht, hat mich gleich an den Film Terminator II erinnert – und damit an eine Ikone des Weltuntergangs. Sind wir Shoppingverrückten eigentlich noch zu retten? Vielleicht nicht. Wir …

Funkenfeuer im Allgäu mit Funkahex

Funkenfeuer im Allgäu: flammender Brauch in der Fastenzeit

Die Funkenfeuer im Allgäu (oft auch nur kurz Funken genannt) haben eine lange Tradition. Sie finden am ersten Sonntag der Fastenzeit statt, in manchem Gemeinden auch am Samstag. Dann wird ein riesiger Holzstoß aufgeschichtet, manchmal besteht er auch aus alten Paletten oder dürren Christbäumen. Sobald es dunkel geworden ist, wird der Funken entzündet. Zum Funkenfeuer im Allgäu gehört die Funkenhexe Über den Holzstoß wird eine Strohpuppe gehängt, die meist eine Kittelschürze und ein Kopftuch trägt. Das ist die Funkenhexe oder Funkahex. Der Name ist aber etwas irreführend, denn beim Funkenfeuer geht es natürlich nicht um das Nachstellen einer Hexenverbrennung, wie sie im Mittelalter und der frühen Neuzeit üblich waren.  Das wäre ja nun auch nicht gerade ein pflegenswertes „Brauchtum“. Nein, die Funkenhexe symbolisiert den Winter. Er ist es, der zu Beginn der Fastenzeit verbrannt werden soll. Kälte und Schnee sollen mit einem großen Feuer vertrieben werden. Ein bisschen gruselig ist es ja schon, wenn die Funkahex an ihrer Stange im Nachthimmel hängt, aber auch sehr aufregend für die Kinder … Dann wird der Funken mit …

Staufner Butz im Schneetreiben am Fasnatziestag Oberstaufen 2017

Tradition seit 1635: der Fasnatziestag Oberstaufen

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal den Fasnatziestag Oberstaufen besucht. Er findet traditionell am Faschingsdienstag statt und das nach Angaben des Fördervereins Staufner Fasnatziestag schon seit dem Jahr 1635. Auf diese fast 400-jährige Tradition war ich sehr neugierig. Der Fasnatziestag Oberstaufen ist in einer schlimmen Zeit entstanden 1635 wütete die Pest in Oberstaufen und raffte hunderte Einwohner dahin. Als die Epidemie abklang, verbargen sich die Überlebenden ängstlich und erschöpft in ihren Häusern. Da luden Graf Hugo, der Herr von Rothenfels und Staufen, und seine Gattin Maria Renata die jungen Burschen des Ortes zu sich ein. Sie bewirteten sie mit einer Suppe und stifteten eine Fahne, die sie in Begleitung von Trommlern am Faschingsdienstag durch den Ort tragen sollten. Damit sollten die Bürger aus ihren Häusern gelockt und ein Zeichen für einen Neuanfang und neuen Lebensmut gesetzt werden. Seit diesem Jahr, so die Überlieferung, ziehen die unverheirateten Burschen und Föhla (= Mädchen) jeden Faschingsdienstag hinter der Fahne und den Trommlern durch Oberstaufen. Mit klassischem Fasching hat der Fasnatziestag auch rein äußerlich wenig zu tun. Die …

Faschingsumzug Obergünzburg 2017 – buntes Treiben

Fantastische Günztaler auf dem Faschingsumzug Obergünzburg 2017

Zuerst sah es ja aus, als wollte es sonnig werden, aber dann fand der Faschingsumzug Obergünzburg 2017 doch bei bedecktem Himmel statt. Dafür war es mollige 10 Grad warm und die Stimmung war beinahe brasilianisch. Und die Kostüme waren so fantasievoll wie schon lange nicht mehr. Ich habe nicht alle dokumentiert, sondern eine Auswahl zusammengestellt. Fantasievolle Faschingsgestalten 2017 Los ging es mit einer Pop-Art-Gruppe: Dann hatten mehrere Mary Poppins ihren gepflegten Auftritt, bei dem auch die stauraumreiche Handtasche nicht fehlte: Sehr nett fand ich die Schlawinertruppe mit ihren leicht überdimensionierten Mützen. Die Untrasrieder Altherrengruppe hatte sich diesmal Gedanken über die Zukunft der Post gemacht: Bibi und Tina ritten auf ihren Besen durch den Ort. Hinter ihnen zogen die Wikinger einher. Sie hatten ihr Schiff auf Günz-Größe angepasst. Ihnen waren die Pokemons auf den Fersen. Ein schmissiges Wiedersehen gab es mit den Untrasriedern Rock-Rollern, denen wir auf dem Ronsberger Faschingsumzug schon begegnet waren: Auch die Piraten waren wieder unterwegs: Sie hatten ein großes Schiff dabei: Und eine kleine Kanone: Hübsch gruselig und wahrscheinlich direkt aus Mexiko …

Faschingsumzug Ronsberg 2017 - Brunnamännle

Faschingsumzug Ronsberg 2017 – tausende Besucher beim Tausendfüßler

Das Wetter war sonnig und mild beim Faschingsumzug Ronsberg 2017. Daher haben sich am vorletzten Sonntag im Fasching besonders viele Besucher in die 1.700-Seelen-Marktgemeinde aufgemacht, um den Tausendfüßler zu bestaunen. Wahrscheinlich waren sogar deutlich mehr als tausend Füße beim Umzug aktiv, denn er umfasste diesmal 60 Gruppen und dauerte fast zweieinhalb Stunden. Die fantasievollen Kostüme und teilweise sehr kreativ und aufwendig gestalteten Wagen machten den Umzug trotzdem zu einem kurzweiligen Vergnügen. Wegen der großen Zahl der Gruppen und weil ich nicht alle gut ins Bild bekommen habe, findet ihr hier keine vollständige Aufzählung, sondern eine subjektive Auswahl. Hier sind meine Bilder vom Faschingsumzug Ronsberg 2017 (19. Februar) An der Spitze des Zuges ziehen traditionell die Ronsberger Brunnamännle. Im Anschluss zeigen die Ronsberger Gardemädels ihr Können, die beiden Prinzenpaare nehmen die ihnen zustehenden Huldigungen entgegen. Danach zogen Gruppen aus der näheren und weiteren Umgebung durch den Ort – sie waren bis von Immenstadt, Sonthofen, Senden und Westerheim angereist. Natürlich waren die Ronsberger selbst auch mit weiteren Gruppen gut vertreten Zum Beispiel mit diesem Polit-Clown, äh, ich …

Fasching im Allgäu

Fasching im Allgäu – Brauchtum, Umzüge und andere Events

Der Fasching im Allgäu ist traditionsreich, fröhlich und sehr vielfältig. Es gibt natürlich eine Menge Faschingsumzüge, aber auch andere Veranstaltungen vom Pantomimenspiel über Hexensprünge bis zu Gaudirennen aller Art. Nachdem ich bei Obergünzburg lebe, besuche ich schon seit Jahren den dortigen Umzug am Faschingssonntag. Seit 2013 habe ich diese dokumentiert. Auch zu meinen übrigen Faschingsaktivitäten habe ich euch hier eine Übersicht zusammengestellt – viel Spaß beim Ansehen! Faschingsumzüge im Allgäu Nicht nur in den bekannten Ferienregionen im Allgäu, auch im beschaulichen Günztal spielt der Fasching eine wichtige Rolle. Kleine Gemeinden wie Ronsberg oder Engetried laufen besonders bei den Umzügen zu großer Form auf. Faschingsumzug Obergünzburg Hier kann ich stolz auf eine lückenlose Dokumentation seit 2013 verweisen. (Dieses Blog habe ich im Sommer 2012 gestartet, die Umzüge davor habe ich zwar besucht, aber nicht dokumentiert.) Sehr schönes Wetter herrschte zum Faschingsumzug in Obergünzburg 2013. Sehr kreative Kostüme gab es auch. Auf dem Faschingsumzug in Obergünzburg 2014 ging es unter grauem Himmel ziemlich sexy zu. Dagegen war der Obergünzburger Faschingsumzug 2015 geradezu märchenhaft … Der Obergünzburger Umzug …

Neue Arbeiten von Bruno Wank: From a Mountain

Heute habe ich die neue Ausstellung von Bruno Wank in der Verpackerei in Görisried besucht. Ich bin so begeistert, dass ich sie euch gleich ans Herz legen möchte: Unbedingt besichtigen! Und zwar ziemlich bald, denn sie wurde gestern eröffnet und läuft noch bis einschließlich 4. Dezember 2016, täglich von 11 bis 17 Uhr. Dabei ist allein die Location schon sehenswert: Der Künstler nutzt die ehemalige Verpackerei der Käserei Stegmann in Görisried als Werkstatt, Büro und Ausstellungshalle. Das gibt es in From a Mountain zu sehen Wie der Name schon sagt: Bruno Wank hat sich diesmal mit dem Thema Berge beschäftigt. So ist der Eingang zur Ausstellung wie eine enge Schlucht gestaltet, nach deren Durchqueren sich plötzlich der Blick weitet. Spektakulär fand ich diesen Bronzeguss der Höfats, eines der bekannesten Berge bei Oberstdorf. Dabei stimmt die Form der Skulptur genau mit der des Berges zusammen, nur die Höhe wurde um den Faktor 14 gesteigert. Würde man den Berg nach dem Modell nachbilden, wären Grundfläche und Umfang gleich, die Höhe läger aber bei 28 Kilometer! Bei diesem …

Barockes Meisterwerk: die Basilika Ottobeuren

Wir hier tief im Allgäu sind verwöhnt, was barocke Prachtbauten angeht. Eines der Bauwerke, das selbst aus dieser Fülle herausragt, ist die Basilika Ottobeuren, die den Heiligen Alexander und Theodor geweiht ist. Sie wurde ab 1711 an Stelle des romanischen Vorgängerbaus errichtet und 1766 eingeweiht. Und zwar ganz bewusst als Demonstration des Macht- und Prachtanspruchs der katholischen Kirche in einer von Aufklärung und Kirchenkritik geprägten Zeit. Die Zeiten haben sich gewandelt. Aber auch 250 Jahre nach ihrer Fertigstellung (Ende September 2016 haben die Feierlichkeiten zum 250-jährigen Weihejubiläum stattgefunden) ist die Basilika nicht nur das räumliche und optische Zentrum von Ottobeuren. Sie ist auch ein Anziehungspunkt für Kunst- und Musikfreunde wie für spirituell interessierte Menschen. Prachtvoll: die Basilika Ottobeuren Das war natürlich beabsichtigt. Das Kloster in Ottobeuren ist uralt, es wurde bereits 764 gegründet. Ab dem 9. Jahrhundert war es ein Reichskloster, was bedeutet, dass der Abt auch ein weltlicher Herrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war. Er herrschte über ein Territorium von 1.000 Quadratkilometern. Die Abtei Ottobeuren war also gleichzeitig ein Verwaltungszentrum und die …

fescher Bursch mit Schumpen

Impressionen vom Kranzegger Viehscheid 2016

Heute habe ich zum ersten Mal einen Viehscheid besucht, und zwar in Kranzegg am Fuße des Grünten. Da war echt was los! Für alle, denen der Begriff „Viehscheid“ nichts sagt: Viele Schumpen (so heißt das Jungvieh im Allgäu), aber auch einige Kühe verbringen den Sommer auf hochgelegenen Bergwiesen. In Bayern heißen sie Alm, im Allgäu Alpe. Wenn Kühe dort grasen, handelt es sich um eine Sennalpe, in der der Senn und/oder die Sennerin die Kühe täglich melken und die Milch direkt vor Ort zu Butter und Käse verarbeiten. Im September ist die Sommerfrische für alle Beteiligten beendet, das Vieh wird wieder hinunter ins Tal getrieben, dort getrennt (geschieden) und in die Heimatställe verteilt. Wenn auf der Alpe den ganzen Sommer über kein Unglück geschehen und kein Rind erkrankt ist, wird zum Viehscheid ein besonders schönes Tier mit einem üppigen Kopfkranz aus getrockneten Blumen und Kräutern geschmückt. Außerdem tragen die Tiere große Schellen, deren Läuten schon von Weitem zu hören ist. Früher hatte das den Zweck, böse Geister abzuwehren, heute ist es einfach eine schöne Tradition. …

Rezension: „Der Notwender“ von Peter Dörfler

Heute stelle ich einen Roman vor, seit dessen Erscheinen schon ziemlich viel Wasser die Iller hinunter geflossen ist. Ich fand ihn trotzdem unterhaltsam und spannend: Karl Hirnbein, der „Käsepionier“, war ein für die wirtschaftliche Entwicklung des Allgäus wichtiger Unternehmer und Politiker des 19. Jahrhunderts. Sein Leben verarbeitete der Priester und Autor Peter Dörfler romanhaft in seiner „Allgäu-Trilogie“, die in den Jahren 1934 bis 1936 entstanden ist. Band 1 trägt den Titel „Der Notwender“ und ist im Franz Brack Verlag in einer Auflage von 1996 erhältlich. Zum Inhalt Die Geschichte beginnt bereits 1788, als der älteste Sohn eines Bauern aus Betzigau auf sein Erbe verzichtet, weil er seine große Liebe heiraten will – ein schönes Mädchen, das aber leider keine Mitgift mitbringt. Dieser Franz Michael Flachsmayr zieht mit seiner Braut nach Missen, wo er Flachs anbaut. Die junge Frau stirbt allerdings bald im Kindbett, und der Witwer heiratet ein zweites Mal, diesmal eine sehr fleißige und geschickte Weberin. Sie bekommen nach und nach zwölf Kinder, von denen aber nur fünf überleben. Franz Michael bleibt schwermütig und …