Alle Artikel in: Für Kulturfans

Allgäu-Kultur, Museen, Kirchen, Theater, Stadtführungen usw.

Einkaufswagen auf Dolmen

Ausstellung Shoppingmall in Görisried: höchst sehenswert!

Bruno und Michaela Wank haben wieder einmal eine sehenswerte Ausstellung nach Görisried geholt: Unter dem Titel Shoppingmall haben sich 42 Künstler und Künstlerinnen mit einem Alltagsgegenstand beschäftigt, nämlich mit dem Einkaufswagen. Wie die Kunstwissenschaftlerin Anna-Cathérine Koch anlässlich der Vernissage in der VerpackereiGö einführend sagte, haben sie diesen banalen Gegenstand seiner Funktionalität beraubt und in neue Zusammenhänge gestellt. Die Ergebnisse sind manchmal lustig, manchmal fremdartig, manche machen nachdenklich, andere wirken geradezu verstörend. Wieso Shoppingmall und warum Einkaufswagen? Die Shoppingmall steht für die moderne Konsumgesellschaft, in der die Menschen mit dem Auto in klimatisierte Kunstwelten fahren, um dort etwas zu tun, das nicht mehr nur der Versorgung dient, sondern als sinnstiftend erlebt wird: Shoppen als Selbstzweck. Der bis oben gefüllte Einkaufswagen sei zur Ikone der Moderne und zum Sinnbild der Überflussgesellschaft geworden, sagte die Kunstwissenschaftlerin. Klar, dass das Künstler anregt. Und wie: Der Einkaufswagen, der in einer glänzenden Metallpfütze vergeht, hat mich gleich an den Film Terminator II erinnert – und damit an eine Ikone des Weltuntergangs. Sind wir Shoppingverrückten eigentlich noch zu retten? Vielleicht nicht. Wir …

Faschingsumzug Ronsberg 2017 - Brunnamännle

Faschingsumzug Ronsberg 2017 – tausende Besucher beim Tausendfüßler

Das Wetter war sonnig und mild beim Faschingsumzug Ronsberg 2017. Daher haben sich am vorletzten Sonntag im Fasching besonders viele Besucher in die 1.700-Seelen-Marktgemeinde aufgemacht, um den Tausendfüßler zu bestaunen. Wahrscheinlich waren sogar deutlich mehr als tausend Füße beim Umzug aktiv, denn er umfasste diesmal 60 Gruppen und dauerte fast zweieinhalb Stunden. Die fantasievollen Kostüme und teilweise sehr kreativ und aufwendig gestalteten Wagen machten den Umzug trotzdem zu einem kurzweiligen Vergnügen. Wegen der großen Zahl der Gruppen und weil ich nicht alle gut ins Bild bekommen habe, findet ihr hier keine vollständige Aufzählung, sondern eine subjektive Auswahl. Hier sind meine Bilder vom Faschingsumzug Ronsberg 2017 (19. Februar) An der Spitze des Zuges ziehen traditionell die Ronsberger Brunnamännle. Im Anschluss zeigen die Ronsberger Gardemädels ihr Können, die beiden Prinzenpaare nehmen die ihnen zustehenden Huldigungen entgegen. Danach zogen Gruppen aus der näheren und weiteren Umgebung durch den Ort – sie waren bis von Immenstadt, Sonthofen, Senden und Westerheim angereist. Natürlich waren die Ronsberger selbst auch mit weiteren Gruppen gut vertreten Zum Beispiel mit diesem Polit-Clown, äh, ich …

Neue Arbeiten von Bruno Wank: From a Mountain

Heute habe ich die neue Ausstellung von Bruno Wank in der Verpackerei in Görisried besucht. Ich bin so begeistert, dass ich sie euch gleich ans Herz legen möchte: Unbedingt besichtigen! Und zwar ziemlich bald, denn sie wurde gestern eröffnet und läuft noch bis einschließlich 4. Dezember 2016, täglich von 11 bis 17 Uhr. Dabei ist allein die Location schon sehenswert: Der Künstler nutzt die ehemalige Verpackerei der Käserei Stegmann in Görisried als Werkstatt, Büro und Ausstellungshalle. Das gibt es in From a Mountain zu sehen Wie der Name schon sagt: Bruno Wank hat sich diesmal mit dem Thema Berge beschäftigt. So ist der Eingang zur Ausstellung wie eine enge Schlucht gestaltet, nach deren Durchqueren sich plötzlich der Blick weitet. Spektakulär fand ich diesen Bronzeguss der Höfats, eines der bekannesten Berge bei Oberstdorf. Dabei stimmt die Form der Skulptur genau mit der des Berges zusammen, nur die Höhe wurde um den Faktor 14 gesteigert. Würde man den Berg nach dem Modell nachbilden, wären Grundfläche und Umfang gleich, die Höhe läger aber bei 28 Kilometer! Bei diesem …

Barockes Meisterwerk: die Basilika Ottobeuren

Wir hier tief im Allgäu sind verwöhnt, was barocke Prachtbauten angeht. Eines der Bauwerke, das selbst aus dieser Fülle herausragt, ist die Basilika Ottobeuren, die den Heiligen Alexander und Theodor geweiht ist. Sie wurde ab 1711 an Stelle des romanischen Vorgängerbaus errichtet und 1766 eingeweiht. Und zwar ganz bewusst als Demonstration des Macht- und Prachtanspruchs der katholischen Kirche in einer von Aufklärung und Kirchenkritik geprägten Zeit. Die Zeiten haben sich gewandelt. Aber auch 250 Jahre nach ihrer Fertigstellung (Ende September 2016 haben die Feierlichkeiten zum 250-jährigen Weihejubiläum stattgefunden) ist die Basilika nicht nur das räumliche und optische Zentrum von Ottobeuren. Sie ist auch ein Anziehungspunkt für Kunst- und Musikfreunde wie für spirituell interessierte Menschen. Prachtvoll: die Basilika Ottobeuren Das war natürlich beabsichtigt. Das Kloster in Ottobeuren ist uralt, es wurde bereits 764 gegründet. Ab dem 9. Jahrhundert war es ein Reichskloster, was bedeutet, dass der Abt auch ein weltlicher Herrscher im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war. Er herrschte über ein Territorium von 1.000 Quadratkilometern. Die Abtei Ottobeuren war also gleichzeitig ein Verwaltungszentrum und die …

fescher Bursch mit Schumpen

Impressionen vom Kranzegger Viehscheid 2016

Heute habe ich zum ersten Mal einen Viehscheid besucht, und zwar in Kranzegg am Fuße des Grünten. Da war echt was los! Für alle, denen der Begriff „Viehscheid“ nichts sagt: Viele Schumpen (so heißt das Jungvieh im Allgäu), aber auch einige Kühe verbringen den Sommer auf hochgelegenen Bergwiesen. In Bayern heißen sie Alm, im Allgäu Alpe. Wenn Kühe dort grasen, handelt es sich um eine Sennalpe, in der der Senn und/oder die Sennerin die Kühe täglich melken und die Milch direkt vor Ort zu Butter und Käse verarbeiten. Im September ist die Sommerfrische für alle Beteiligten beendet, das Vieh wird wieder hinunter ins Tal getrieben, dort getrennt (geschieden) und in die Heimatställe verteilt. Wenn auf der Alpe den ganzen Sommer über kein Unglück geschehen und kein Rind erkrankt ist, wird zum Viehscheid ein besonders schönes Tier mit einem üppigen Kopfkranz aus getrockneten Blumen und Kräutern geschmückt. Außerdem tragen die Tiere große Schellen, deren Läuten schon von Weitem zu hören ist. Früher hatte das den Zweck, böse Geister abzuwehren, heute ist es einfach eine schöne Tradition. …

Rezension: „Der Notwender“ von Peter Dörfler

Heute stelle ich einen Roman vor, seit dessen Erscheinen schon ziemlich viel Wasser die Iller hinunter geflossen ist. Ich fand ihn trotzdem unterhaltsam und spannend: Karl Hirnbein, der „Käsepionier“, war ein für die wirtschaftliche Entwicklung des Allgäus wichtiger Unternehmer und Politiker des 19. Jahrhunderts. Sein Leben verarbeitete der Priester und Autor Peter Dörfler romanhaft in seiner „Allgäu-Trilogie“, die in den Jahren 1934 bis 1936 entstanden ist. Band 1 trägt den Titel „Der Notwender“ und ist im Franz Brack Verlag in einer Auflage von 1996 erhältlich. Zum Inhalt Die Geschichte beginnt bereits 1788, als der älteste Sohn eines Bauern aus Betzigau auf sein Erbe verzichtet, weil er seine große Liebe heiraten will – ein schönes Mädchen, das aber leider keine Mitgift mitbringt. Dieser Franz Michael Flachsmayr zieht mit seiner Braut nach Missen, wo er Flachs anbaut. Die junge Frau stirbt allerdings bald im Kindbett, und der Witwer heiratet ein zweites Mal, diesmal eine sehr fleißige und geschickte Weberin. Sie bekommen nach und nach zwölf Kinder, von denen aber nur fünf überleben. Franz Michael bleibt schwermütig und …

Die Kartause Buxheim: barocke Kostbarkeiten

Das Kartäuserkloster in Buxheim blickt auf 600 Jahre Geschichte zurück. Berühmt ist es wegen seines barocken Chorgestühls, und das zu recht. Aber es gibt noch mehr Sehenswertes dort. Ein Rundgang durch die Kartause Buxheim Von außen wirkt die Anlage unscheinbar, aber das täuscht. Der Kreuzgang Der Kreuzgang, von dem früher die Zellen der Priestermönche abgingen (leider wurden einige davon im letzten Jahrhundert abgerissen), lässt schon etwas von der Größe der Anlage erahnen: Gegründet wurde das Kartäuserkloster in Buxheim im Jahr 1402. Sogleich setzte eine rege Bautätigkeit ein, und zwar im Stil der damaligen Zeit: der Gotik. Nach einer ersten Blütezeit und einer Phase des Niedergangs während der Reformationszeit im 16. Jahrhundert erlebte das Kloster seine fruchtbarste Phase im 17. Jahrhundert. Auf diesem Stich von 1755 sieht man die gesamte Anlage; der Kreuzgang zieht sich tatsächlich mitten durch die Kirche, und teilt sie in einen Priesterchor für die Priestermönche und in einen Brüderchor für die Laienbrüder. Der Garten, der unten zu sehen ist, war als „Lustgarten“ für Gäste des Reichsklosters gedacht. Der Prior war nämlich gleichzeitig …

Lila leuchtende UNterwelt in der Erasmuskapelle Kempten

Die Erasmuskapelle Kempten: geheimnisvolle Unterwelt

Über die Jahrhunderte war sie in Vergessenheit geraten, aber als 2008 der Platz neben der Kirche St. Mang in Kempten neu gestaltet werden sollte, stieß man auf einen alten Friedhof und die Reste einer unterirdischen Kapelle. Es dauerte eine Weile, bis man ihrem Geheimnis auf die Spur gekommen war, aber seit 2010 ist die Erasmuskapelle Kempten der Öffentlichkeit zugänglich. St. Mang-Kirche Kempten Aber fangen wir doch vorne an: Die Kirche der Kemptener Reichsstadt, die dem Schutzpatron des Allgäus, dem Heiligen Magnus, geweiht ist, geht zurück bis ins 9. Jahrhundert. Nach und nach wurde sie vergrößert und Anfang des 15. Jahrhunderts dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend im gotischen Stil umgebaut. Ursprünglich war die Kirche im Innenraum reich verziert und bemalt, aber dann wurden die Kemptener Bürger 1527 „lutherisch“ und folgte eine Zeit lang dem besonders strengen Reformator und Bilderstürmer Ulrich Zwingli. Daraufhin entfernte man die zahlreichen Altäre und Apostelfiguren aus der Kirche und trug über den Malereien eine dicke weiße Putzschicht auf, damit die Kirchenbesucher nicht von all den bunten Bildern vom Gottesdienst abgelenkt wurden. Bei der …

Das Puppentheatermuseum in Kaufbeuren: Nostalgie pur

Als Kind habe ich das Kasperletheater geliebt, als Studentin war ich oft mit Restplatzkarten in der Augsburger Puppenkiste und als junge Mutter mit meinen Kindern wieder im Puppentheater. Mit dieser Vorgeschichte ist das Puppentheatermuseum in Kaufbeuren für mich ein höchst nostalgischer Ort. Es befindet sich in diesem hübschen Backsteinbau im Spielberghof, den man von der Ludwigstraße 41a aus erreicht:

Burgruine Falkenstein bei Pfonten

Der Falkenstein: das letzte Projekt von König Ludwig II

Die Burganlage auf dem rund 1260 Meter hohen Falkenstein bei Pfronten wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Am Ende des 30-jährigen Krieges wurde sie zerstört. Beinahe wäre die Burgruine Falkenstein zu einem neuen Leben erwacht, denn König Ludwig II hatte sich wegen der traumhaft schönen Lage in die malerische Ruine verliebt und wollte dort eine neue „mittelalterliche“ Burg nach seinen Vorstellungen bauen lassen. Da ihm wegen seiner exzessiven Bautätigkeit (Neuschwanstein!) das Geld ausging, kam es nie dazu. Schade eigentlich. Trotzdem ist der Falkenstein noch heute einen Besuch wert, und zwar nicht nur wegen der Ruine und des beeindruckenden Panoramablicks von dort aus, sondern auch wegen des Burghotels Falkenstein mit seiner Terrasse und der köstlichen regionalen Küche. Zu Fuß zur Burgruine Falkenstein Von Pfronten aus folgt man der Beschilderung in Richtung Falkenstein. Bereits kurz nach dem Ortsrand bekommt man die Ruine (rechts oben) und einen Teil des Burghotels (Mitte) zu sehen: Schließlich erreicht man den unteren Parkplatz. Man kann auch mit dem Auto bis zum Hotel fahren, sofern man ein Ticket am Automaten löst und sich an …