Alle Artikel in: Für Entdecker

Hier findet ihr meine Posts über archäologische Stätten und andere Schätze, die es im Allgäu zu entdecken gibt

Die Heini-Klopfer-Schanze in Oberstdorf im Sommer 2017

Schwindelerregend: die Heini-Klopfer-Schanze in Oberstdorf

Oberstdorf hat nicht nur eine Skisprungschanze, sondern auch eine Skiflugschanze zu bieten, die den Namen Heini-Klopfer-Schanze trägt. Heini hieß eigentlich Heinrich Klopfer (1918 bis 1968) und war sowohl Skiflieger als auch Architekt. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere widmete er sich ganz dem Schanzenbau. Die Schanze, die heute seinen Namen trägt, wurde ebenfalls nach seinem Entwurf gebaut. Er war bei der Eröffnung im Jahr 1950 auch derjenige, der den ersten Sprung dort machte. Seitdem haben auf der Skiflugschanze Oberstdorf viele Wettkämpfe stattgefunden, darunter die Skiflug-Weltmeisterschaften. 2016 wurde dann mit einem groß angelegten Umbau samt Renovierung begonnen. Bis zur nächsten Skiflug-Weltmeisterschaft im Januar 2018 soll alles fertig sein. Besichtigen kann man die Anlage aber jetzt schon. Ein Besuch der Skiflugschanze Oberstdorf im Sommer Ihr habt ja im Titelbild schon gesehen, wie groß die Anlage ist und wie perfekt sie sich an den Hang schmiegt. Wir sind mit dem Schrägaufzug bis in die „1. Etage“ gefahren (so nennen die das wirklich!). Von hier sieht der Schanzenturm wie ein großer roter Drache aus – ein Eindruck, der sich …

Archäologischer Park Cambodunum in Kempten - Eingang zum Tempelbezirk

Archäologischer Park Cambodunum – Reste der Römer in Kempten

Es mag umfangreichere Reste römischer Städte in Deutschland geben, nachweisbar ältere gibt es nicht. Denn Kemptens Existenz ist aufgrund einer vor Ort gefundenen Inschrift bereits für das Jahr 2 nach Christus schriftlich dokumentiert, der römische Geograph Strabon erwähnt die Stadt im Jahr 18. Auf diese lange und gut erforschte Geschichte ist die Allgäu-Metropole sehr stolz. Allerdings lag das römische Cambodunum nicht an den Ufern der Iller, wo sich das heutige Stadtzentrum ausbreitet, sondern auf einer Anhöhe über dem Fluss. Die Überreste der römischen Anlagen wurden in der Nachkriegszeit teilweise überbaut, ein großer Teil ist aber als Freilichtmuseum sicht- und erlebbar: als Archäologischer Park Cambodunum, kurz APC genannt. Archäologischer Park Cambodunum – ein Rundgang durch die Antike Wir haben das antike Kempten nach längerer Zeit mal wieder besucht, und zwar an einem verregneten Sonntagvormittag. Jeden Sonntag findet um 11 Uhr eine Führung statt, die im Eintrittspreis inbegriffen ist. Das Kassenhäuschen beherbergt eine kleine Taberna (Museumsshop und Café mit alt-römischen Spezialitäten). Vom Römerspielplatz in den römischen Tempelbezirk im APC Kempten Vor dem Kassenhäuschen befindet sich ein schöner …

Heimatgefühle - mein Günztal im Frühling

Heimatgefühle – im Allgäu bin ich daheim

Warum braucht es eigentlich erst eine Blogparade, damit ich mir Gedanken über meine Heimatgefühle mache? Aber es ist wahr: Obwohl ich im Allgäu weder geboren noch aufgewachsen bin, ist hier meine Heimat. Hier habe ich mich eingewurzelt, hier gehöre ich hin, hier möchte ich leben und hier möchte ich irgendwann einmal begraben werden. Wieso ausgerechnet das Allgäu? Das Allgäu ist auch deswegen meine Heimat, weil ich vorher nirgends lange genug gelebt habe, um dort echte Heimatgefühle zu entwickeln. Geboren wurde ich in Frankfurt am Main. Als ich knapp zwei Jahre alt war, zogen meine Eltern in den Münchner Westen. Als ich eingeschult wurde, stand schon der nächste Umzug in ein Dorf bei Landsberg an. Ende der zweiten Klasse ging es nach München ins Olympiadorf.  In der sechsten Klasse nach Puchheim, in der zehnten nach Eichenau. Dann habe ich in Augsburg studiert und dort drei Jahre gelebt. Sehr gerne übrigens, Augsburg ist eine schöne uns lebenswerte Stadt. Danach habe ich zwei Jahre in München gearbeitet und wieder in Eichenau gewohnt. Von dort zog ich 1995 der …

Auf dem Grund des Forggensees - Titelfoto

Entdeckungsreise auf dem Grund des Forggensees

Wer heute im Sommer ins südliche Ostallgäu reist, kann sich kaum vorstellen, dass König Ludwig von seinem Märchenschloss aus nicht auf einen blauschimmernden See, sondern auf einen grünen Talgrund blickte. Darin lagen einige kleine Weiler, dazwischen Wiesen, Heuschober und eine Mühle am Lauf eines mäandernden kleinen Baches. Der Forggensee ist Menschenwerk 1954 wurden bei Schwangau und Roßhaupten zwei Lech-Staustufen fertiggestellt und der Talgrund geflutet. Gedacht war der Stausee als Hochwasserrückhaltebecken für die stromabwärts gelegenen Gemeinden und als Garant für eine gleichmäßige Stromerzeugung durch Wasserkraft. Für diesen„Fortschritt“ geopfert wurden die Häuser und Höfe im Tal, und das, obwohl einige Anwohner sich heftig wehrten. Heute wissen viele Menschen nicht einmal mehr, dass der See seinen Namen dem versunkenen Weiler Forggen verdankt. So idyllisch sieht der Forggensee heute im Sommer aus: Richtig voll mit Wasser ist er aber nur zwischen dem 1. Juni und dem 15. Oktober. Über den Winter wird er nach und nach abgelassen und gibt einen großen Teil des Talgrundes wieder frei. Und dann kann man sich auf die Suche nach den Überresten der versunkenen …

Schönheit und Stille: der Klostergarten Wangen

Mitten in Wangen liegt das 1930 gegründete Franziskanerkloster, in dem heute noch sieben Mönche leben. Ihr Garten ist öffentlich zugänglich. Wir waren an einem verregneten Sonntagnachmittag dort – selbst unter grauem Himmel ist das ein paradiesisches Fleckchen Erde. Ein regnerischer Nachmittag im Klostergarten Wangen Von außen wirken Kloster und Garten eher unscheinbar: Aber wenn man durch das schmiedeeiserne Törchen geschritten ist, bleibt man erst einmal staunend stehen. Im Teich leben goldene und rote Fische, die Rosen blühen leuchtend, ein Bächlein plätschert durch Farne und Blüten, und der ein oder andere Vers lädt zum Nachdenken und Verweilen ein. Endlich mal ein Ort der Madonnenverehrung, der nicht kitschig ist: Und ganz am Ende des Gartens erwartet uns „Schwester Tod“ in Form einer Wurzel. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass es da einen Durchgang gibt, durch das Dunkle zum Licht … Der Klostergarten Wangen ist ein schönes Geschenk der Franziskanermönche an alle, die einen Ort zum Innehalten und nachdenklichen Verweilen suchen. Und natürlich an alle, die Gärten lieben. Danke dafür!

Lila leuchtende UNterwelt in der Erasmuskapelle Kempten

Die Erasmuskapelle Kempten: geheimnisvolle Unterwelt

Über die Jahrhunderte war sie in Vergessenheit geraten, aber als 2008 der Platz neben der Kirche St. Mang in Kempten neu gestaltet werden sollte, stieß man auf einen alten Friedhof und die Reste einer unterirdischen Kapelle. Es dauerte eine Weile, bis man ihrem Geheimnis auf die Spur gekommen war, aber seit 2010 ist die Erasmuskapelle Kempten der Öffentlichkeit zugänglich. St. Mang-Kirche Kempten Aber fangen wir doch vorne an: Die Kirche der Kemptener Reichsstadt, die dem Schutzpatron des Allgäus, dem Heiligen Magnus, geweiht ist, geht zurück bis ins 9. Jahrhundert. Nach und nach wurde sie vergrößert und Anfang des 15. Jahrhunderts dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend im gotischen Stil umgebaut. Ursprünglich war die Kirche im Innenraum reich verziert und bemalt, aber dann wurden die Kemptener Bürger 1527 „lutherisch“ und folgte eine Zeit lang dem besonders strengen Reformator und Bilderstürmer Ulrich Zwingli. Daraufhin entfernte man die zahlreichen Altäre und Apostelfiguren aus der Kirche und trug über den Malereien eine dicke weiße Putzschicht auf, damit die Kirchenbesucher nicht von all den bunten Bildern vom Gottesdienst abgelenkt wurden. Bei der …

Römervilla Tegelberg - der Heizraum des Badehauses

Unscheinbar, aber hochinteressant: römische Ruinen am Tegelberg

Wenn man „Tegelberg“ hört, denkt man sofort an Neuschwanstein (gleich nebenan), Gleitschirmfliegen und die Tegelbergbahn. Wir aber sind neulich abends zur Basisstation der Tegelbergbahn gefahren, um dort unter der Führung von Magnus Peresson römische Ruinen zu besichtigen. Das Schutzgebäude ist unansehnlich und ziemlich lieblos gestaltet, aber die Ruinen darunter sind sehenswert. Die Reste der Römervilla Tegelberg sind gut versteckt Die Bezeichnung „Römervilla“ für den grünen Schutzbau ist ohnehin irreführend: Tatsächlich stand gleich nebenan eine römische Villa, die wohl ziemlich gut erhalten war. Aber genau auf diese Reste baute man die Talstation der Tegelbergbahn (rechts im Bild). Unter dem Schutzdach befinden sich die Reste der Therme, die zu dieser Villa gehörte, also das private Bad der römischen Familie. Hier erkennt man ganz vorne das Warmwasserbecken, dahinter die Reste der „Badewanne“, in der man sich im heißen Wasser aalte, und dahinter den Heizraum. Die heißen Rauchgase wurden nicht nur unter dem Fußboden durchgeleitet, um die Räume zu heizen, sondern auch nach oben abgeleitet. Hier erkennt man gut die Hohlziegel, die für diese kombinierte Wandheizung/Abgasentsorgung genutzt wurden: Die …

Forggensee ohne Wasser an der alten Tiefentalbrücke

Mondlandschaft mit Tiefgang: Auf dem Grund des Forggensees gibt es viel zu entdecken

Am Montagabend habe ich eineinhalb äußerst spannende Stunden unter der Führung von Magnus Peresson verbracht. Peresson ist der Vorsitzende des Historischen Vereins Alt Füssen e. V. und ein ebenso kundiger wie unterhaltsamer Begleiter. Wir haben eine – wegen der einbrechenden Dunkelheit aus meiner Sicht leider viel zu kurze – Tour durch den Forggensee gemacht. Ja genau, durch den See. Der Forggensee ist ja nicht natürlich entstanden, sondern ein Stausee, der jeden Winter nach und nach abgelassen wird, um die Versorgung der lechabwärts gelegenen Wasserkraftwerke zu sichern und erst ab dem Frühjahr wieder vollläuft. Dieses Jahr hat man den Wasserpegel wegen irgendwelcher Wartungsarbeiten noch 5 Meter tiefer abgesenkt als sonst, so dass der Forggensee ohne Wasser war bzw. man den größten Teil des Seegrundes begehen konnte. Und da gab es jede Menge interessanter Dinge zu sehen. Begonnen haben wir unseren Spaziergang am nördlichen Seeufer beim„Toteisloch“ Dietringen Toteislöcher gibt es im Allgäu viele, denn sie sind Überbleibsel aus der letzten Eiszeit. Sie sind entstanden, wo ein großer Eisklumpen noch längere Zeit liegenblieb, bevor er endgültig wegschmolz. Früher …

Kaufbeuren: Crescentias Sieb und der Garten des Heiligen Franziskus

In der Nacht zum Ostersonntag 1744 ist die Weberstochter Anna Höß im Franziskanerinnen-Kloster in Kaufbeuren gestorben. 268 Jahre später ist die Erinnerung an sie noch höchst lebendig: Anna, sechstes von acht Kindern einer armen Familie, wurde nämlich als Schwester Maria Crescentia schon zu Lebzeiten berühmt, im Jahr 1900 selig- und 2001 durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Die Geschichte der Heiligen Crescentia Am Montagabend hatte ich das Vergnügen, an einer Führung durch das Crescentiakloster teilnehmen zu dürfen. Schwester Maria Ursula erzählte uns mit viel Begeisterung und Überzeugung aus dem Leben der Heiligen: wie sie in ihrer Kindheit Armut und Leid erfuhr (fünf ihrer Geschwister starben), sich dann zum Eintritt ins Kloster berufen fühlte, aber wiederum an ihrer Armut scheiterte – damals war das Einbringen einer „Mitgift“ Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden, aber die konnte die Familie nicht aufbringen. Der evangelische Bürgermeister Kaufbeurens setzte sich daraufhin für die 18-Jährige ein, so dass die Mutter Oberin sich gezwungen sah, sie doch aufzunehmen. Herzlich war das Willkommen nicht, das sie erfuhr, sondern in der ersten Zeit …