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Unterthingau: Burgstall-Führung mit dem Markgrafen Gottfried von Ronsberg

Heute denkt man beim Stichwort „Allgäu“ gleich an die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Die sind ja auch wirklich toll. Aber schon im Mittelalter hat es im Allgäu vor Burgen nur so gewimmelt, auch wenn die damals viel kleiner und bescheidener waren als die königlich-massentouristischen Behausungen. Wenn von einer Burg oberirdisch nicht mehr zu sehen ist als nur der (aufgeschüttete) Platz, an dem sie gestanden hat, nennt man das einen „Burgstall“. Allein vier davon finden sich rund um das Dorf Unterthingau im Ostallgäu. Zu denen hat uns am 1. Mai der Markgraf Gottfried von Ronsberg persönlich geführt. Naja eigentlich war es Götz Finger, offizieller Führer der Burgenregion Allgäu, aber er sah dem Markgrafen, der im 12. Jahrhundert gelebt hat, doch recht ähnlich.

Götz Finger-als-Landsknecht

Wir starteten am der Kirche in Unterhingau und gingen nach Südosten den Höllweg entlang. Von dort aus sieht man Richtung Norden einen auffällig geformten Hügel, den Burgstall Geisburg.

Burgstall-Geisburg

Folgt man dem Höllweg weiter, kommt man an dieses idyllische Plätzchen,

Galgenplatz-Unterthingau

das früher einem wenig idyllischen Zweck diente:

Galgen-Unterhingau-Gedenkstein

Geht man weiter nach Norden, in Richtung Funkenbauerhof, kommt schon die nächste ehemalige Burg in Sicht: der Burgstall Seelinberg

Burgstall-Seelinberg-1

Wo heute friedlich die Schumpen grasen, stand einst eine von einem Graben umgebene Festung.

Burgstall-Seelinberg-2

Außer einem Gedenkstein …

Burgstall-Seelinberg-Gedenkstein

… ist davon heute nichts mehr zu sehen, wobei der Blick auf Unterthingau sehr schön ist:

Burgstall-Seelinberg-Blick-auf-Unterthingau

Welchem Geschlecht die Anlage einst gehörte, weiß man nicht, auch woher der Name „Seelinberg“ stammt, ist nicht bekannt. Frühere Anwohner haben den Namen jedenfalls mit „Seelen“ in Verbindung gebracht und die kleine Kapelle „Maria Seelenberg“ auf das Burgstall-Gelände gebaut:

Kapelle-Maria-Seelenberg-außen

Am Mittwoch war sie sogar offen:

Kapelle-Maria-Seelenberg

Auf der anderen Seite des Höllwegs ist ein Hügel, auf dem früher eine weitere kleine Burg in Form eines Turmes stand. Davon ist heute aber gar nichts mehr zu sehen. In Unterthingau selbst finden sich zwei weitere ehemalige Burgen. Das eine ist der Burgstall Reichenbachschanze, der heute inmitten eines Neubaugebietes liegt:

Reichenbach-Schanze-Unterthingau

Hier ist der ehemalige Burggraben, der vermutlich mit Wasser gefüllt war, noch gut zu erkennen. Unser kundiger Begleiter sagte, es wären auch noch Keramikscherben zu finden, wenn man weiß, wo man sie suchen muss. Wir wussten es nicht, fanden aber immerhin einen weiteren Gedenkstein:

Reichenbach-Schanze-Gedenkstein

Unsere insgesamt zweistündige Führung endete am Unterthingauer Schloss, das vermutlich über einem ehemaligen fränkischen Königshof erbaut wurde. Götz Finger zeigte uns dort noch seine beeindruckende Sammlung von Schwertern und Ausrüstungsgegenständen (erstaunlich schwer, so ein Kettenhemd!) und präsentierte sich anschließend im Festtagskleid des Markgrafen:

Götz-Finger-als-Adeliger-14-Jahrhundert

Götz Finger ist manchmal auch in Immenstadt unterwegs, dann aber als Götz von Thingau, Hauptmann der Schloßgarde zu Immenstadt in passender Gewandung aus dem 17. Jahrhundert. Die Familie der Markgrafen zu Ronsberg war damals übrigens schon ausgestorben, ihre männliche Linie endete nämlich im Jahr 1230, habe ich gelernt. Unterthingau fiel dann unter die Herrschaft des Fürstbischofs von Kempten. Insgesamt war das ein schöner und sehr lehrreicher Spaziergang, der mir wieder einmal gezeigt hat, wieviel es tief im Allgäu zu entdecken gibt – wenn man weiß, worauf man achten muss.


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