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Blick auf die Altstadt von Isny aus dem Wassertor-Turm

Isny erleben: auf Zeitreise im Wassertor-Museum

Isny ist mit seinem mittelalterlichen Stadtkern ein besonders hübsches Städtchen und hat für Kultur- und Geschichtsfans einiges zu bieten. Sehr gut gefallen hat mir die Führung durch das Museum im Wassertor, bei der man sich vom Verlies im untersten Geschoss bis zur ehemaligen Türmerwohnung nach oben und damit durch die Stadtgeschichte bewegt. Die Führung fand anlässlich des Frühlingsmarktes zum ersten Mal in diesem Jahr statt, ansonsten wird sie von Mai bis Oktober jeden dritten Samstag im Monat um 14 Uhr angeboten (Kosten: 3 Euro).

Eine Führung durch das Wassertor-Museum in Isny

Durch das Wassertor gelangt man von Nordosten, aus der früheren Wasservorstadt, in die Altstadt. Erbaut wurde es im 13. Jahrhundert, als Isny seine Stadtmauer erhielt.

das Wassertor in Isny - Eingang zur Altstadt

Der Eingang zum Wassertor-Museum liegt hinter dem Tor auf der linken Seite, auf der Rückseite der Nikolaikirche und oberhalb des Torbogens.

Eingang zum Wassertor-Museum in Isny

Gehe zuerst ins Gefängnis …

Die Führung beginnt im Verlies. Das hatte früher gar keine Tür, sondern nur ein Loch in der Decke, durch das die Gefangenen abgeseilt wurden. Von dieser Praxis stammt übrigens der Ausdruck „jemanden ins Loch stecken“.

Das Gefängnis im Wassertor in Isny

Den Gefangenen, die in diesem ungemütlichen und kalten Raum teilweise mehrere Wochen lang ausharren mussten, war verständlicherweise recht langweilig. Außer der Kreuzigungsszene an der Wand gab es nichts zu sehen und zu tun gab es auch nichts. Deswegen verzierten sie die Wände mit diversen Graffiti. Von manchen kennt man die Geschichte.

Mathias Gebhart zum Beispiel wurde 1623 auf die Klage eines Isnyer Bürgers ins Loch gesteckt. Er hatte nämlich die Tochter des Klägers geschwängert, wollte sie aber nicht heiraten. Nach vier Wochen im Loch überlegte er sich anders und willigte doch ein, das Mädchen zu ehelichen.

Graffito Mathias Gebhart im Wassertor-Gefängnis in Isny

Der Herr, der sich einige Jahrzehnte früher recht fidel mit seinem Trinkpokal an der gegenüberliegenden Wand verewigt hatte, saß möglicherweise wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit ein. Zeit zum Ausnüchtern hatte er offensichtlich genug, jedenfalls hinterließ er eine eine ziemlich detaillierte Zeichnung.

Graffito im Isnyer Stadtgefängnis

Früher führte der Eingang in den Turm über eine Holzstiege auf der Außenseite in den ersten Stock. Heute gelangt man dorthin über die nachträglich eingebaute Treppe aus dem Verlies.

Drei Etagen Stadtgeschichte

Die Ausstellung im ersten Stock widmet sich der Feuerwehr(geschichte). Im Mittelalter mussten die Bürger selbst zum Löschen ran, denn eine eigentliche Feuerwehr gab es nicht. Jeder Haushalt verfügte über einen Löscheimer, so dass bei Bedarf eine Löschkette gebildet werden konnte. Solche Löscheimer (in der Wandnische) waren damals übrigens beliebte Hochzeitsgeschenke.

Feuerwehrausstellung im Wassertor in Isny

Dass die Feuerwehr oft nicht viel ausrichten konnte, bekam die Stadt Isny beim großen Brand von 1631 schmerzhaft zu spüren, der 80 Prozent der Gebäude zerstörte.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten sich eigene Feuerwehrvereine, oft aus bestehenden Turnvereinen heraus. Um mit dem damaligen Gerät hantieren zu können, musste man wohl auch ganz schön sportlich sein. Falls ihr euch für Feuerwehrgeschichte und -geräte interessiert, empfehle ich euch übrigens einen Besuch im Feuerwehrmuseum in Kaufbeuren.

In den beiden nächsten Stockwerken geht es um den Wirtschaftszweig, der Isny im Mittealter reich gemacht hatte: den Flachsanbau und die Leinenweberei. Von der Ernte der Flachspflanzen bis zur Erzeugung eines Flachszopfes, der am Spinnrad weiterverarbeitet werden kann, sind erstaunlich viele und aufwendige Arbeitsschritte erforderlich.

Flachsanbau in Isny - Ausstellung im Wassertor-Museum
Webstuhl im Wassertor-Museum in Isny

Bei dieser Führung hatten wir das Glück, den Webstuhl in Aktion vorgeführt zu bekommen, nämlich von der Weberin Stefanie Jacobi. Von ihren Erklärungen habe ich nicht sehr viel verstanden, denn die Sache mit dem Webstuhl, den Kettfäden, den Pedalen und dem Muster ist wesentlich komplizierter als ich es von meinem Schulwebrahmen kannte. Aber die Vorführung war sehr beeindruckend und das Ergebnis (ein weißes Handtuch mit Borte) sehr hübsch.

Zimmer mit Aussicht

In den beiden obersten Etagen des Wassertor-Turms lebte bis 1959 noch eine Familie, und zwar ohne fließendes Wasser. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Obwohl die kleine Wohnung im obersten Stock schon gemütlich aussieht.

Türmerwohnung im Wassertor-Turm in Isny
In der Türmerwohnung im Wassertorturm Isny

Toll ist natürlich der Blick auf Isny aus dem Turmzimmer – aber den habt ihr oben im Titelbild ja schon gessehen. Im Hintergrund seht ihr übrigens den kleinen Skihang von Isny; letzten Winter war er gut frequentiert.

Blick aus der Türmerwohnung im Wassertor auf Isny

Kleiner Rundgang durch Isny

Auch sonst gibt es im Städtchen manch hübschen Winkel zu entdecken. Etwa die Reste der Stadtmauer (hier am Espantor),

Espantor und Stadtmauer in Isny

den kleinen Kurpark,

Blick durch die Stadtmauer in den Kurpark Isny

oder die Altstadtgassen mit Blick auf den Blaserturm.

Blick auf den Blaserturm in Isny

Falls ihr euch für sakrale Kunst interessiert, solltet ihr auch einen Blick in die Kirche St. Georg und Jakobus werfen, die mit einer üppigen Rokoko-Ausstattung aufwartet.

Innenraum der Isnyer Kirche St Georg und Jakobus

Mir persönlich hat die wesentlich schlichtere evangelische Nikolaikirche mindestens genauso gut gefallen.

Innenraum der Nikolaikirche in Isny

Hier liegt auch der Zugang zur berühmten Predigerbibliothek. Sie kann ebenfalls nur im Rahmen einer Führung besucht werden, die aber jeweils an anderen Tagen stattfindet als die Führung durchs Wassertor-Museum.

Sehr sehenswert sind auch die Museen im Schloss Isny: In der Kunsthalle haben die Werke Friedrich Hechelmanns einen passenden Rahmen gefunden. In der Städtischen Galerie werden wechselnde Ausstellungen gezeigt.

Isny im Allgäu - auf Zeitreise bei einer Führung durchs Wassertor-Museum


Kleine Radtour bei Bad Wörishofen - auf dem Rückweg

Kleine Radtour bei Bad Wörishofen für Entdecker und Genießer

Für Sportradler mag das vergleichsweise flache „Unterland“ langweilig sein, aber für Genussradler, Familien und Ältere ist es ideal. Ich habe hier eine kleine Radtour bei Bad Wörishofen für euch zusammengestellt, die zusätzlich einige Entdeckungen bereithält: vom Pestfriedhof über kleine Kapellen und ein Kräutercafé bis zu keltischen Hügelgräbern.

Radtour bei Bad Wörishofen - Radrunde mit Kapellen, Keltengräbern und Café

Der Startpunkt liegt im Süden der Kneippstadt am kleinen Wanderparkplatz an der Schlingener Straße unterhalb des Pestgottesackers. Falls dort alle Plätze besetzt sind, gibt es in der Parallelstraße (Am Hang) einen weiteren Parkplatz.

Teil 1 der Radtour bei Bad Wörishofen: Vom Pestacker bis Ingenried

Ein Stückchen südlich des Parkplatzs liegt eine kleine Gedenkstätte. Sie erinnert daran, dass auf diesem Gelände die zahlreichen Pesttoten der Jahre 1628 und 1629 begraben wurden. Früher stand dort eine Kapelle, die aber im Zuge der Säkularisation abgerissen wurde. Heute ist es ein schönes Plätzchen, dem man seine grausige Vergangenheit nicht ansieht.

die Pestacker-Gedenkstätte bei Bad Wörishofen

Vom Pestgottesacker geht es nun nach Süden, dann nehmt ihr die auf dem Bild zu erkennende Abzweigung nach rechts und folgt der Beschilderung nach Untergammenried.

Gammenried und seine Kapellen

Der kleine Abstecher nach Untergammenried lohnt sich wegen der Kapelle St. Rasso, einem beliebten Hochzeitskirchlein. Von außen wirkt sie unscheinbar:

Kapelle St Rasso in Untergammenried - Außenansicht

Im Inneraum überrascht sie durch eine üppige Rokokoausstattung, die noch dazu praktisch unverändert erhalten ist. Endstanden ist dieses Kleinod übrigens ab 1714 auf Initiative und Kosten von zwei unverheirateten und kinderlosen Brüdern aus dem Ort. Ein schönes Vermächtnis, oder?

Kapelle St Rasso in Untergammenried - Innenansicht

Von Untergammenried geht es nun wieder zurück auf den Radweg, der nach Obergammenried führt. Dort steht eine weitere Kapelle, deren Besichtigung ich euch ans Herz legen möchte:

Kapelle zur Hl Kümmernis in Obergammenried

Sie geht auf eine Votivkapelle aus dem Jahr 1645 zurück, wurde aber 1769 durch einen Neubau ersetzt und 1886 umgebaut. Pfarrer Kneipp persönlich weihte sie nach dem Umbau.

Ich fand sie aber vor allem wegen ihrer Entstehungsgeschichte interessant: Ein Bauer hatte sie errichten lassen, um seine Dankbarkeit für seine Rettung vor einem schrecklichen Tod auszudrücken. Im Jahr 1645, also noch mitten im Dreißigjährigen Krieg (und nicht sehr lange nach der schlimmen Pestepidemie) hatten Söldner den Ort geplündert, die Häuser angezündet und den armen Bauern an den Schwanz eines Pferdes gebunden, das sie zu ihrer Belustigung davonjagten. Davon erzählt dieses detailfreudige und anrührende Deckengemälde in der kleinen Kapelle:

Deckengemälde in der Kapelle zur Hl Kümmernis Obergammenried

Der rettende Lichtkegel geht übrigens von der Heiligen Kümmernis aus, zu welcher der Bauer in seiner Not gebetet hatte. Diese höchst interessante Heilige wollte gegen den Willen ihres Vaters jungfräulich bleiben und widersetzte sich der Heirat mit einem Heiden, indem sie darum bat, hässlich zu werden. Daraufhin wuchs ihr ein Bart. Ihr Vater war wegen dieser Insubordination so wütend, dass er sie kreuzigen ließ.

Von Obergammenried folgt ihr den gut beschilderten kleinen Sträßchen über Irpisdorf bis Ingenried.

Kaffeepause im Kräutercafé Ingenried

Hinter euch liegen 11 km und damit die Hälfte der Strecke unserer kleinen Radtour bei Bad Wörishofen – Zeit für eine kleine Stärkung. Dafür bietet sich das Café von Bertlies Adler im ehemaligen Pfarrhof von Ingenried an. Sie hat aus dem Pfarrhof einen Kräuterhof mit Kräutergarten gemacht. Aus den Kräutern bereitet sie unter anderem Tees mit vielversprechenden Namen zu. Ihr könnt euch zum Beispiel mit „Kräuterpower bleibt auf Dauer“ oder „Kraft aus dem Wald“ verwöhnen. Dazu gibt es beispielsweise gesunde Gundermanntorte (mit Gundermann aus dem eigenen Kräutergarten natürlich) oder leckeren Kirschkuchen.

das Kräutercafé Ingenried vom Kräutergarten aus gesehen

Ich habe mich allerdings etwas fantasielos mit einem Capuccino begnügt.

Kaffeepause im Café im Kräuterhof in Ingenried

Von Ingenried über Schlingen und Stockheim zurück nach Bad Wörishofen

Ingenried ist der südlichste Punkt unserer kleinen Radrunde. Von hier führt sie nach Nordosten, Richtung Schlingen.

Radweg von Ingenried nach Schlingen

Nach dem Waldstückchen überquert man die St 2015 und landet an einem sehr hübschen Tümpelbiotop, in dem es dieses Frühjahr sogar eine Biberburg zu bestaunen gibt.

Tümpelbiotop bei Schlingen im Unterallgäu
Biberburg bei Schlingen im Unterallgäu

Kurz danach biegen wir links ab und sehen Schlingen vor uns liegen.

Blick auf Schlingen im Unterallgäu von Süden

Am Ortseingang liegt links ein Infopunkt mit Schautafeln und Sitzbank. Von dort blickt ihr nämlich auf ein ehemaliges keltisches Gräberfeld, das teilweise als Bodendenkmal erhalten ist. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr die kleinen runden Grabhügel.

Infopoint keltische Hügelgräber bei Schlingen

Von Schlingen fahrt ihr in Richtung Osten, zur Wertach. Hier folgt eine Staustufe auf die andere. Diese Bank steht am durch das Aufstauen entstandenen Frankenhofener See.

Am Frankenhofener See bei Bad Wörishofen

Von hier geht es weiter an der Wertach entlang nach Norden,

Radweg an der Wertach

bis ein Wegweiser nach Stockheim (nach links) zeigt. Am Ortsende biegt ihr wieder links auf diesen Radweg Richtung Bad Wörishofen ab.

Radweg von Stockheim nach Bad Wörishofen

Ihr fahrt an der Gartenstadt vorbei, unterquert diesmal die St 2015 und gelangt nach ein paar Minuten wieder an den Ausgangspunkt der kleinen Radtour bei Bad Wörishofen.

Falls ihr Ideen für weitere Radtouren im Allgäu sucht, empfehle ich euch meine Posts zur familiengerechten Radtour von Marktoberdorf bis Sameister und zur Radtour vom Illerursprung bis Kempten.


Gut essen in Marktoberdorf – meine Café- und Restaurantempfehlungen

Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Deswegen kehre ich bei Wanderungen, Besichtigungen und anderen Unternehmungen immer gerne ein und probiere auch immer wieder neue Gaststätten aus. Damit ihr nicht alles selbst durchprobieren müsst, stelle ich euch meine persönlich erprobten Empfehlungen für Marktoberdorf (kurz: MOD) zusammen.

Ein Hinweis vorab: Auf diesem Blog gibt es keine irgendwie gesponsorten Inhalte. Ich wurde von keinem der genannten Cafés und Restaurants beauftragt, habe weder Geld- noch Sachleistungen bekommen und selbstverständlich alles selbst bezahlt, was ich verzehrt habe.

Zum Frühstück

Die für mich beste Adresse zum Frühstücken in Marktoberdorf ist das Café Lausfehl am Marktplatz. Von außen ist es unscheinbar, auch die Gaststube ist schlicht und wirkt wie ein einfaches Bäckereicafé.

Café Lausfehl in Marktoberdorf - Außenansicht

Café Lausfehl in Marktoberdorf - Blick auf die Theke

Aber die Frühstsücksauswahl ist groß, auch das Teeangebot kann sich sehen lassen und der Kaffee ist sehr gut. Außerdem werden die Frühstücksteller sehr liebevol zusammengestellt. Mein derzeitiger Favorit ist das Veggie-Frühstück:

Veggie-Frühstück im Café Lausfehl

Es schmeckt mindestens so gut wie es aussieht (zwei Vollkornsemmeln sind auch noch dabei, aber nicht im Bild), und der Preis liegt deutlich unter 10 Euro – das empfehle ich gern weiter. Übrigens gibt es auch eine täglich wechselnde Mittagskarte, auf der sich neben fleischhaltigen auch vegetarische und vegane Gerichte finden.

Einziger Nachteil: Das Café Lausfehl hat nur Montag bis Freitag (jeweils von 6 bis 15 Uhr) geöffnet. Am Wochenende müsst ihr also woanders frühstücken. Zum Beispiel im Café Greinwald, das ich unten noch vorstelle.

Hier könnt ihr mittags und abends gut essen in Marktoberdorf

Ein bisschen ist es auch eine Sache der Tagesform: Mal mag ich es lieber urig und deftig, mal etwas edler.

Urig und deftig: Gasthof Zum Burger

Nein, hier geht es nicht um amerikanische Burger (Börger?), sondern die Inhaberfamilie heißt Burger. Sie betreibt schon in dritter Generation ein Wirtshaus in Marktoberdorf.

Gasthof Zum Burger in Marktoberdorf - Außenansicht

Im Sommer liegt im Hof ein schöner Biergarten. Im Winter sind die Gaststuben (es gibt mehrere) so richtig einladend.

Gaststube beim Burger in Marktoberdorf

Auf der Karte stehen typische regionale Gerichte, es gibt Schweinebraten, Filettöpferl und Kässpatzen. Sehr beliebt (und gut) sind auch die Schnitzel im Gasthof zum Burger.

Schnitzel im Gasthof Zum Burger in Marktoberdorf

Kreativ und köstlich: Restaurant Zum Sailer

Wenn ich Lust auf gehobene Küche habe, gehe ich in MOD ins Restaurant Zum Sailer am Marktplatz 6. Es liegt ein wenig versteckt und hat eine schöne, ruhige Terrasse, auf der es sich im Sommer höchst angenehm sitzt. Die Gaststuben sind geschmackvoll dekoriert und bieten ein sehr angenehmes Ambiente (davon habe ich aber keine Fotos mitgebracht).

Restaurant zum Sailer in Marktoberdorf - Außenansicht

Als wir anlässlich eines Geburtstages dort waren, hatte man den Tisch festlich für uns geschmückt.

Tisch im Restaurant Zum Sailer

Die Küche ist kreativ mit österreichischem Einschlag und überzeugt durch ihre Frische. Die Preise sind entsprechend etwas höher, aber keineswegs übertrieben. Der Service ist flink und freundlich.

Maispoularde mit Gemüse

Empfehlenswerte Cafés

Lieber ein schneller Kaffee oder ein gemütlicher Tortennachmittag? Beides hat seinen Reiz, für beides habe ich Anlaufstellen in Marktoberdorf.

Modern und angesagt: das Café Muckefuck

Kaffeeröstereien bommen zurzeit, und das finde ich prima. In Aitrang arbeitet die Kaffeerösterei Muckefuck, die ein gleichnamiges Café in der Jahnstraße in Marktoberdorf betreibt. Von außen sieht das Café Muckefuck so aus:

Café Muckefuck in Marktoberdorf - Außenansicht

Drinnen ist es zeitgemäß mit einer Ziegel-Holz-Kobination eingerichtet. Das Café ist nicht sehr groß, aber man kann im Sommer auch draußen sitzen. Raucher tun das sogar im Winter.

im Café Muckefuck in Marktoberdorf

Im Muckefuck bleibt man normalerweise nicht den ganzen Nachmittag sitzen. es ist eher ein Ort für eine kleine Kaffeepause mit sehr gutem Kaffee und einer kleinen Leckerei dazu.

Kaffee und Kuchen im Muckefuck MOD

Klassisch und gut: das Café Greinwald

Im Café Greinwald in der Georg-Fischer-Straße seid ihr genau richtig, wenn ihr ein gemütliches, traditionelles Café sucht.

Café Greinwald in Marktoberdorf im Advent

Drinnen ist viel Platz, so dass man normalerweise immer einen Tisch bekommt. (Im Sommer kann man in der Seitenstraße auch draußen sitzen.) Die Einrichtung ist ein bisschen plüschig, aber man sitzt angenehm in Nischen verteilt.

im Café Greinwald in Marktoberdorf

Der Inhaber ist Konditor, weswegen die Kuchen und Torten alle hausgemacht und von guter Qualität sind.

Prinzregententorte im Café Greinwald

Besonders köstlich sind die Pralinen des Hauses, in der Vorweihnachtszeit kaufe ich im Café Greinwald gerne Stollen.

Sonntags gibt es im Café Greinwald übrigens Brunch (unbedingt vorab reservieren!), eine Mittagskarte wird ebenfalls angeboten.

Und abends in die Bar …

Gut essen in Marktoberdorf ist das eine. Aber vielleicht wollt ihr abends einfach mal etwas trinken? Mir geht es jedenfalls oft so, dass ich nach dem Kino oder Theater Lust auf einen Drink habe. Mein Lieblingsetablissement für diese Gelegenheiten trägt einen irreführenden Namen:

KonterKaffee

Warum es so heißt, weiß ich nicht, aber das KonterKaffee in der Meichelbeckstraße 12 ist eigentlich eine klassische Bar.

KonterKaffee Marktoberdorf - Außenansicht

Vielleicht doch nicht ganz klassisch, denn sie befindet sich in einem ehemaligen Industriegebäude. Drinnen erwartet euch eine junge, gut gelaunte Truppe mit wechselndem Bier- und attraktivem Cocktail- und Longdrinkangebot.

im KonterKaffee in MOD

Dann schlürfe ich meinen Mojito und lasse den Abend in Marktoberdorf genüsslich ausklingen …

Mojito im Konterkaffee MOD

Wenn euch meine Empfehlungen zum gut essen in Marktoberdorf gefallen haben, interessieren euch vielleicht auch meine Café- und Restauranttipps für Kempten.

Gut essen in Marktoberdorf
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Günztal-Pusteblumen

Sehr originell: der Faschingsumzug Obergünzburg 2019

Zum Faschingsumzug Obergünzburg 2019 haben sich die Faschingsaktiven im Günztal mal wieder selbst übertroffen: So viele einfallsreich kostümierte Gruppen waren zu sehen, dass ich mich kaum entscheiden konnte, welche ich für das Titelfoto auswählen soll. Und das Wetter hat auch noch mitgespielt; so mild und sonnig war es am Faschingssonntag seit Jahren nicht. Was für ein toller Faschingshöhepunkt!

Das Günztal zeigte sich von seiner orginellen Seite auf dem Faschingsumzug Obergünzburg 2019

Den Anfang machten die Günzacher Kühe:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Günzacher Kühe

Kühe sind natürlich im Günztal eine ziemlich naheliegende Idee. Aber auch sonst war die Allgäuer Natur gut vertreten – das Volksbegehren zur Artenvielfalt hat die Kreativität der Maschkerer offensichtlich angeregt. Wo die vielen Kühe leben, gibt es nämlich auch Löwenzahn. Der war extra aus Untrasried angereist.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Löwenzahn aus Untrasried

Selbst kleinste Löwenzahnblüten waren dabei. Sehr niedlich!

Da freuen sich die Bienen bestimmt.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Motto der Löwenzahngruppe
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Pusteblume

Weitere hübsche Pusteblumen kamen aus Immenthal; die gesamte Gruppe habt ihr im Titelfoto schon gesehen:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Immenthaler Löewnzahngruppe

Unheimliche Gestalten waren dagegen aus der Teufelsküche bei Obergünzburg in den Ort gezogen:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Bewohner der Teufelsküche unterwegs

Die Gruppe aus Litzen war wohl vom Ackerbau im Unterland inspiriert. Oder vom kleinen Raben Socke. Ich fand Wagen und Raben sehr gelungen:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Raben und Vogelscheuche aus Litzen

Nicht nur das Günztal, auch das ferne Meer regte die Faschingsfantasie an

Diese Meeresbewohner warnten vor den Plastikabfällen im Ozean:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Müll-Tsunami

Weitere Gestalten aus den Weltmeeren folgten.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Meeresbewohner

Eines meiner persönlichen Highlights auf dem Faschingsumzug Obergünzburg 2019 war diese hübsche blaue Muschel mit ihrer Perle:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Perle in blauer Muschel

Wo ein Meer ist, sind Piraten nicht weit. Die waren diesmal besonders witzig kostümiert.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - lustige Piraten

Sie können sich übrigens auch ohne Hut sehen lassen.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - lustige Piraten ohne Hut

Kein Faschingsumzug ohne Fabelwesen

Dunkle Mächte waren aus Betzigau herbeigezogen.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Dunkle Mächte aus Betzigau

Aus der Nähe sahen sie dann recht freundlich aus.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - dunkle Kreatur aus Betzigau

Auch die Hexe Maleficent zeigte sich von ihrer guten Seite:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Maleficent

Ganz zauberhaft flatterten diese Fabelvögel daher:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - fantastische Vögel beim Flattern
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - fantastische Vögel
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - fantastischer Vogel

Weiterhin zeigten sich farbenfrohe Regenbogengeschöpfe:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Regenbogengruppe 2

Und zwar gleich in zwei Varianten:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Regenbogentruppe

Sie hatten vorsichtshalber sogar Regenschirme dabei, aber die brauchten sie dann eher als Sonnenschirme:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Regenbogengeschöpfe

Noch mehr bunte und süße Truppen

Sehr farbenprächtig war die Gruppe um den bunten Hund, die übrigens auch eine tolle Choreografie einstudiert hatte (zu sehen im kleinen Video ganz unten):

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - der bunte Hund
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - der bunte Hund - Dreiergruppe

Sind das Zaubertrolle oder kleine Elfen? Jedenfalls sind sie ebenfalls schön bunt.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - bunte Trolle

Und sehr niedlich:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - kleiner Troll

Süß war das Motto der Ferrero-Rocher-Gruppe:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Ferrero Rocher

Exotische Gruppen auf dem Faschingsumzug Obergünzburg 2019

Die Allgäuer gelten ja allgemein als recht bodenständig. Aber sie haben durchaus ein Faible für das Exotische. So waren Afrikaner auf dem Umzug vertreten,

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Afrikaner

Mexikaner,

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Fiesta-Truppe

und Inkas.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Untrasrieder Inkas

Die Inkas kamen übrigens aus Untrasried.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Untrasrieder Inkas - Wagen

Diese Asiaten auch:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Untrasried in asiatischer Hand
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Untrasried in asiatischer Hand - Wagen

In Hopferbach hegt man sogar orientalische Träume …

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Orientalische Träume in Hopferbach

Sonstige originelle Gruppen

Die Minderbetzigauer haben wohl sehr eindrückliche Erfahrungen mit den Bauarbeiten für die neue Ortsumfahrung gemacht. Jedenfalls waren sie als Straßenbauer unterwegs.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Minderbetzigauer Straßebauer

In Untrasried ist man immer auf der Höhe der Zeit, so gibt es dort auch eine größere Gruppe sehr stylischer Steampunker.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Steampunk-Wagen aus Untrasried
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Steampunker 1
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Steampunker 2

Dieser Zirkus war wirklich belissimo:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Zirkus Belissima
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Zirkus Belissima Manege frei

Die Zirkusdamen hatten sogar eine Tanznummer einstudiert:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Zirkus Belissima Tanztruppe

Der TSV Obergünzburg glänzte mit einer Reminiszenz an die großen Tennisstars der 70er- und 80er-Jahre (auch dazu ist im Video ganz unten mehr zu sehen):

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - TSV Obergünzburg - Tennisspieler

Ausgesprochen witzig fand ich die Willofs-One-Gruppe, die ich als echte Allgäuer Interpretation der Weltraumträume des derzeitigen bayerischen Ministerpräsidenten verstanden habe:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Willofs One Rakete

Sie hatten neben den Kosmonauten flotte Space Taxis dabei:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Willofs One
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Willofs One Space Taxi

Meine drei absoluten Highlights auf dem Faschingsumzug Obergünzburg 2019

Es ist natürlich eine sehr subjektive Auswahl, aber mir persönlich haben diese drei Gruppen am besten gefallen:

Die wandelnden Duschkabinen wegen ihrer höchst originellen Kostümidee:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - wandernde Duschkabinen
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - wandernde Duschkabine mit Badefisch
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - wandernde Duschkabinen 2

Dann die Untrasrieder Alten Herren (unter denen auch Damen sind), die wie jedes Jahr eine ungewöhnliche Idee und eine witzige Choreografie hatten:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - tollkühne Flieger aus Untrasried
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - tollkühne Flieger beim Tanzen

Den Vogel, äh, das Raumschiff abgeschossen haben aber die grünen Männchen aus dem All:

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Außerirdische vor dem Rathaus
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Außerirdischer Besuch

Sind das nicht unglaublich tolle Kostüme? Ich war jedenfalls hingerissen von diesen außerirdischen Besuchern im Günztal …

Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Außerirdischer Besucher
Faschingsumzug Obergünzburg 2019 - Außerirdische Besucherin

Damit ihr euch ein noch besseres Bild vom Faschingsumzug Obergünzburg 2019 machen könnt, habe ich euch ein kleines Video mitgebracht. Die Tonspur ist extra leise gehalten, damit es keine urheberrechtlichen Probleme wegen der Musik gibt.

Falls ihr euch für die Obergünzburger Faschingsumzüge der letzten Jahre oder für andere Themen rund um die närrische Zeit im Allgäu interessiert, empfehle ich euch meinen Sammelpost zum Fasching im Allgäu.

Faschingsumzug Obergünzburg 2019
Wanderung über den Römerweg zum Auerberg im Winter

Wanderung über den Römerweg zum Auerberg

Nicht umsonst nutzten vermutlich schon die Römer ihn als Aussichtsposten: Der Auerberg liegt prominent vor den Alpen und bietet bei klarem Wetter eine tolle Aussicht. In diesem sonnigen Februar war mir nach ausgiebigem Wandern mit Sonne und Panorama zumute, deswegen habe ich mich für den etwas längeren Römerweg zum Auerberg entschieden.

Der Römerweg zum Auerberg beginnt in Stötten

Ausgangspunkt unserer Wanderung über den Römerweg zum Auerberg war der Parkplatz vor der Kirche St. Peter und Paul in Stötten.

Kirche St Peter und Paul in Stötten am Auerberg

Von dort geht man ein Stück über die Dorfstraße nach Süden. Dort findet sich die ersten Wegweiser zum Römerweg.

Hinweisschild zum Römerweg in Stötten

Am Dorfrand geht es hinauf, der Sonne entgegen.

Beginn des Römerwegs in Stötten

Der Weg ist teilweise planiert, teilweise gut ausgetreten. Er war auch ohne Schneeschuhe gut zu gehen.

auf dem Römerweg zum Auerberg

An dieser Stelle zweigt der Römerweg nach links in den Wald ab; darauf weisen gleich zwei Hinweisschilder auf dem Schuppen hin

Abzweigung auf dem Römerweg zum Auerberg

Ab hier geht es weiter bergan, durch den Wald, …

auf dem Römerweg zum Auerberg im Winter

oder am Waldrand entlang.

auf dem verschneiten Römerweg zum Auerberg

Ab hier bieten sich immer wieder schöne Panoramablicke.

Panoramablick vom Römerweg am Auerberg

Dann mäandert der Römerweg wieder am Waldrand entlang.

im Winter auf dem Römerweg zum Auerberg unterwegs

Die Kuppe, die man auf dem obigen Bild rechts oben sieht, ist das Buffernandl, ein Aussichtspunkt. Um ihn zu erreichen, folgen wir dem Waldrand und biegen dann nach links ab, um die Kuppe zu ersteigen.

Weg zum Buffernandl auf dem Auerberg

Vom Buffernandl, das von einem Holzkreuz gekrönt ist, hat man tatsächlich eine prächtige Aussicht auf die Berge:

Panoramablick vom Aussichtspunkt Buffernandl auf dem Auerberg

Von dort sind es nur noch ein paar Minuten zum Gipfel des Auerbergs.

auf dem Römerweg zum Gipfel des Auerbergs

Das ist der Gipfel!

Ganz oben thront in 1.053 m ü. N. N. das Wallfahrtskirchlein St. Georg. Direkt darunter befindet sich der Panorama-Gasthof auf dem Auerberg. Wir wären dort gerne eingekehrt, aber er hatte noch Winterferien. (Mann und Tochter meckerten natürlich, dass eine Reisebloggerin und -journalistin das vorab hätte recherchieren müssen. Leider hatten sie recht. Mea culpa!).

Kirche und Gaststätte auf dem Auerberg

Nach ziemlich genau eineinhalb Stunden Gehzeit ist der Gipfel des Auerbergs erreicht.

Kirche St Georg auf dem Auerberg

Leider hatte bei unserem Besuch auch St. Georg geschlossen. Dabei ist das Kirchlein innen sehr hübsch. Außerdem kann man über den Turm zu einer Aussichtsplattform aufsteigen, von der aus man einen spektakulären Blick in die Alpen hat. Die Plattform wurde komplett erneuert und wird ab dem Frühjahr 2019 wieder begehbar sein. Das solltet ihr euch bei einem Besuch auf dem Auerberg nicht entgehen lassen!

Da wir nicht genau denselben Weg zurückgehen wollten, gingen wir erst ein Stückchen die Straße hinunter und bogen unterhalb von St. Georg rechts ab

Beginn des Wegs vom Auerberg nach Stötten

Der Weg führt nach rechts den Auerberg hinunter, bis man kurz vor den Weilern Geisenhofen und Hofstatt den Wald verlässt.

Blick auf Geisenhofen und Hofstatt

Danach trifft man auf einen Feldweg, der in einem weiten Bogen nach links führt. Bei unserer Winterwanderung war er durch eine Traktorspur erkennbar. Zum Gehen war sie nicht ganz so gut, hier hätte ich mir doch Schneeschuhe gewünscht.

Feldweg vom Auerberg nach Stötten im Winter

Der Feldweg führt weiter nach links und ein Stückchen bergauf, bis man im Wald wieder auf den Römerweg trifft. Die Wegkreuzung ist beschildert und der Römerweg nicht zu verfehlen. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Parkplatz in Stötten wieder erreicht. Da wir nach rund 3 Stunden Gehzeit ziemlich hungrig waren, kehrten wir ausgiebig im Landgasthof Sonne ein. Nachmittags gibt es dort kleine Brotzeiten und Kuchen, die uns sehr gemundet haben.

Fazit zu unserer Wanderung über den Römerweg zum Auerberg

  • Die einfache Strecke von Stötten bis zum Auerberg-Gipfel beträgt etwa 4,5 km.
  • Mit unserer Runde um den Gipfel herum kamen wir auf eine Gesamtstrecke von 10 km.
  • Es sind etwa 390 m Höhendifferenz nach oben (und natürlich auch wieder nach unten) zu überwinden. Es ist also keine sehr anstrengende Wanderung, aber schon deutlich mehr als ein Spaziergang.
  • Die gesamte Gehzeit für die beschriebene Strecke beträgt etwa 3 1/4 Stunden.
Wanderung über den Römerweg zum Auerberg #allgäu


Falls ihr euch für weitere Wege auf den Auerberg interessiert, empfehle ich euch meinen Post zum Aufstieg auf den Auerberg von Salchenried aus. Falls euch der Sinn nach einer anderen, wenig anstrengenden Winterwanderung steht, interessiert euch vielleicht mein Post über die kleine Wanderung über die Kurfürstenallee bei Marktoberdorf im Winter.

traditionelle Schalengge mit Heu beladen auf dem Schalenggenrennen Pfronten

Riesen-Faschingsgaudi: das Schalenggenrennen Pfronten

Wenn am Faschingssamstag genügend Schnee liegt, findet das Schalenggenrennen Pfronten statt, und das schon seit 1979. 2018 habe ich mir das Rennen zum ersten Mal angesehen und mich dabei königlich amüsiert. Was die Pfrontener da auf die Beine stellen, knüpft an eine alte Tradition an, fördert das Gemeinschaftsgefühl, ist touristisch lohnend und überhaupt eine Riesengaudi. Mein Kompliment an den Kappeler Schalengger-Verein, der das Ganze ausrichtet.

Vielleicht sollte ich aber zunächst erklären, worum es dabei überhaupt geht: Eine Schalengge (ausgesprochen wird das Wort als Schaleng-ke) ist ein Hörnerschlitten. Den haben die Bauern früher benutzt, um im Winter Feuerholz und Heu von den Bergweiden ins Tal zu bringen. Das war eine anstrengende Arbeit, denn zunächst musste man ja durch den tiefen Schnee bergan stapfen und den großen Schlitten hinaufziehen und -schieben. Wenn er dann voll beladen war, kam der lustigere Teil: Man schlitterte mit der ganzen Fuhre zurück ins Tal. Das war allerdings auch schweißtreibend und nicht ungefährlich, denn besonders gut steuern lässt sich eine Schalengge nicht.

An diese alte Tradition wollten die Pfrontener anknüpfen, als sie 1977 die Idee hatten, ein Schalenggenrennen abzuhalten. Ein paar Männer, die beim ersten Rennen 1979 schon dabei waren, sind auch beim 31. Rennen im Jahr 2018 noch mitgefahren und haben traditionelle Schalenggen gesteuert. Beeindruckend!

So geht es zu beim Schalenggenrennen Pfronten

Gefahren wird über eine etwa 1 km lange Piste am Hündeleskopf-Hang in Pfronten-Kappel. 2018 gingen 155 Zweier-Teams an den Start, darunter fuhren zehn mit traditionellen Schalenggen, der Rest mit moderneren Hörnerschlitten. Die Starter kommen übrigens keineswegs alle aus Pfronten, sondern auch aus der näheren und weiteren Umgebung. Viele Teams kleiden sich ebenfalls taditionell, andere lustig bis abenteuerlich. Klar, es ist ja auch Fasching.

Zunächst gilt es, den Schlitten bis zum Startpunkt hinaufzuziehen …

Schalenggenrennen Pfronten - Team 60 beim Aufstieg

oder zu tragen.

Schalenggenrennen Pfronten - Team 33 beim Aufstieg

Die ersten Schaulustigen sind auch schon da, und so wandert eine ganze Karawane bergan.

Schalenggenrennen Pfronten 2018 - Team 75 beim Aufstieg

Aber man kann zwischendrin ja auch mal verschnaufen.

Schalenggenrennen Pfronten 2018 - zünftige Teilnehmer vor dem Rennen

Den ersten Teil des Rennens haben wir von der Mitte der Strecke aus beobachtet. Hier gibt es einen leichten Absatz, auf man die Rodler in ihren unterschiedlichen Gewandungen und Rodelstilen aus der Nähe betrachten konnte.

Schalenggenrennen Pfronten - der mittlere Abschnitt der Rodelstrecke

Auf dem Eröffnungsschlitten fährt auch die jeweilige Pfrontener Heuköngin mit, schließlich ist sie touristisch ebenfalls bedeutsam. So ganz wohl schien ihr bei der Sache allerdings nicht zu sein …

Schalenggenrennen Pfronten - die Heukönigin bei der ersten Abfahrt


Und dann ging es richtig ab …

Jedes Team hat seinen individuellen Rodelstil

Bei manchen staubt es nur so …

Voller Einsatz beim Schalenggenrennen

Andere lassen es etwas bäriger angehen:

Rodelbären beim Schalenggenrennen

Der Fahrer sitzt normalerweise, der Helfer (allgäuerisch: Healfar) liegt aber manchmal auch, damit er besser mitsteuern und -bremsen kann.

Schalenggenrennen - Team mit liegendem Beifahrer

Manchmal muss der Helfer auch schieben.

Schalenggenrennen - Team mit kniendem Beifahrer

Gut festhalten ist auf jedem Fall angesagt, …

Schalenggenrennen Pfronten 2018 - Team 17 voll im Einsatz

… auch für den Fahrer.

wilde Rodler im vollen Einsatz beim Schalenggenrennen in Pfronten 2018

Anschließend sind wir weiter hinauf gegangen, näher an die Stelle, wo die Schalenggen aus dem Wald herauskommen und über den Weg fahren, der sich als Schanze erweist.

An der Rodelstrecke beim Schalenggenrennen Pfronten

Spektakultäre Rodeltechniken an der Schanze

Einige Teams waren ganz schön schnell (der Tagessieger brauchte 2018 übrigens nur 47 Sekunden für die ganze Strecke). An der Schanze muss man aber schon aufpassen …

rasendes Rodelteam beim Schalenggenrennen Pfronten
packender Moment beim Schalenggenrennen Pfronten
abhebender Hörnerschlitten

Manch einer hat die Schanze auch etwas zu schnell genommen. Dann steigt er halt wieder auf.

Wiederaufsteigen beim Schlittenrennen

Echte Schalenggar setzen den Weg ins Tal selbst dann fort, wenn sie engültig abgestiegen sind und nur einen Teil des Schlittens ins Ziel bringen können:

Mann mit Horn eines zerbrochenen Hörnerschlittens

Da gilt es schon noch ein Stückchen zu wandern …

Blick talabwärts über die Rodelstrecke beim Schalenggenrennen Pfronten

Authentisch und schön: die traditionellen Schalenggen

Mir persönlich gefallen die traditionellen Gefährte besonders gut. Sie treten beim Schalenggenrennen Pfronten unter dem Namen Originalar an. Die erste originale Schalengge wurde von einem Damenteam gesteuert. Die hintere der beiden Fahrerinnen ist übrigens Michaela Waldmann, die erste Bürgermeisterin von Pfronten. Pfronten hat eben auch Frauenpower!

Damenteam mit traditioneller Schalengge beim Hörnerschlittenrennen Pfronten

Hier seht ihr, wie man Brennholz auf einer Schalengge transportiert. Wegen des höheren Gewichts wird es nicht so hoch aufgestapelt:

Hörnerschlitten mit Brennholz beladen

Der Helfer kann auf einer traditionellen Schalengge stehen.

Schalengge mit Brennholz von hinten

Es sei denn natürlich, er hat sich auf der Schanze nicht gut genug festgehalten. Dann muss der Fahrer eben anhalten und warten, bis das Team wieder komplett ist und seine Fahrt fortsetzen kann …

kleine Wartepause beim Schalenggenrennen Pfronten
joggender Helfer beim Hörnerschlittenrennen

Den letzten Teil des Hörnerschlittenrennens haben wir uns vom Zielbereich aus angesehen.

Die Tücken der Zielgeraden

Auch das letzte Stück der Rodelstrecke hat so seine Tücken.

unterer Teil der Rodelstrecke beim Schalenggenrennen Pfronten

Immerhin ist der Zielbereich gut gepolstert.

Zielbereich der Rodelstrecke beim Hörnerschlittenrennen Pfronten

Das muss er aber auch sein, denn kurz vor dem Ziel geht es noch rasant zur Sache.

drei auf der Zielgeraden beim Schalenggenrennen Pfronten
Endspurt beim Schalenggenrennen Pfronten
abheben beim Schalenggenrennen Pfronten

Am Ende sind aber die meisten doch recht sanft gelandet …

sanfte Landung beim Schalenggenrennen Pfronten

Jedenfalls diejenigen, die es mitsamt dem Schlitten bis ins Ziel geschafft haben.

spektakuläre Zieleinfahrt beim Schalenggenrennen Pfronten

Damit ihr einen noch besseren Eindruck davon bekommt, wie wild und lustig es beim Schalenggenrennen Pfronten zugeht, habe ich euch auch ein kleines Video mitgebracht:

Ich habe es oben ja schon geschrieben: Das war wirklich eine Riesengaudi! Wenn ihr am Faschingssamstag im Allgäu seid und genug Schnee liegt, solltet ihr die auf keinen Fall verpassen.

Faschingsgaudi im Allgäu - das Schalenggenrennen Pfronten

Falls Ihr euch für weitere Faschingsveranstaltungen im Allgäu interessiert, empfehle ich euch auch meinen Post Fasching im Allgäu – Brauchtum, Umzüge und andere Events. Für den Fall, dass ihr beim Rodeln nicht nur zuschauen, sondern auch selbst auf einen Schlitten steigen wollt, dürfte euch mein Best-of-Post Schlittenfahren im Allgäu: unsere besten Rodeltouren interessieren.

Winterwanderweg zur Alpe Sonthofer Hof bei Sonthofen

Winterwanderung zur Alpe Sonthofer Hof mit dem Schlitten

Zur Alpe Sonthofer Hof führt vom Ortsteil Altstädten aus ein Weg, der im Winter planiert wird. Man kann also auch ohne Schneeschuhe hinaufwandern. Wer mag, kann den Schlitten mitnehmen. Die Alpe wird an den Winterwochenenden vom Skiclub Sonthofen bewirtschaftet.

Von Altstädten zur Alpe Sonthofer Hof

Wie haben am südöstlichen Ortsausgang von Altstädten geparkt (47°29’01.4″N 10°17’22.3″E). Von dort führt eine Straße bergan, die bis zu einem Bauernhof geräumt ist. Die ersten 200 m muss man den Schlitten also tragen.

Anfang des Wanderwegs von Altstädten zur Alpe Sonthofer Hof

Danach wandelt sich die Straße zu einem richtigen Winterwanderweg, der zunächst durch den Wald führt.

Winterwanderweg bei Altstädten im Allgäu

Dann windet er sich in Kurven bergan …

Wanderweg zur Alpe Sonthofer Hof im Winter

und gibt den Blick auf ein herrliches Winterpanorama frei. Hier sehr ihr die Gipfel der Sonnenköpfe:

Die Sonnenköpfe bei Sonthofen im Winter

Kurz darauf eröffnet sich ein fantastischer Ausblick auf die Allgäuer Hochalpen:

winterliches Bergpanorama bei Sonthofen

Danach kommt ein etwas flacheres Wegstück (auf dem Rückweg haben wir die Schlitten auf diesem Stück gezogen.)

Winterwanderweg zur Alpe Sonthofer Hof

Zur Linken kommt dann der Grünten in den Blick – er ist wirklich aus jeder Perspektive ein Hingucker:

Der Grünten im Winter

Nach einem weiteren Anstieg durch den Wald …

Winterwald mit Brücke

kommt die Alpe Sonthofer Hof in Sicht (der Gipfel hinter ihr ist das Sonthofer Hörnle).

Alpe Sonthofer Hof und Sonthofer Hörnle im Winter

Nach einem letzten kurzen Anstieg ist die Alpe ereicht.

die Alpe Sonthofer Hof im Schnee

Ich habe gleich mal den Schlitten geparkt und mir drinnen ein großes Stück Kuchen bestellt.

Schlitten vor der Alpe Sonthofer Hof im Winter

Die Stube ist einfach und klein, aber sehr warm und gemütlich. Nach der Pause konnte ich den Blick ins Tal erst richtig genießen.

Blick auf Sonthofen im Winter

Und dann kam der beste Teil: Auf zum Rodeln!

Schlitten vor der Abfahrt

Man kann zwar nicht die ganzen 4 km am Stück rodeln, aber dafür bleibt zwischendrin noch Zeit, um die wunderschöne Winterlandschaft bewusst zu genießen.

Winterlandschaft in den Allgäuer Alpen

Ich habe die Wander-und-Rodel-Tour zur Alpe Sonthofer Hof sehr genossen und empfehle sie gern weiter.

Info

  • Der Weg vom Parkplatz bis zur Alpe Sonthofer Hof ist ziemlich genau 4 km lang.
  • Der Aufstieg dauert etwa 1,5 Stunden.
  • Die Alpe liegt auf 1141 m, es sind etwa 360 Höhenmeter zu bewältigen.
  • Für die Abfahrt mit dem Schlitten haben wir (mit einem Stück zu gehen und etwas Zeit zum Fotografieren zwischendrin) eine knappe halbe Stunde gebraucht.
  • Die Alpe ist im Winter nur Samstag und Sonntag bewirtschaftet.
Rodeln von der Alpe Sonthofer Hof

Falls ihr euch für weitere Winterwanderungen im Allgäu interessiert, empfehle ich euch meinen Post zu unseren besten Rodeltouren.

Schönstes Foto - die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau im Winter

Meine schönsten Allgäu-Bilder 2018-2 #FopaNet

Grundsätzlich versuche ich natürlich immer, euch nur meine schönsten Allgäu-Bilder zu zeigen. Aber wenn Michael von Erkunde die Welt zur halbjährlichen Fotoparade unter dem #FopaNet aufruft, sehe ich meine Fotos ganz besonders kritisch durch. Allerdings nach anderen Gesichtspunkten als sonst, denn für die Fotoparade gilt es, passende Bilder zu den vorgegebenen Kategorien zu finden. Das macht mir jedes Mal viel Freude. Ich hoffe, es geht euch beim Anschauen der Bilder auch so.

Meine schönsten Allgäu-Bilder aus dem 2. Halbjahr 2018

Für die Kategorie „schönstes Foto“ habe ich das Titelfoto zu diesem Beitrag ausgewählt. Es ist kurz nach Weihnachten entstanden, an einem herrlichen Frosttag. Zum Motiv muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen, denn die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau sind weltberühmt. Sie gehören garantiert zu den meistfotografierten Motiven in ganz Bayern. Aus dieser Perspektive (vom Schwanseepark aus) und zu dieser Jahreszeit finde ich sie aber ganz besonders schön.

Abstrakt

Hm, gar nicht so einfach, in meinem sehr konkreten Allgäu ein abstraktes Motiv zu finden. Aber dann fiel mir der Besinnungsweg GE(h)ZEITEN bei Nesselwang ein, den ich an einem herrlichen Oktobertag gegangen bin. Dort stand die Welt innerhalb eines abstrakten Ornaments Kopf.

#FopaNet Abstrakt - Blick durch die Glaskugel

Genau genommen handelt es sich um eine Station am Besinnungsweg, bei der man durch eine Glaskugel blickt. Die Landschaft, die ihr in der Kugel gespiegelt seht, sah ich hinter der Säule mit der Kugel richtig herum. Ist das nicht ein hübscher Effekt?

Aussicht

Das ist im Grunde eine einfache Kategorie, wenn man Allgäu-Bilder postet. Denn hier gibt es unzählige Orte, von denen aus man eine fantastische Aussicht hat. Aber dann versucht mal, daraus die beste auszuwählen. Sehr schwierig! Am Ende habe ich mich für eine typische Aussicht entschieden: Hier seht ihr vom Panoramaweg am Ofterschwanger Horn auf den Grünten, den „Wächter des Allgäus“. Er heißt so, weil er allein vor den Allgäuer Alpen steht, gewissermaßen als Wächter am Eingang zum Bilderbuch-Allgäu.

Aussicht - vom Ofterschwanger Horn auf Sonthofen und den Grünten #FopaNet 2018-2

Krasse Sache

Tja, dieses Jahr war ich zum ersten Mal bei Börwang brennt, einem Krampus- und Perchtenlauf, der alle vier Jahre Ende November stattfindet. Das ist ein Riesenspektakel, bei dem gruselige Gestalten im roten Feuerschein durch das Dorf ziehen. Ursprünglich sollten die Krampusse und Perchten böse Wintergeister vertreiben. Wenn man sie ansieht, glaubt man sofort, dass das funktioniert. Leider waren sie sehr schwer zu fotografieren, aber mit diesem Bild kann ich euch hoffentlich davon überzeugen, dass es sich bei dieser Veranstaltung wirklich um eine krasse Sache handelt.

furchterregender Krampus bei Börwang brennt - Krasse Sache

Falls ihr mehr davon sehen wollt: Hier geht es zu meinem Post über Börwang brennt 2018.

Landschaft

Landschaft gibt es im Allgäu ebenfalls reichlich. Ich habe für die Fotoparade ein Bild herausgesucht, das eine eher unspetakuläre Landschaft östlich von Oy-Mittelberg zeigt. Es ist an einem frostkalten Novembertag entstanden, an dem sich die Sonne nach und nach durch die Nebelschwaden kämpfte und schließlich triumphierte. Ich konnte mich nicht sattsehen …

Landschaft - winterliche Nebel-Sonne-Szene im Ostallgäu #FopaNet

Rot

Dazu ist mir sofort ein Bild eingefallen. Rot sind die Hagebutten, die noch an den Heckenrosenbüschen hängen. Dazu ein blauer Himmel und etwas Raureif, dann sind die roten Früchtchen perfekt in Szene gesetzt.

Rot - geeiste Hagebutten #FopaNet

Und dann fiel mir noch ein zweites Motiv ein: Ende Oktober hatten wir einen kleinen Wintereinbruch. Wir haben einen Spaziergang bei Ofterschwang gemacht, uns über den ersten Schnee gefreut und sind dann an der Hochbichlhütte vorbeigekommen. Dort war man vom Schnee offensichtlich völlig überrascht worden, jedenfalls erwarteten uns dort diese etwas verdutzt wirkenden Gummitiere: Rot auf Weiß.

Tierisch

Gut, dass ich für diese Kategorie ein Kuhfoto ausgesucht habe, ist natürlich nicht sehr originell. Aber es geht hier schließlich um Allgäu-Bilder, da gehört ein Kuhfoto einfach dazu. Oder zwei. Das erste ist eine etwas skeptisch blickende Wiederkäuerin, der ich im November auf einer Weide bei Ottobeuren begegnet bin. Ich mochte sie auf Anhieb.

Tierisch - skeptische Kuh #FopaNet

Kühe, insbesondere Jungtiere (Schumpen) treten bekanntlich häufig in Herden auf. Besonders malerisch ist das beim Almabtrieb, der im Allgäu Viehscheid heißt und im September stattfindet. Dieses Jahr habe ich den Viehscheid in Bolsterlang besucht und war sehr angetan. Dabei habe ich dieses zünftige Foto von kräftigen Allgäuer Burschen und ihrer Herde geschossen.

Tierisch - Viehscheid in Bolsterlang #FopaNet

Zu meinem Post über den Viehscheid in Bolsterlang geht es hier. Da ist sogar ein kleines Video dabei.

Haben euch meine Allgäu-Bilder gefallen? Welches mögt ihr am liebsten? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Meine schönsten Allgäu-Bilder aus dem 2. Halbjahr 2018 - Fotoparade #FopaNet 2018-2

Wie immer habe ich mir auch die Beiträge der anderen Teilnehmer an der Fotoparade angesehen.

Einige davon möchte ich euch ans Herz legen, nämlich diejenigen, die besonders schöne Fotos aus Deutschland zeigen:

Cornelia von Silver Travallers hat wundervolle Aufnahmen aus Ost- und Norddeutschland zusammengestellt.

Miriam und Johannes von northstarchronichles.de haben Hamburg und das Alte Land fotografisch liebevoll in Szene gesetzt.

Andreas von reisewut.com präsentiert unglaublich schöne Landschaftsbilder aus der Umgebung von Recklinghausen. Seine Pferdefotos sind auch toll.

Aurorawillwandern ist wörtlich zu verstehen, denn Aurora hat lauter sehenswerte Landschaftsaufnahmen von ihren Wanderungen auf dem AhrSteig und dem Saar-Hunsrück-Steig zusammengestellt.die schönsten Seiten vom

Herbb von servus-servus.de ist um seinen Arbeitsweg in der Nähe von Augsburg nur zu beneiden: Von dort hat er sagenhaft schöne Tier- und Landschaftsaufnahmen mitgebracht. Am besten gefällt mir aber seine abstrakte Aufnahme – seht sie euch selbst an!

Björn hat tolle Aufnahmen von seinen bergtouren-im-allgaeu.de herausgesucht. Ein außergewöhnliches Steinbock-Portrait ist auch dabei.

In Sophias Welt dreht sich alles um nachhaltiges Reisen, was ich sehr sympathisch finde. Sie hat wunderbare Fotos aus Bayern für die Fotoparade ausgewählt.

Anne war am Ammersee, in Oberschwaben und im Allgäu unterwegs. Eines der besten Kuhfotos, die ich seit langem gesehen habe, zeigt sie auf anne-art.com.

Winterwanderung zum Rodeln von der Kappeler Alp

Endlich richtig Schnee in den Weihnachtsferien – da haben wir gleich unsere Schlitten eingepackt und sind nach Pfronten gefahren, zum Rodeln von der Kappeler Alp. Vor dem Rodeln kommt natürlich der Aufstieg, das Ganze ist also eine zünftige Winterwanderung.

Auf die Kappeler Alp führen mehrere Wege. Wir haben uns für den Aufstieg von Pfronten-Kappel aus entschieden. Dieser Weg ist ca. 4 km lang und führt von rund 850 m ü. N. N. bis auf 1.350 m. Ihr solltet etwa 1,5 Std. Gehzeit dafür einplanen. Falls ihr mit der Familie unterwegs seid: Ich empfehle die Strecke für normal fitte Kinder ab etwa 10 Jahren.

Winterwanderung auf die Kappeler Alp bei Pfronten

Startpunkt ist der Weg, der am Steinbach entlang zum Waldseilgarten und Bogenparcours Höllschlucht führt (47°36’26.7″N 10°32’13.0″E).

Startpunkt der Wanderung auf die Kappeler Alp bei Pfronten

Man überquert die hölzerne Fußgängerbrücke …

Holzbrücke in Pfronten-Kappel

und folgt dem Weg nach oben. Nachdem ihr Teile des Waldseilgartens passiert habt, landet ihr auf einer Forststraße, die tüchtig bergan führt.

Weg zur Hündeleskopfhütte im Winter

Beim Aufsteigen solltet ihr euch (je nach Tageszeit) an einer Seite halten und hintereinander gehen, denn es kommen immer wieder Rodler von oben heruntergefahren.

Nach einer durchaus schweißtreibenden guten halben Stunde kommt ihr an diese Weggabelung. Links geht es zur Hündeleskopfhütte, die in etwa 10 Gehminuten zu erreichen ist. Sie ist übrigens die erste vegetarische Hütte im Allgäu, mir schmeckt es dort immer sehr gut.

Abzweigung zur Hündeleskopfhütte bei Pfronten

Aber wir wollten diesmal ja zur Kappeler Alp und sind deswegen dem rechten Weg gefolgt. Er ist zunächst ein wenig flacher, was nach dem Anstieg über rund 250 Höhenmeter recht angenehm ist. (Beim Rodeln von der Kappeler Alp gibt es deswegen ein Stück, wo man absteigen und den Schlitten wieder ziehen muss.)

Winterwanderweg zur Kappeler Alp

Am Schluss geht es aber nochmals tüchtig bergauf,

Aufstieg zur Kappeler Alp im Schneetreiben

was es ja muss, nachdem noch weitere 250 Höhenmeter zu bewältigen sind. Nach ein paar Serpentinen kommt dann endlich die ersehnte Hütte in Sicht.

Die Kappeler Alp bei Pfronten im Winter

An klaren Tagen hätten wir zuerst die Aussicht bewundert. Im dichten Schneetreiben war es mit der Aussicht aber nicht sehr weit her, also parkten wir unsere Schlitten …

Schlitten vor der Kappeler Alp

und schlüpften dann gleich in die warme Gaststube. Es gibt sogar zwei Stuben, wir saßen in der kleineren der beiden.

Gaststube in der Kappeler Alp bei Pfronten

Nach eineinhalb Stunden Aufstieg durch den Schnee hatten wir ordentlich Hunger. Glücklicherweise konnte uns geholfen werden:

Schnitzel mit Kartoffelsalat in der Kappeler Alp

Nach dem Essen machte der Schneefall eine kleine Pause. Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns, dass es von dort doch eine Aussicht gibt.

Blick aus der Gaststube der Kappeler Alp im Winter

Und was für eine!

Winterlandschaft zu Füßen der Kappeler Alp bei Pfronten

Aber wir waren ja zum Rodeln von der Kappeler Alp gekommen. Also zogen wir die Handschuhe wieder an und holten die Schlitten.

Los geht’s zum Rodeln von der Kappeler Alp!

Da ich weder mit Stirnkamera noch mit Drohne unterwegs bin, sondern nur mit einer Kamera, kann ich beim Rodeln selbst nicht fotografieren oder filmen. Also habe ich euch ein kleines Video zusammengeschnitten, das unsere drei Versuchsjugendlichen beim Rodeln von der Kappeler Alp bis hinunter nach Pfronten-Kappel zeigt. Erst wollte ich Musik darüberlegen, aber dann fand ich das Fauchen des Windes so beeindruckend, dass ich es euch nicht vorenthalten wollte. Die Abfahrt dauert insgesamt etwa 20 Minuten (mit Gehpause) und macht richtig viel Spaß.

Falls ihr euch für weitere Rodelausflüge interessiert, empfehle ich euch meinen Post Schlittenfahren im Allgäu: unsere besten Rodeltouren. Bei Pfronten liegt übrigens die längste Rodelstrecke des Allgäus, nämlich die am Breitenberg. Sehr schön ist auch eine Winterwanderung zur Gundhütte, zu der man von Pfronten-Röfleuten aus startet. Dort war ich natürlich ebenfalls mit dem Schlitten, sie ist aber auch als Schneeschuhwanderung empfehlenswert.

Winterwanderung zum Rodeln von der Kappeler Alp bei Pfronten im Allgäu


Festliche Weihnachtsdekoration in der Krippenstadt Mindelheim

Bezaubernde Weihnachtszeit in der Krippenstadt Mindelheim

Die Unterallgäuer Kreisstadt ist nicht nur als Ort des Frundsbergfests bekannt, sondern auch als Krippenstadt Mindelheim. Sie hat auch überzeugende Gründe, sich mit diesem Beinamen zu schmücken: Zum einen sind in der Weihnachtszeit vom ersten Advent bis Mariä Lichtmess am 2. Februar tatsächlich mehrere ungewöhnliche Krippen in den Kirchen der Stadt zu sehen. Zum anderen hat ganzjährig ein eigenes Krippenmuseum geöffnet. Ich persönlich finde zudem, dass der Festschmuck, den die Stadt im Advent anlegt, ganz besonders hübsch ist. Mindelheim ist eigentlich immer einen Besuch wert, aber zur Weihnachtszeit ganz besonders.

Weihnachtliches Mindelheim

Die Innenstadt mit ihren barocken Fassaden leuchtet im Advent festlich und ist zur blauen Stunde absolut bezaubernd.

adventlich geschmücktes Mindelheim

Die Lichtergirlanden sind ein bisschen nostalgisch angehaucht.

Engel in Lichtergirlande

festliche Weihnachtsbeleuchtung in Mindelheim

Der Marienplatz strahlt regelrecht im Lichterglanz.

Der Mindelheimer Marienplatz zur Weihnachtszeit

Rund um die Pfarrkirche St. Stefan findet um das zweite und dritte Adventswochenende (jeweils von Donnerstag bis Sonntag) ein Weihnachtsmarkt statt. Dort bieten neben den üblichen Händlern auch einige Vereine Selbstgemachtes an, es gibt ein Kinderkarussell, eine kleine Bühne für Livemusik und einen Wagen, in dem man sich eine biblische Geschichte erzählen lassen kann.

Eingang zum Weihnachtsmarkt Mindelheim

Weihnachtsmarkt Mindelheim

Blick auf den Weihnachtsmarkt Mindelheim

Es ist ein netter kleiner Weihnachtsmarkt, der nichts touristisch Aufgebrezeltes hat, sondern wirklich ein Treffpunkt der Einheimischen ist. Sehr sympathisch!

Eine Entdeckerrunde durch die Krippenstadt Mindelheim

Das Kulturamt der Stadt Mindelheim bietet in der Weihnachtszeit spezielle Krippenführungen an. Ich habe an einer teilgenommen und dabei fleißig fotografiert, damit ich euch davon möglichst viel zeigen kann:

Vielfältig: Die Krippe aus Klosterwald in der Pfarrkirche St. Stephan

Die Kirche St. Stephan birgt in ihrem Vorraum die so genannte Klosterwald-Krippe. Sie heißt so, weil sie ab 1938 in der Schule der „Englischen Fräulein“ in Klosterwald bei Ottobeuren ausgestellt wurde. Die ältesten Figuren aus dieser Krippe stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Klosterwald-Krippe in St. Stephan Mindelheim

Es ist eine ziemlich große Krippe mit insgesamt etwa 160 Figuren. Neben der Geburt Jesu werden mehrere weitere alt- und neutestamentliche Szenen gezeigt, von der Opferung Isaaks bis zur Hochzeit von Kanaa. Dieser letzte Teil findet allerdings in St. Stephan keinen Platz, weswegen er in der Jesuitenkirche ausgestellt wird. Aber werfen wir zunächst noch einen Blick auf die Klosterwald-Krippe.

Hier seht ihr David (links) und den von ihm bereits „umgelegten“ Goliath. Die übrigen Krieger der Philister blicken aus verständlichen Gründen recht grimmig drein.

David und Goliath in der Krippe aus Klosterwald

Das Herzstück der Krippe ist zugleich das älteste:

Herzstück der Klosterwald-Krippe in Mindelheim (2)

Die Wachsgesichter der Engel sollen noch aus der Biedermeierzeit stammen.

Biedermeier-Engel

Immer sehenswert: die Spitalkrippe

Sie befindet sich an einem eher ungewöhnlichen Ort, nämlich in der Mitte der Parkhaus-Passage in Mindelheim.

Eingang zur Parkhaus-Passage in Mindelheim

Das liegt daran, dass hier früher das Heilig-Geist-Spital lag. Die Krippe ist (fast) das ganze Jahr über zu sehen. Dabei wechseln die gezeigten Szenen immer mal wieder.

Die Spitalkrippe in der Krippenstadt Mindelheim

Ihr müsst in der Passage aufmerksam sein, denn die Krippe liegt recht dunkel. Vor der Scheibe ist ein Einwurfschlitz. Wenn ihr dort eine kleine Münze einwerft – 5 oder 10 Cent reichen – geht das Licht an und die Spieluhr mit dem segnenden Jesuskind beginnt ihren Lauf zur Melodie von Ihr Kinderlein kommet. Die Spieluhr ist rund 100 Jahre alt und ganz reizend. Ich habe euch davon ein kleines Video mitgebracht:

Original aus Mindelheim: die Weihnachtsszene in der Liebfrauenkapelle

Die Liebfrauenkapelle liegt etwas außerhalb der Mindelheimer Altstadt. Das kommt daher, dass sie zum früheren Leprosenhaus gehört, dessen Fassade ihr hinter der Kapelle sehen könnt. Dort wurden Menschen mit ansteckenden Krankheiten gepflegt; sie konnten über einen Balkon an den Gottesdiensten in der Kapelle teilnehmen.

Die Liebfrauenkapelle in Mindelheim - Außenansicht

Die Kapelle wurde bereits 1360 erbaut, um 1650 barockisiert und 1725 dann im Rokokostil umgestaltet. Aus der Barockzeit um 1645 stammt die Weihnachtsszene des Mindelheimer Bildhauers Georg Schenk.

frühbarocke Krippenszene in der Liebfrauenkapelle Mindelheim

Die Hirten sehen sympathischerweise wie echte Allgäuer aus. Der Heilige Franziskus, der links kniend zu sehen ist, wird in der biblischen Weihnachtsgeschichte natürlich nicht erwähnt. Der Künstler fand aber wohl, dass er gut dazu passe: Schließlich gehen die szenischen Darstellungen von Jesu Geburt und als Folge auch die Krippen auf den Heiligen zurück.

Frühbarocke Krippe in der Mindelheimer Liebfrauenkapelle

Einen nicht-weihnachtlichen Blick solltet ihr auch auf die spätbarocke Bildtafel weiter links an der Kapellenwand werfen, die sogenannte Mindelheimer Sippe. Sie zeigt eine Personengruppe, in deren Zentrum die Anna selbdritt (Maria und ihre Mutter Anna mit dem Jesuskind) steht. Die Figuren tragen alle die Mode ihrer Zeit, an der man sich heute bei der Ausstaffierung der entsprechenden Darsteller beim historischen Frundsbergfest Mindelheim orientiert.

Die Mindelheimer Sippe in der Liebfrauenkapelle

Highlight: Die Großkrippe in der Jesuitenkirche

Die buchstäblich größte Krippe in der Krippenstadt Mindelheim ist die ebenfalls barocke Großkrippe, die alljährlich in der Jesuitenkirche aufgebaut wird. Sie war früher wohl noch viel größer, umfasst aber heute immer noch um die 80 lebensgroße Figuren. Sie werden auf der rechten Chorseite im Altarraum aufgebaut.

barocke Großkrippe in der Jesuitenkirche Mindelheim

Mir gefällt die etwas vollschlanke Maria mit ihrem ungewöhnlich ansehnlichen Josef sehr gut. Josef wird ja oft als Greis dargestellt, aber der hier ist im besten Mannesalter.

Die Heilige Familie in der barocken Großkrippe in Mindelheim

Um die Heilige Familie versammelt sich eine erstaunlich vielfältige Schar. Links im Hintergrund sind jüdische Schriftgelehrte zu sehen. Davor reitet der Tross der drei Weisen aus dem Morgenland herbei, im Vordergrund galoppiert die Königin von Saba. Die gehört eigentlich nicht direkt zur Weihnachtsgeschichte, macht sich aber sehr gut in ihrem prächtigen blauen Kleid auf dem hölzernen Schimmel.

Barocke Großkrippe in Mindelheim

Die Kleider wurden vor einigen Jahren von einer Mindelheimerin neu gefertigt, da die barocken Originalgewänder im Laufe der Zeit zerfallen waren. Die Königin von Saba bekam sogar eine neue Echthaarperücke, deren Locken jedes Jahr von einem ortsansässigen Friseur in Form gebracht werden.

Die Königin von Saba in der baocken Großkrippe in Mindelheim

Überhaupt sind die einzelnen Figuren mit viel Liebe zum Detail ausgestattet.

Mohrenbüble in der Krippe in der Jesuitenkirche Mindelheim

Die rechte Hälfte der Großkrippe gehört den Einheimischen. Diese zwei Mädchen tragen die früher typischen Mindelheimer Hauben auf dem Kopf. Früher bekamen sie sogar selbst Gebackenes in die Hände bzw. in den Korb gelegt, aber das animierte offenbar zu viele Leute zum Anknabbern.

Krippenfiguren mit Mindelheimer Hauben

Diese Großkrippe ist wirklich beeindruckend, die solltet ihr euch bei einem Mindelheim-Besuch in der Weihnachtszeit nicht entgehen lassen.

Zwei ungewöhnliche Schätze: Stippvisite im Krippenmuseum

Die Krippenstadt Mindelheim schmückt sich nicht nur zur Weihnachtszeit. Sie leistet sich auch ganzjährig ein eigenes Krippenmuseum, das gleich hinter der Jesuitenkirche im ehemaligen Jesuitenkolleg liegt. Es wurde im Oktober 2018 nach einer kompletten Modernisierung neu eröffnet.

Eingang zu den Museen der Stadt Mindelheim

Im Zuge der Sichtung der umfangreichen Schätze waren zwei Schätze entdeckt worden, deren Bedeutung zuvor niemand erkannt hatte. Heute sind sie gebührend prominent platziert.

Das älteste Jesuskind der Welt: das „Haushälterle“

Diese Darstellung vom Jesuskind, das seinen Finger in den Mund steckt, finde ich sehr rührend. Seine Herkunftsgeschichte ist es auch (obwohl nicht sicher ist, dass sie stimmt): Die Figur soll aus einem Kloster in Leutkirch stammen, dessen Nonnen alle bei der Pestepidemie 1348 starben. Als das Kloster später wiederbesiedelt wurde, sollen die neuen Schwestern es gefunden haben.

Das Haushälterle - das älteste Jesuskind der Welt

Den Namen „Haushälterle“ bekam es, weil es im Kloster ein Brotwunder gewirkt und das Kloster mit ausreichend Brot versorgt haben soll. Sicher ist aber, dass dieses etwas unbeholfen wirkende Jesuskind tatsächlich aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt. Und das, obwohl man bis vor Kurzem gedacht hatte, es gäbe solche Jesuskind-Darstellungen erst seit etwa 1500.

Ein wertvolles Stück: das „Millionenbüble“

Gleich daneben steht in einer mit Panzerglas gesicherten Vitrine dieses munter schreitende Jesuskind mit seinen netten roten Locken. Unser Führer stellte es als „Millionenbüble“ vor.

Das Millionenbüble - schreitendes Christkind von Michel Erhart

Diesen hübschen Beinamen trägt es wegen seines hohen Versicherungswertes. Bei der wissenschaftlichen Untersuchung der Stücke im aus dem Krippenmuseum im Zuge der Neugestaltung hatte sich nämlich herausgestellt, dass die Figur von Michel Erhart gefertigt wurde. Er war um das Jahr 1500 der berühmteste Bildschnitzer Ulms, das wiederum um diese Zeit als Zentrum dieser Kunst galt.

In der Krippenführung durch die weihnachtliche Krippenstadt Mindelheim ist nur ein kurzer Besuch im Krippenmuseum enthalten. Ich habe aber vor, zu einem ausführlicheren Besuch wiederzukommen und möchte mir dabei auch die übrigen Museen im Jesuitenkolleg ansehen. Darüber schreibe ich dann einen eigenen Post.

Hat euch der weihnachtliche Spaziergang durch die Krippenstadt Mindelheim gefallen? Dann nutzt doch die Zeit bis Lichtmess zu einem Besuch in der Stadt und erzählt mir davon. Ich freue mich auf eure Kommentare! Fasching ist in Mindelheim übrigens auch eine besondere Zeit, das könnt ihr in meinem Post Lang, bunt und fröhlich: der Faschingsumzug Mindelheim nachlesen.

Bezaubernde Weihnachtszeit in der Krippenstadt Mindelheim

Klausentreiben im Allgäu - gehörnter Klaus vor dem Pflegerschloss in Obergünzburg

Brauchtum im Allgäu: Bilder vom Klausentreiben Obergünzburg

Im Allgäu und überhaupt im Alpenraum haben sich viele uralte Bräuche erhalten, darunter das Klausentreiben. Der heidnische Ursprung dieses Brauchs ist sofort erkennbar, wenn nach Einbruch der Dunkelheit zottelig-vermummte Gestalten den Marktplatz stürmen. Sie tragen oft Hörner, in manchen Orten auch Masken, und große Schellen, deren Klang ihre Sprünge begleitet. Mit ihren Ruten teilen sie Hiebe gegen jene Vorwitzigen aus, die ihnen nicht schnell genug aus dem Weg gehen.

Was sich hinter dem Klausentreiben verbirgt

Ursprünglich sollten die wilden Gestalten wohl die Wintergeister oder andere böse Kräfte verscheuchen. In manchen Orten sind zum selben Zweck die Bärbele unterwegs, maskierte Gestalten, die als alte Frauen verkleidet sind. In wieder anderen Orten treten Klausen und Bärbele gemeinsam oder nacheinander auf. Es ist ja klar, dass sie gruslig aussehen müssen, damit die bösen Geister Reißaus nehmen.

Klausen mit blauem Licht

Durch das Wirken des Heiligen Magnus und anderer Missionare wurde das Allgäu gegen Ende des 8. Jahrhunderts zwar christianisiert, aber die alten Bräuche ließen sich die Einheimischen nicht austreiben. Deswegen wurden sie einfach umgedeutet: Die Bärbele heißen so, weil sie am Barbaratag (4. Dezember) unterwegs sind. Die Klausen gehören nun zur Entourage des Heiligen Nikolaus und treten daher in der Regel am 5. und/oder 6. Dezember auf.

Früher wurden junge Mädchen und Burschen von den Klausen teilweise recht wild angegangen. Heute ist das Treiben wesentlich zivilisierter. Kinder, die ein Nikolauslied singen oder ein Gedicht aufsagen, bekommen dafür Nüsse und Süßigkeiten geschenkt.

Kinder singen für Schokolade beim Klausentreiben

Bilder vom Klausentreiben Obergünzburg 2018

In Obergünzburg im Ostallgäu veranstaltet traditionell die Freiwillige Feuerwehr das Klausentreiben, und zwar am 5. Dezember. Bis 18 Uhr haben sich die erwartungsvollen Besucher auf dem Marktplatz eingefunden, die Kinder sind oft schon recht aufgeregt. Die Klausen haben sich vor dem Heimatmuseum gesammelt und stürmen dann herbei … das ist schon eindrucksvoll!

KLausentreiben Obergünzburg - die Klausen stürmen zum Marktplatz

Die modernen Geistervertreiber posieren auch mal für ein Foto, wenn man lieb fragt.

drei weilde Gesellen beim Klausentreiben Obergünzburg 2018

Gehörnter Gesell beim Klausentreiben

Klausen vor dem Obergünzburger Rathaus

Sie mischen sich unters Volk, tätscheln den ein oder anderen mit der Rute und fordern mutige Kinder zum Singen auf. Notfalls akzeptieren sie auch Feliz Navidad als Sangesgabe, wie ich dieses Jahr festgestellt habe. Aber ein bisschen unheimlich bleiben sie doch, die vermummten Gestalten …

Klausentreiben in Obergünzburg

Allgäuer Klaus mit Geweih

Glücklicherweise verkauft die Freiwillige Feuerwehr auch Glühwein und Bratwürste als Nervennahrung. Und so verbringen die Einheimischen inmitten der Fellträger einen fröhlichen Abend, bis die Geistervertreiber sich zurückziehen und die Kinder ins Bett müssen.

Klausentreiben Obergünzburg 2018

Der Nikolaus kommt in Obergünzburg meist etwas später, nämlich zum Weihnachtsmarkt. Ein paar Klausen sind dann auch wieder dabei.

Klausentreiben im Allgäu - Obergünzburg

Deutlich gruseliger geht es übrigens bei Börwang brennt zu, einer Klausenveranstaltung, die alle vier Jahre stattfindet. Dorthin würde ich Kindergartenkinder jedenfalls nicht mitnehmen. Falls ihr mehr von Obergünzburg sehen möchtet, gefällt euch vielleicht mein fotografischer Streifzug durch diese liebenswerte Günztalgemeinde.

Börwang brennt 2018 - feuriges Klausentreiben im Allgäu

Börwang brennt – schaurig-schönes Treiben der Klausen und Perchten

Börwang brennt ist eine junge Veranstaltung, die an altes Allgäuer Brauchtum anknüpft und seit 2010 im Vier-Jahres-Rhythmus stattfindet. Ich war dieses Jahr zum ersten Mal dort und bin höchst beeindruckt von dem gewaltiges Spektakel, das der Börwanger Klausenverein auf die Beine stellt. 450 Mitwirkende aus 26 Brauchtumsvereinen aus dem Alpenraum verwandeln die 1700-Einwohner-Gemeinde bei Kempten in einen feurigen Hexenkessel, der tausende Besucher anzieht.

Börwang brennt 2018

Börwang brennt versammelt Klausen-, Krambus-, Bärbele- und Perchtengruppen aus dem Alpenraum, um gemeinsam altes Brauchtum in modernisierter Form zu pflegen. Nach dem Umzug gibt es eine große Party im Festzelt, das gehört schließlich zur Brauchtumspflege dazu.

gruseliger Krampus bei Börwang brennt

Eindrücke von Börwang brennt 2018

Nach Einbruch der Dunkelheit ziehen wilde Gestalten in schaurigen Masken durch den Ort. Börwangs Klausen sind traditionell in Pelze gehüllt und wirken mit ihren Hörnern wie haarige Wikinger.

Klausentreiben bei Börwang brennt

Auch diese Gruppe aus dem Kleinwalsertal (D’Bommera) ist sehr traditionell unterwegs. Die Bommera sind die großen Schellen, die sie umgebunden haben. Sie machen einen erstaunlichen Lärm!

Krampus aus dem Kleinwalsertal mit Bommera

Die Penzberger Beaschdn hatten eine eigene Musikgruppe dabei.

Penzberger Beaschdn - Musikgruppe bei Börwang brennt 2018Die diversen Krampusgruppen waren dagegen ziemlich gruselig unterwegs. Neben denen sehen die Orks aus dem Herrn der Ringe ja beinahe harmlos aus!

gruseliger Krampus mit Hörnern

Teuflische Assoziationen sind hier zutreffend: Die Schluchtetuifl Biberwier aus Reutte in Tirol haben sich beim Höllenfürsten den Dreizack abgeguckt.

Krampus mit Dreizack bei Börwang brennt

Dieser Krampus kommt aus Kärnten und trägt eine besonders hübsche Maske.

Krampus aus Kärnten bei Börwang brennt 2018

Aus Türkheim war eine ganz feurige Krampustruppe angereist.

Krampusgruppe mit Fackeln bei Börwang brennt 2018

Leider sind diese Dämonenvertreiber höllisch schwer zu fotografieren. Ich hoffe, ich konnte euch trotzdem einen Eindruck von Börwang brennt vermitteln. Für Zartbesaitete und kleinere Kinder würde ich es nicht empfehlen, allen anderen aber schon. Falls der Umzug 2022 wieder stattfindet, gehe ich garantiert wieder hin!

Hintergrundinfo: Klausen, Bärbele und Perchten

Das Klausen- und Bärbeletreiben ist ein Brauch, der im Alpenraum und damit auch im Allgäu seit Jahrhunderten gepflegt wird. Er hat vorchristliche Wurzeln und diente ursprünglich wohl dazu, böse Geister zu vertreiben. Die Idee dahinter: Furchterregende Verkleidungen und wildes Auftreten sollte die Klausen so schrecklich wirken lassen, dass selbst die Geister vor ihnen fliehen. Bei so einem Anblick klappt das sicher ganz gut:

Strasswalchner Krampus bei Börwang brennt

Später wurden die Klausen (in Oberbayern und Österreich heißen sie Krampus) christianisiert: Sie treten rund um den Nikloaustag und oft im Gefolge des Heiligen auf. Früher teilten sie dabei auch ordentlich Rutenhiebe an vorwitzige Kinder und Jugendliche aus, aber das ist heute ziemlich gemäßigt.

Die Bärbele sind einen Tag früher unterwegs, nämlich am 4. Dezember, dem Barbaratag. Sie haben Besen dabei, mit denen sie symbolisch den Ort vom Bösen reinigen.

Dann gibt es noch die Perchten. Das sind Geisterwesen, die in den Rauhnächten vom 25. Dezember bis zum 6. Januar unterwegs sind. Ihre Aufgabe ist es ebenfalls, die Dämonen des Winters zu vertreiben. Manchmal heißt es auch, sie würden die Seelen der Verdammten holen. Es gibt sie in zwei Ausführungen, nämlich als „Schee-“ und „Schiachperchten“. Erstere sehen vergleichsweise schön aus, Letztere hässlich.

Börwang brennt - Brauchtum im Allgäu