Monate: September 2012

Die Liebenthannmühle im Günztal

Die Liebenthannmühle: Von der Ruine zum Ruheplatz am Wasser

So ist das manchmal bei uns im Allgäu: Da mussten erst Auswärtige, noch dazu richtige Württemberger Schwaben, kommen, um mit viel Liebe, Geduld und Geld aus einer unansehnlichen Ruine ein Schmuckstück zu machen, das zu einem meiner Lieblingsausflugsziele geworden ist. Bezauberndes Günztal zwischen Obergünzburg und Ronsberg Das Günztal zwischen Obergünzburg und Ronsberg ist schon seit Jahren ein beliebtes Ziel für Wanderer und Radler, weil es ein sehr hübsches Naturschutzgebiet ist, in dem die Günz noch ganz unordentlich und eigenwillig vor sich hin mäandert und die angrenzenden Feuchtwiesen nur sehr schonend landwirtschaftlich genutzt werden. Im Wald auf der Westseite kann man noch ein paar Mauern des früheren fürstäbtlichen Schlosses Liebenthann aus dem 13. Jahrhundert finden. Der Günztal-Wanderweg führt am Wald entlang. Ganze zwei Gebäudeensembles finden sich entlang dieses Wegs. Eines ist ein noch aktiver Bauernhof, das andere kannte ich lange Jahre nur als unansehnliche Häufung verlassener und verfallender Häuser und Schuppen, von der es hieß, es sei einmal eine Mühle gewesen. 2004 lasen wir in der Zeitung, ein Ehepaar hätte diese Ruinen gekauft und plane, dort …

Schachtelfest - Kisten-Deko und Gedicht vor dem Haus

Schachtelfest: Viele Schachteln und ein Grund zum Feiern

Kennt ihr das Schachtelfest? Kürzlich war ich mit dem Fahrrad unterwegs und kam an einem Hof mit dieser wunderbaren Dekoration vorbei – zum Glück hatte ich die Kamera dabei, sonst wäre euch die Dokumentation dieses liebenswerten Allgäuer Brauchtums entgangen: Nein, das sind weder die Reste eines Umzugs, noch handelt es sich um einen Garagenflohmarkt oder eine wilde Müllkippe. Es ist nur das sichtbare Zeichen dafür, dass hier eine noch unverheiratete junge Frau ihren 25. Geburtstag gefeiert hat. Und damit nicht irgendeinen beliebigen Geburtstag, sondern das Schachtelfest, das mit einer rauschenden Party begangen wird. Was ist das Schachtelfest? In der Nacht zu ihrem 25. Geburtstag ist besagte junge Dame nämlich leider zur „alten Schachtel“ geworden. Als äußeres Zeichen dieser „Würde“ wird ihr Haus oder ihre Wohnung von ihren mitfühlenden Freunden mit leeren Schachteln dekoriert. Wenn sie Pech und sehr fleißige Freunde hat, findet sie an ihrem Geburtstag ihre ganze Wohnung voller Schachteln vor. Meist werden auch Geschenke in Schachteln überreicht. Manchmal gibt es 25 Schachteln, in denen mehr oder weniger sinnige Geschenke (etwa Gebissreiniger, Inkontinenzeinlagen und …

Kaufbeuren: Crescentias Sieb und der Garten des Heiligen Franziskus

In der Nacht zum Ostersonntag 1744 ist die Weberstochter Anna Höß im Franziskanerinnen-Kloster in Kaufbeuren gestorben. 268 Jahre später ist die Erinnerung an sie noch höchst lebendig: Anna, sechstes von acht Kindern einer armen Familie, wurde nämlich als Schwester Maria Crescentia schon zu Lebzeiten berühmt, im Jahr 1900 selig- und 2001 durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Die Geschichte der Heiligen Crescentia Am Montagabend hatte ich das Vergnügen, an einer Führung durch das Crescentiakloster teilnehmen zu dürfen. Schwester Maria Ursula erzählte uns mit viel Begeisterung und Überzeugung aus dem Leben der Heiligen: wie sie in ihrer Kindheit Armut und Leid erfuhr (fünf ihrer Geschwister starben), sich dann zum Eintritt ins Kloster berufen fühlte, aber wiederum an ihrer Armut scheiterte – damals war das Einbringen einer „Mitgift“ Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden, aber die konnte die Familie nicht aufbringen. Der evangelische Bürgermeister Kaufbeurens setzte sich daraufhin für die 18-Jährige ein, so dass die Mutter Oberin sich gezwungen sah, sie doch aufzunehmen. Herzlich war das Willkommen nicht, das sie erfuhr, sondern in der ersten Zeit …