Jahr: 2012

Windkraft im Allgäu - Windrad im Abendrot

Wer Wind erntet, wird Strom bekommen … und Streit

So mancher hat sich über die Windkraft im Allgäu schon geärgert. Eine idyllische Landschaftsaufnahme ist tief im Allgäu kaum noch ohne hohe Masten denkbar, denn viele Höhenrücken werden inzwischen von Windkraftanlagen geziert bzw., je nach Standpunkt des Betrachters, verunstaltet. Nur die touristisch besonders interessanten Regionen sind davon ausgenommen, um den Gästen nicht den Ausblick bzw. die Fotos zu verderben. Windkraft im Allgäu ist nicht unumstritten Wie der Rest der Republik auch, sind die Allgäuer grundsätzlich sehr für erneuerbare und umweltfreundliche Energien. Im Einzelfall möchten aber viele lieber keine „Spargel“ in der Landschaft haben, besonders nicht da, wo man den Touristen ländliche Idylle bieten will und und erst recht nicht in der Nähe des eigenen Heimes bzw. Hofes. Da nehme ich mich übrigens selbst nicht aus: Im wimmernden Rotorschatten eines riesigen Windrades möchte ich auch nicht leben. Als die ersten weißen Rotorriesen aufgestellt wurden, fand ich sie störend in der sonst so grünen Gegend. Weithin zu sehen sind beispielsweise die Anlagen in Upratsberg. Aber wie das so ist: Ich habe mich an ihren Ablick gewöhnt. Aus …

grün leuchtendes Wasser und steile Felswände in der Breitachklamm

Breitachklamm: Diese Tour begeistert selbst Wandermuffel!

Vor zwei Wochen war ja unser französischer Austauschschüler zu Besuch – ein sehr liebenswerter Junge, aber Bewegung an der frischen Luft zählt nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Als er hörte, dass wir am Wochenende eine Wanderung machen wollten, war er alles andere als begeistert, aber zu höflich, um zu protestieren. Welches Ziel ist unter solchen Umständen das richtige? Wir entschieden uns für: Die Breitachklamm Unser Gast hatte von Oberstdorf übrigens noch nie etwas gehört, was den dortigen Tourismusverantwortlichen zu denken geben sollte. Über den kostenpflichtigen Parkplatz direkt vor dem Gasthaus Breitachklamm (2 €) wunderte er sich ebenso wie über die Souvenirshops und das Kassenhaus (3,50 € für Erwachsene, 1,50 € für Kinder). Update 2017: Die Eintrittspreise für die Breitachklamm liegen nun bei 4 € für Erwachsene und 1,50 € für Kinder. Zu sehen gibt es da bei Tiefenbach, am Beginn der Klamm, eher wenig. Auch der Beginn der Wanderung ist unspektakulär, man sieht halt einen netten kleinen Bach. Schon nach ein paar Minuten ändert sich der Eindruck: Der Bach schlängelt sich durch immer steiler aufragende Felswände. …

Die Liebenthannmühle im Günztal

Die Liebenthannmühle: Von der Ruine zum Ruheplatz am Wasser

So ist das manchmal bei uns im Allgäu: Da mussten erst Auswärtige, noch dazu richtige Württemberger Schwaben, kommen, um mit viel Liebe, Geduld und Geld aus einer unansehnlichen Ruine ein Schmuckstück zu machen, das zu einem meiner Lieblingsausflugsziele geworden ist. Bezauberndes Günztal zwischen Obergünzburg und Ronsberg Das Günztal zwischen Obergünzburg und Ronsberg ist schon seit Jahren ein beliebtes Ziel für Wanderer und Radler, weil es ein sehr hübsches Naturschutzgebiet ist, in dem die Günz noch ganz unordentlich und eigenwillig vor sich hin mäandert und die angrenzenden Feuchtwiesen nur sehr schonend landwirtschaftlich genutzt werden. Im Wald auf der Westseite kann man noch ein paar Mauern des früheren fürstäbtlichen Schlosses Liebenthann aus dem 13. Jahrhundert finden. Zur Ruine Liebenthann habe ich hier einen eigenen Beitrag geschrieben. Der Günztal-Wanderweg führt am Wald entlang. Ganze zwei Gebäudeensembles finden sich entlang dieses Wegs. Eines ist ein noch aktiver Bauernhof, das andere kannte ich lange Jahre nur als unansehnliche Häufung verlassener und verfallender Häuser und Schuppen, von der es hieß, es sei einmal eine Mühle gewesen. 2004 lasen wir in der …

Schachtelfest - Kisten-Deko und Gedicht vor dem Haus

Schachtelfest: Viele Schachteln und ein Grund zum Feiern

Kennt ihr das Schachtelfest? Kürzlich war ich mit dem Fahrrad unterwegs und kam an einem Hof mit dieser wunderbaren Dekoration vorbei – zum Glück hatte ich die Kamera dabei, sonst wäre euch die Dokumentation dieses liebenswerten Allgäuer Brauchtums entgangen: Nein, das sind weder die Reste eines Umzugs, noch handelt es sich um einen Garagenflohmarkt oder eine wilde Müllkippe. Es ist nur das sichtbare Zeichen dafür, dass hier eine noch unverheiratete junge Frau ihren 25. Geburtstag gefeiert hat. Und damit nicht irgendeinen beliebigen Geburtstag, sondern das Schachtelfest, das mit einer rauschenden Party begangen wird. Was ist das Schachtelfest? In der Nacht zu ihrem 25. Geburtstag ist besagte junge Dame nämlich leider zur „alten Schachtel“ geworden. Als äußeres Zeichen dieser „Würde“ wird ihr Haus oder ihre Wohnung von ihren mitfühlenden Freunden mit leeren Schachteln dekoriert. Wenn sie Pech und sehr fleißige Freunde hat, findet sie an ihrem Geburtstag ihre ganze Wohnung voller Schachteln vor. Meist werden auch Geschenke in Schachteln überreicht. Manchmal gibt es 25 Schachteln, in denen mehr oder weniger sinnige Geschenke (etwa Gebissreiniger, Inkontinenzeinlagen und …

Kaufbeuren: Crescentias Sieb und der Garten des Heiligen Franziskus

In der Nacht zum Ostersonntag 1744 ist die Weberstochter Anna Höß im Franziskanerinnen-Kloster in Kaufbeuren gestorben. 268 Jahre später ist die Erinnerung an sie noch höchst lebendig: Anna, sechstes von acht Kindern einer armen Familie, wurde nämlich als Schwester Maria Crescentia schon zu Lebzeiten berühmt, im Jahr 1900 selig- und 2001 durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Die Geschichte der Heiligen Crescentia Am Montagabend hatte ich das Vergnügen, an einer Führung durch das Crescentiakloster teilnehmen zu dürfen. Schwester Maria Ursula erzählte uns mit viel Begeisterung und Überzeugung aus dem Leben der Heiligen: wie sie in ihrer Kindheit Armut und Leid erfuhr (fünf ihrer Geschwister starben), sich dann zum Eintritt ins Kloster berufen fühlte, aber wiederum an ihrer Armut scheiterte – damals war das Einbringen einer „Mitgift“ Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden, aber die konnte die Familie nicht aufbringen. Der evangelische Bürgermeister Kaufbeurens setzte sich daraufhin für die 18-Jährige ein, so dass die Mutter Oberin sich gezwungen sah, sie doch aufzunehmen. Herzlich war das Willkommen nicht, das sie erfuhr, sondern in der ersten Zeit …

Spielen, bis die Kinder Fix und Foxi sind: im Ravensburger Spieleland

Okay, zum Allgäu gehört Ravensburg auch bei großzügiger Auslegung nicht mehr – aber es liegt gewissermaßen vor seinen Toren und ist ein so schönes Ausflugsziel für Familien, dass ich es euch einfach nicht vorenthalten kann. Wir fahren jedes Jahr einmal hin, und zwar immer mit Gutscheinen für die Eintrittskarten, die wir bei unserer regionalen Supermarktkette Feneberg im Laufe des Jahres mit dem Kauf von Bio-Produkten erstempelt haben. „Das größte Spielzimmer der Welt“ So lautet der Slogan des Freizeitparks, und das ist nicht übertrieben: In einem riesigen Parkgelände können sich hier Kinder zwischen einem und zwölf Jahren so richtig austoben und ausspielen, bis sie sich so fühlen, wie die beiden im Park oft präsenten Comicfiguren heißen. Meine Kinder lieben besonders das Fix-und-Foxi-Abenteuerland mit der witzigen Turbo-Wasserrutsche und der coolen Raketenblitz-Bahn: Für die einst heiß geliebte Baggergrube sind sie inzwischen zu groß: Dafür lockt heute das Alpin-Rafting mit seinem spektakulären Boots-Aufzug. Der 2012 eröffnete Wasserspielplatz (1.500 qm!) ist eher etwas für die Kleineren, aber auf dem Abenteuerspielplatz mit den riesigen Rutschen und Klettergeräten haben auch 11-Jährige noch …

Wallenstein Festspiele Memmingen 2012 - beim großen Umzug

Walleinstein lebt! Letzte Sichtung: Memmingen

Fantasielose Menschen, Geschichtslehrer zum Beispiel, würden behaupten, dass Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, Herzog zu Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Graf von Schwerin, Herr von Rostock, Herr von Stargard und Generalissimus (Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee im Dreißigjährigen Krieg) sowie Admiral bereits 1634 ermordet wurde. Ich aber habe ihn letzten Sonntag mit eigenen Augen gesehen. Erst im Interview mit einer Pressedame und dann huldvoll winkend in seiner Kutsche beim prachtvollen Einzug in die Stadt. Gut sah er aus! Alle vier Jahre zieht Wallenstein nach Memmingen ein Mehr habe ich von Wallenstein leider nicht erwischt – aber sein Federbusch ist schön buschig: Naja, es war vielleicht doch nicht der vor 280 Jahren Verblichene höchstpersönlich, sondern sein höchst ansehnliches neuzeitliches Double Dr. Klaus Hörmann. Der echte Wallenstein war aber wirklich für einige Monate in Memmingen, nämlich im Jahr 1630. Dort machte er sich bei den Einheimischen sehr beliebt, weil während seiner Anwesenheit nicht nur Frieden und Ruhe herrschten (er ließ Hunde und Hähne einsperren, damit sie keinen Lärm machten und verbot das Läuten der Kirchenglocken), sondern er und sein …